Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 46 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- Seite 685 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 685 (Der Ruhm der Wiener Studenten läßt offenbar die Berliner nicht schlafen; es ist ja auch gar nicht einzusehen, warum in Berlin nicht möglich sein soll, was so ausgezeichnet in Wien, Budapest und noch weiter östlich gelingt. Wie kann es auch anders sein, wenn rechtsstehende Zeitungen, wie die M. A. A. die Berichte über diese Ausschreitungen noch unter der Überschrift: „Burschen heraus“, bringen und also zu weiteren Krawallen direkt auffordern. Wir werden die augenblicklichen Verhältnisse in der Studentenschaft noch einmal gesondert behandeln. D. Red.) Die Zwangsbeiträge der bayerischen Studenten gesperrt Das bayerische Kultusministerium erläßt folgende amtliche Mitteilung: Die „Deutsche Studentenschaft“ besteht bekanntlich nur zu einem geringen Teile aus staatlich anerkannten, im übrigen aber aus freien Studentenschaften. Die letzteren sind nicht in der Lage, Zwangsbeiträge zu erheben, können also an den Vorstand der „Deutschen Studentenschaft“ und an die „Gefallenen-Gedenkstiftung“ verhältnismäßig viel weniger Mittel abführen, als den genannten Stellen aus den Zwangsbeiträgen der bayerischen (und württembergischen) Studentenschaften zufließen. Dieser Zustand bedeutet eine auf die Dauer nicht zulässige Belastung der bayerischen Studentenschaften. Das Staalsministerium für Unterricht und Kultus hat deshalb angeordnet, daß die nach den Haushaltplänen der Einzelstudentenschaften für den Vorstand der Deutschen Studentenschaft und für die Gefallenen- Gedenkstiftung bestimmten Beiträge, die im Rahmen der Asta-Beiträge für das Wintersemester 1929/30 von den Hochschulklassen eingehoben worden sind, bis auf weitere Weisung dort verwahrt werden. Weitere Verfügung behält sich das Ministerium, das sich noch mit den Hochschulen in Verbindung setzen wird, vor. (Es hat lange gedauert, bis sich das bayerische Kultusministerium zu dieser selbstverständlichen Maßnahme verstehen konnte; vielleicht darf man sie als Zeichen beginnender Einsicht begrüßen.) Aus der Jüdischen Welt Zionistischer Delegiertentag am 29. und 30. Dezember — Tagung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin, 11. November. (JTA.) Die Tagung des für den 10. November nach Berlin einberufenen Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland war außerordentlich stark besucht. Die meisten Ortsgruppen hatten Vertreter entsandt, denen der Landesvorstand das Recht gab, an der Aussprache teilzunehmen. Es stellte sich heraus, daß aus Erwägungen der praktischen Arbeit fast die gesamte Linke, die große Mehrheit der Allgemeinen Zionisten und die Vertreter fast aller Ortsgruppen Bedenken gegen die Einberufung eines Delegiertentages hatten. In der Vormittagssitzung hielten die Vertreter der oppositionellen Gruppen programmatische Reden. Im Verlauf der Nachmittagssitzung erwiderten auf diese die Herren Kurt Blumenfeld und Dr. Robert Weltsch. Die Auseinandersetzung brachte eine Klärung der Meinungen, und der Verlauf der Sitzung hinterließ den deutlichen Eindruck, daß eine von den gegenwärtigen Vorsitzenden geführte Koalition die große Mehrheit der deutschen Zionisten hinter sich hätte. Nachdem der Vorsitzende sich mit aller Energie für die Einberufung eines Delegiertentages eingesetzt hatte, beschloß der Landesvorstand, den Delegierlentag für den 29. und 30. Dezember einzuberufen. Kurt Blumenfeld aus der Zentralverwaltung von Ort ausgetreten Berlin, 7 .November. (JTA.) Wie die JTA. erfährt, ist der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, der seit einer Reihe von Jahren als zionistischer Vertreter der Zentral-Verwaltung des Verbandes Ort angehört halte, nunmehr aus der Zentralverwallung von Ort ausgetreten. Ein Anschlag auf die jüdischen Volksschulen Berlins — Der Volksschuldezernent König verbietet Schulunterricht an Sonntagen Berlin, 10. November. (JTA.) Der neuernannte Dezernent für das Volksschulwesen beim Berliner Provinzialschulkollegium, Regierungsdirektor König, ein Sozialdemokrat, hat seine Amtstätigkeit damit begonnen, daß er eine Verordnung erließ, die den Schulunterricht an Sonntagen verbietet. Dadurch sind die bestehenden jüdischen Volksschulen auf das schwerste betroffen, da bei einem nur fünftägigen Unterricht in der Woche das Lehrziel nicht erreicht werden kann. Die „Jüdische Rundschau“ bemerkt dazu: Diese Verordnung muß auf jüdischer Seile stärkste Ablehnung erregen, weil in ihr eine Verletzung der konfessionellen Gleichberechtigung liegt. Um so peinlicher wirkt diese Provokation der Juden, als sie von sozialistischer Seite kommt. Schließlich handelt es sich bei der ganzen Frage darum, daß ein Ruhetag in der Woche innegehalten werde. Das aber geschieht bei den jüdischen Schulen durch die Beobachtung des Sabbat. Dr. Katten Rabbiner in Bamberg Bamberg, 7. November. (JTA.) Zum Nachfolger des nach Saarbrücken berufenen Rabbiners Dr. Riilf wurde Herr Rabbiner Dr. Katten zum Gemeinderabbiner nach Bamberg berufen. Herr Dr. Katten, ein Absolvent des Breslauer Seminars, war bisher Gemeinderabbiner in Görlitz. Einstein Ehrendoktor der Pariser Sorbonne Paris, 10. November. (JTA.) Am 9. November nachmittags wurden in dem großen Amphitheater der Sorbonne unter dem Vorsitz des Rektors der Universität Paris, Professor Charlety, und im Beisein der Professoren sämtlicher Fakultäten und des gesamten wissenschaftlichen und geistigen Paris die Urkunde und die Insignien eines Ehrendoktors der Universität Paris an Professor Albert Einstein feierlich überreicht. Am 9. November abends fand zu Ehren Einsteins und der anderen Ehrendoktoren ein großes Bankett statt, dem Unterrichtsminister Marraud als Vertreter der französischen Regierung beiwohnte. Die Novomeyski-Gesellschaft in London registriert London, 5. November. (JTA.) Die von Ingenieur Novomeyski begründete Gesellschaft zur Ausnutzung der Kali-Schätze des Toten Meeres wurde soeben unter dem Titel Palesfine Pofash, Ltd. London mit einem Grundkapital von 400 000 Pfund, wovon 250 000 Pfund bereits subskribiert worden sind, handelsgerichllich eingetragen. Mit den Exploitierungsarbeiten wird sofort nach Eintreffen der bestellten Maschinen begonnen werden. Hebräisch in der Türkei verboten K o n s t a n t i n o p e 1 , 8. November. (JTA.) Das Schul-Departement der türkischen Regierung instruierte die Leiter der jüdischen Schulen dahin, daß Hebräisch-Unterricht in diesen Schulen nicht mehr erteilt werden darf. Diese Verordnung hat die jüdische Bevölkerung in Aufregung versetzt. Es besteht die Absicht, als Demonstration gegen das Verbot von Hebräisch-Unterricht alle jüdischen Schulen zu schließen.