Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 47_ 22. November 16. Jahrgang Die Hrbeit der Untersuchungskommission Der Vize-Distriktskommissar über die Klagemauer-Vorgänge Jerusalem, 11. November. (JTA.) Der stellvertretende Distriktskommissar von Jerusalem, L. ■G. Archer Cust, schilderte vor der britischen Untersuchungskommission die arabischen Umtriebe im Zusammenhang mit der Klagemauer. Die jüdischen Behörden klagten darüber, daß die marokkanischen Moslems in einen an die Mauer grenzenden Garten ein Orchester mit Zimbeln, Trommeln und Schnarren gebracht haben, das während der Gebetsstunden der Juden, besonders am Vorabend des Sabbats, in ohrenbetäubender Weise musizierte. Der stellvertretende Oberkommissar, Herr Luke, ersuchte den Großmufti, anzuordnen, daß dem Unfug Einhalt getan werde. Der Mufti versprach, eine solche Anordnung zu treffen, aber am folgenden Freitag abend war das Orchester wieder da und machte das Beten unmöglich. Der Regierungsanwalt, Kenelm Preedy, fragte den Zeugen, ob die Aufhebung der Order, Bauarbeiten an der Klagemauer aufzuführen, irgendwelche Rückwirkung auf die moslemitische Welt gehabt hat. Der Vorsitzende der Kommission, Sir Walther Shaw, fragte lächelnd: Welche moslemitische Welt, den Mufti oder die Wakf-Behörden? Cust erwiderte: Der Befehl zur Einstellung der Bauarbeiten wurde am 26. Juni erteilt. Am 5. Juli wurden die Bauarbeiten trotz des Protestes des 'Oberrabbiners Kook wieder aufgenommen. Hier bemerkte Sir Walter Shaw, daß die Öffnung einer Tür den Erfolg gehabt hat, daß das Pflaster vor der Klagemauer, auf welchem zu beten die Juden durch langjährigen Gebrauch ein Recht erworben haben, zu einer Passage geworden ist. Sir Boyd Merriman erklärte dazu, daß die Juden ein Wegerecht nicht beanspruchen, sondern nur das Recht auf ungestörte Andachtsübung. Cust berichtete dann, daß durch das fortwährende Bauen an der Mauer die Nervosität unter den betenden Juden immer mehr stieg. Die rabbinischen Behörden waren aufs äußerste beunruhigt. Das Massaker in Safed Jerusalem, 11. November. (JTA.) Unter allgemeiner Spannung wurde der Polizeikommandant von Safed, F a r a d a y , von der Untersuchungskommission vernommen. Der Oberstaatsanwalt von Palästina, Norman Bentwich, und das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Harry Sacher, waren heute zum erstenmal zu einer Sitzung der Untersuchungskommission erschienen. Faraday schilderte die grauenvollen Ereignisse in Safed und teilte mit, er habe selbst zwei Araber erschossen, als diese den Petroleumladen des Juden Klinger in Brand gesteckt hatten. Sir Boyd Merriman fragte, wie es kommt, daß der erste offizielle Bericht über die Safed-Unruhen dahin lautete, daß ein arabisch-jüdischer Zusammenstoß erfolgt war, wo es sich doch in Wirklichkeit um eine Abschlachtung friedlicher jüdischer Einwohner gehandelt hat. Captain Faraday erwiderte, er habe in seinem ersten Bericht die Ereignisse nicht so geschildert, er habe nur geschrieben, der lang erwartete Aufruhr begann damit, daß die Moslems in das jüdische Viertel eindrangen, jüdische Männer, jüdische Frauen und Kinder abschlachteten, jüdisches Eigentum plünderten und in Brand steckten. Sir Boyd Merriman erwähnte, daß Captain Faraday S.O.S.-Rufe hinaussandte, aber vergebens um Verstärkungen bat, obwohl zur Zeit der Katastrophe in Safed bereits britische Truppen von auswärts Palästina besetzt hatten. Die beiden Maschinengewehre, die in Safed waren, wurden nicht zum Schutze des jüdischen Viertels verwendet, sondern standen ungenutzt in den Polizeibaracken. Der Mufti von Safed, fuhr Sir Boyd fort, stand dauernd mit dem Mufti von Jerusalem in Verbindung. Ein prominenter arabischer Agitator besuchte am Tage der Demonstration, dem 25. August, Safed; in seiner Gegenwart wurde die Hedjaz-Fahne gehißt. Auffallen muß es, daß sich die Polizei im unteren Teil des jüdischen Viertels von Safed befand, wenn der Mob im oberen Teil wütete, und daß später die Polizei sich im oberen Teil aufhielt*, als gerade der Mob im unteren Teil sich befand. Während die Aufrührer in dem jüdischen Viertel wüteten, die Einwohner nie;dermetzelten und Häuser in Brand steckten, waren ein Polizeioffizier und acht Polizisten damit beschäftigt, ein von Juden bewohntes Haus nach Waffen zu durchsuchen; sie fanden dort nichts anderes als eine zerbrochene Pistole; die einzige Feuerwaffe, die überhaupt unter den mehr als 3200 Juden Sefeds gefunden wurde. Der Anwalt der Araber, W. H. Stöcker, deutete an, daß es möglich wäre, daß der Jude Klinger selbst sein Haus in Brand gesteckt habe, um die Versicherungssumme einzuheimsen. Der Safeder Mufti habe eine beruhigende Proklamation erlassen. Captain Faraday erklärte hierzu, daß in Safed ausschließlich Araber Gewalttaten begingen. Die Juden waren nur der leidende Teil. Sir Boyd Merriman kam dann auf die Lage der jüdischen Kolonien in Nord-Galiläa zu sprechen, wo insbesondere die Misrachi-Siedlung Chittin in der Nähe von Tiberias und die große Kolonie Jessod Hamaalah schwer unter arabischen Angriffen zu leiden hatten, ln Tiberias selbst, wo der Mufti und die Rabbiner sich in freundschaftlicher Zusammenarbeit um die Aufrechterhaltung der Ordnung bemüht hatten, herrschte Ruhe. Captain Faraday gab dies zu und gab seiner Meinung Ausdruck, daß der Aufruhr verabredet war. Einer der Hauptangestellten im öffentlichen Gesundheitsdepartement, ein Araber namens Nasouk, war unermüdlich im Verbreiten von Legenden darüber, daß in den Straßen Jerusalems das Blut von Moslems in Bächen fließt. Er, Faraday, habe Nasouk