Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- Seite 694 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 2× ep/1047559
- Safed 2× ep/1046078
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694 Das Jüdische Echo Nr. 47 gewarnt und ihn mit Gefängnis bedroht, wenn er mit der Hetze nickt aufhöre. Faraday schilderte die arabische Demonstration in Safed. Scheich Issa hielt in der Moschee eine aufreizende Rede, woraufhin sich 800 Moslems in Bewegung setzten. Der Mob rief: Der Glaube Mohammeds ist das Schwert! Wir brauchen keine Juden in Palästina! Nieder mit dem Zionismus! Wir wollen eine arabische Regierung! Faraday forderte die Menge zum Auseinandergehen auf und drohte andernfalls von den Waffen Gebrauch zu machen. Daraufhin hatten einige Araber ihre Brust entblößt: Wir wollen den Tod! ln Faradays Bericht wird geschildert, wie er unablässig um Verstärkungen bat und darauf hinwies, daß er ohne Truppen für die Sicherheit nicht garantieren könne. Sir Boyd unterbrach die Vorlesung mit der Frage an Faraday, warum er die jüdischen Häuser nach Waffen untersuchen ließ, wo er doch wußte, daß die Juden unbewaffnet waren. Faraday erwiderte, er wollte den Moslem iten zeigen, daß die Polizei unparteiisch v o r g e h t. Sir Boyd bemerkte, daß gerade während der gefährlichsten Schlächterei der Polizeioffizier Cohen und acht Polizisten in dem Hause des Juden Schapiro nach Waffen suchten, aber die Maschinengewehre, die Waffen der Polizei, ruhten ungenutzt in den Baracken. Faraday erwiderte: Wenn wir das Feuer eröffnet hätten, so hätten die Kugeln die fliehenden Juden ebenso getroffen, wie die sie verfolgenden Moslems. Wir wollten nicht eine Widerholung des Massakers von Hebron. Sir Boyd erwähnte noch, daß der Jude Schapiro, obwohl nichts Belastendes bei ihm gefunden wurde, dennoch zur Polizei gebracht, verhört und schließlich freigelassen wurde. Ein I4jähriger Junge, dessen Eltern bei den Masakres getötet wurden, wurde unter der Beschuldigung, einen arabischen Jungen geschlagen zu haben, verhaftet ünd vor ein Gericht gestellt, das ihn freisprach. Sir Boyd fragte Faraday, ob die von der arabischen Exekutive aufgestellte Behauptung, daß ein Beduine in Safed von Juden getötet wurde, wahr sei. Das ist nicht wahr, erwiderte Faraday. Sir Boyd: Haben überhaupt Juden auf Moslemiten geschossen? Captain Faraday: Nein! Sir Boyd: Ist es wahr, daß die Juden bewaffnet, die Araber dagegen unbewaffnet waren, und daß die Feuersbrunst durch die Juden verursacht worden sei, wie dies in dem Bericht der arabischen Exekutive behauptet wird? Faraday: Diese Behauptung ist lächerlich. Die Ereignisse in Jaffa Am 14. November vernahm die Untersuchungskommission den Polizeiinspektor des palästinensischen Süddistrikts, Herrn P. E. Quigley, dem u. a. die Städte Jaffa, Tel-Awiw, Hebron, Gaza und Beer Sheba unterstehen. Während der Unruhen war ihm die Wiederherstellung der Ordnung in Jaffa und Tel-Awiw unmittelbar anvertraut. Quigley sagte zunächst über die Ereignisse in Jaffa aus. Viscount Erleigh, einer der Anwälte der Zionistischen Exekutive, verlas Auszüge aus den in Tel-Awiw erscheinenden hebräischen Tageszeitungen „Haarez“ und „Dawar“ aus der den Unruhen unmittelbar vorangegangenen Zeit, aus denen hervorgeht, daß der Aufstandvorbereitet war und daß man sich auf den Ausbruch der Unruhen gefaßt mache. Quigley erklärte darauf, Hamdi Husseini sei der palästinensische Vertreter der Antiimperialistenliga und der Führer einer kleinen Gruppe arabischer Kommunisten; mit dem Groß- Mufti Haiamin el Husseini und dem Präsidenten der arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha ei Husseini, sei er trotz Namensgleichheit nicht verwandt. Dieser Hamdi Husseini habe jede Gelegenheit ausgenutzt, um unter religiösem Deckmantel Unruhen im Lande hervorzurufen. Hamdi Husseini, der dem Frankfurter Kongreß der Antiimperialistenliga im Juli dieses Jahres als Delegierter beiwohnte, sei sozusagen von Beruf Organisator von Demonstrationen; seit seiner Rückkehr aus Frankfurt habe er sich unablässig bemüht, Unruhen hervorzurufen. Die gemäßigten Araber hatten versucht, die Jugend von Ausschreitungen zurückzuhalten, aber die moslemitische Vereinigung junger Männer,' von denen einige Kommunisten sind, stand völlig unter dem Einfluß von Hamdi Husseini und handelte nach seinen Instruktionen. Jene Instruktionen aber, die die Araber ganz Palästinas zur Veranstaltung von Kundgebungen aufforderte, gingen von den moslemitischen „Komitee zum Schutze der Klagemauer“ aus. Alle Moslems von Jaffa wurden aufgefordert, sich am 28. August in den Moscheen zu versammeln. Die Polizei sah darin ein Zeichen sich vorbereitender ernster Unruhen. Das von Juden und Arabern gemeinsam bewohnte Stadtviertel an der Grenze zwischen Jaffa und Tel- Awiw wurde von Juden wie von Arabern geräumt. Quigley erzählte weiter, er habe keinerlei Kenntnis davon gehabt, daß in Ludd eine arabische Proteskundgebungen abgehalten wurde, wodurch die jüdische Kolonie Petach Tikwah sich bedroht fühlte; auch wußte er nicht, daß arabische Arbeiter in Petach Tikwah mit ihren Frauen die Kolonien verließen, nachdem sie vorher die Auszahlung ihres Lohnes gefordert hatten. Jaffa, fuhr Quigley fort, hat eine leicht erregbare Bevölkerung, und die Hauptbeschäftigung der Polizei war es, die Araber Jaffas von einem Eindringen in die jüdische Stadt Tel-Awiw zurückzuhalten. Der Hauptangriff der Araber ereignete sich am 25. August. Quigley erklärte, er könne sich nicht daran erinnern, daß die Zeitung „Dawar“ am 21. August Nachrichten über die herrschende Erregung und über die gefährliche Propaganda in Hebron veröffentlichte. Als er am Freitag von der Ermordung eines Studenten der Hebron-Heschiwah erfuhr, habe er Herrn Cafferata, dem Polizeichef von Hebron, die Instruktion erteilt, .alle Polizeiposten in Dienst zu stellen, auch habe er die Polizei in Gaza angewiesen, Verstärkungen nach Hebron zu entsenden. Nachher habe ihm Cafferata bezüglich der Lage in Hebron beruhigende Mitteilung zukommen lassen. Viscount Erleigh wies darauf hin, daß der Polizeioffizier Riggs dadurch, daß er auf die gegen das jüdische Viertel vorrückende arabische Menge das Feuer eröffnete, einen verabredeten Angriff auf dieses Viertel verhinderte. Quigley stimmte zu, daß dem so sei, und fügte noch hinzu, daß der Polizeioffizier Riggs über nur vier mit Gewehren bewaffnete Polizisten verfügte. Die Menge bedrängte den kleinen Polizeitrupp und ein Araber rief: „Tötet Riggs!“ Die Menge drang sodann in ein von Juden bewohntes Haus ein, tötete das Familienoberhaupt und verletzte seine beiden Söhne. Viscount Erleigh kam auf die Proteste der arabischen Exekutive gegen Sir John Chancellors Proklamation zu sprechen und widerlegte die darin aufgestellten Behauptungen hinsichtlich der Vorgänge in Hebron, Safed, Haifa und Jaffa Punkt für Punkt an Hand der vor der Kommission bereits erwiesenen Tatsachen. Quigley widersprach dieser Darstellung in keinem einzigen Punkte und