Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- Seite 695 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 695 erklärte, die Behauptung der arabischen Exekutive, daß viele Juden in Jaffa bewaffnet waren oder durch die Regierung bewaffnet wurden, sei nicht wahr; ebenso ist die Behauptung unwahr, daß die Juden militärische Uniformen trugen und auf die Araber schossen. Nur ein jüdischer Polizist wurde unter der Beschuldigung, Schüsse abgegeben zu haben, dem Gericht überwiesen. Viscount Erleigh erklärte, er wolle die Ermordung der arabischen Familie nicht verteidigen, man müsse sich aber vor Augen halten, daß ganz in der Nähe des Hauses dieser Familie die Tötung der Juden aus Tel-Awiw geschehen war. Herr Rokach, der damals das Bürgermeisteramt in Tel- Awiw leitete, hat sofort nach Bekanntgabe der Ermordung der arabischen Familie im Namen der Juden seinem Abscheu Ausdruck gegeben. — Quigley sagte, er wisse nichts von zwei am 25. August seitens des Stadtrats von Tel-Awiw erlassenen Bekanntmachungen, in denen die Einwohner aufgefordert wurden, sich vollkommen ruhig zu verhalten und Disziplin zu bewahren. Auf Befragen gab er zu, daß er nicht hebräisch verstehe. Der Anwalt der Araber, Stoker, fragte, ob die Juden im Besitz von Waffen und Handgranaten waren. Quigley erwiderte: Wir haben in einem jüdischen Hause an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Awiw vier Flinten und zwei Revolver gefunden. Zu keiner Zeit waren Juden bewaffnet, nicht einmal die jüdischen Polizisten. Bei den Arabern beschlagnahmten wir eine Pistole und vier Revolver. 18 Gewehre wurden in der jüdischen Kolonie Hulda gefunden, die sich mit diesen Gewehren hartnäckig verteidigt hatte, die aber später von der Bewohnerschaft geräumt und dann von den Arabern niedergebrannt wurde. Quigley bestritt entschieden, daß hinter der Erregung der Juden im Zusammenhang mit der Klagemauer irgendein kommunistischer Einfluß wirksam gewesen sei. Über die Haganah (Jüdischer Selbstschutz) wisse er nichts Genaues, er glaube, sie sei ein Teil der allgemeinen Arbeiterorganisation. Er habe nie gehört, daß in der Haganah Reden gehalten würden. Auf Vorschlag Stokers wurde der Bericht der Haycraft-Kommission über die Palästina-Unruhe im Mai 1921 zu Protokoll, genommen. Stoker bemühte sich dann zu beweisen, daß sich bei der arabischen Kundgebung vor der Moschee in Jaffa am 25. August Juden provozierend verhielten. Stoker wies auf die angeblich aufreizenden Resolutionen jüdischer Protestversammlungen in Tel-Awiw hin. Sir Boyd verlas daraufhin vier von der Versammlung in Tel-Awiw angenommene Resolutionen, in denen gegen die Regierung protestiert wurde. Sir Boyd verlas die Statuten des Brith Trumpeldor, aus denen hervorgeht, daß dieser Verein 250 Mitglieder zählt und sich dem physischen, ethischen und kulturellen Aufbau widmet. Ein amerikanischer Journalist namens Vincent S h e a n, der sich als Araberfreund und Antizionist betätigt hat, meldete sich freiwillig bei der Untersuchungskommission als Zeuge und wurde auf Antrag des Anwalts der Araber Stoker vernommen. Er sagte aus, er sei am Tischa b’Aw mit einer bekannten jüdischen Dame, Miß Goldsmith, zur Klagemauer gegangen, da ihm Miß Goldsmith gesagt hatte, es kämen Chaluzim nach Jerusalem, von denen mehrere bewaffnet sind, und es würde Unruhen geben. Er habe einige Stunden an der Klagemauer zugebracht, sah einige jüdische Andächtige und viele Chaluzim, die aber keine Stöcke trugen, nur ein Revolver kam zum Vorschein, die Chaluzim waren in Kampfstimmung, Unruhen kamen aber nicht vor. Ein Araber, der mehrmals vor der Klagemauer auf und ab ging, wurde von der Polizei weggeführt. Seine jüdische Begleiterin hat ihm gesagt, daß am nächsten Tage Unruhen Vorkommen werden, er sei aber nicht wieder hingegangen. Herr Shean erzählt, er habe die telegraphische Berichterstattung an die North American Newspaper Alliance einstellen müssen, weil Juden vor dem Gebäude des New York World demonstrierten und jüdische Inserenten der Zeitung die Aufträge entzogen. Es sei als ein Freund des Zionismus nach Palästina gekommen, aber jetzt hege er andere Gefühle. Miß Goldsmith, eine Englisch-Lehrerin, Tochter eines bekannten Zionisten in New Britain, Connecticut, stellt entschieden in Abrede, daß sie Herrn Shean gesagt habe, es bereite sich ein Aufruhr an der Klagemauer am Vorabend des Tischa b’Aw vor. Sie habe nichts Derartiges Herrn Shean gesagt, sie habe ihn nur gebeten, ihr bei der Absendung eines Telegramms an die Londoner „Times“ behilflich zu sein. Shean brachte nun zur Sprache, daß Herr Agronsky offizielle Beziehungen mit der Zionistischen Exekutive in Palästina unterhalte, er sei Direktor des Nachrichtendienstes der Exekutive. Daraufhin erklärte Sir Boyd Merriman, däß Herr Agronsky nur im Ehrenamte Presseberater der Exekutive sei. Großes Erstaunen erregte die Mitteilung Sir Boyd Merrimans, daß die Palästinaregierung die „Times“ ersucht habe, Herrn Agronsky nicht mit der Vertretung des Predigers Danby von der St. - George-Kathedrale in Jerusalem, der sich auf einen zweimonatigen Urlaub begeben hatte, zu betrauen, da Herr Agronsky Jude sei Die „Times“ habe nichtsdestoweniger Herrn Agronsky mit dieser Vertretung betraut. Herr Silley, der zweite Anwalt der Regierung, teilte der Kommission mit, Herr Shean habe an die „North American Newspaper Alliance“ telegraphiert, daß er die Telegrammsendungen einstellt, weil er Antizionist geworden ist und den Zionismus für aggressiv und ungerecht halte, nachdem er soeben Zeuge einer organisierten Beschimpfung der heiligsten Stätte des Islam in Palästina gewesen ist. Silley legte auch Kopien eines Briefes vor, den Herr Shean an den damals in Zürich weilenden Herausgeber des offiziellen Organs der Zionistischen Organisation Amerikas „New Palestine“, Herrn Meyer Weisgal, gesandt hat und in welchem er ein mit Weisgal getroffenes Arrangement wegen Lieferung von Aufsätzen auf- CONTINENTAL Schreibmaschinen das Fabrikat der Wanderer-Werke A. G Hauptvertrieb für Südbayern: Joh.Winklhofer&Söhne München 50 Telephon 73844 :: Forstenrieder Str. E3 Reparaturen aller Systeme