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Das jüdische Echo · 1929-11-15 · 46 (15.11.1929) · p. Seite 684

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
46 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
Seite 684 (sequence 8)
Language
German
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684 Das Jüdische Echo Nr. 46 B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Fernruf Nr. 90939 Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 Äkademische Freiheit! Schließung der Wiener Universität und der Hochschulen Wien, 7. November. (JTA.) Offiziell wird mitgeteilt, daß die Rektoren der Universität, der Technischen Hochschule, der Hochschule für Bodenkultur, der Tierärztlichen Hochschule und der Hochschule für Welthandel am Donnerstag, dem 7. November abends, zu einer Beratung zusammengetreten sind und beschlossen haben, die genannten Hochschulen bis auf weiteres zu sperren. Nicht betroffen von dieser allgemeinen Hochschulsperre sind die Akademie der bildenden Künste und die Hochschule für Musik. Zutritt zu den Hochschulen haben nur Studierende, die zu einer Prüfung oder Promotion vorgeladen sind. Es verlautet, daß durch diese Maßnahm« alle Studenten das Semester verlieren und ein Halbjahr länger studieren müssen. Die Vorfälle am Donnerstag, die diesem Beschluß der Rektoren vorangingen, trugen den Charakter eines regelrechten Pogroms. Hauptsächlich wandte sich die Aktion der Hakenkreuzler gegen den Leiter des Anatomischen Instituts der Universität Wien, den weltberühmten Anatomielehrer Professor Julius Tandler, der Jude ist und im sozialen Leben. Wiens eine führende Rolle spielt; er ist Stadtrat und Leiter der Gesundheitsfürsorge. Mehrmals versuchten die Hakenkreuzler am Donnerstag vormittag den HörsaaL in welchem Professor Tandler eine Vorlesung hielt, zu s t.ii r m e n. Der Hörsaal war jedoch schon am frühen Vormittag von Hörern Tandlers besetzt worden, die die wiederholten Angriffe der Hakenkreuzler zurückschlugen, so daß Professor Tandler seine Vorlesung beenden konnte. Mittlerweile hatten die Hakenkreuzler aus anderen Hochschulen und von der Straße Zuzug erhalten. Sie stürmten das Anatomische Institut und zertrümmerten in einer regelrechten Schlacht alles, was sich in Tandlers Hörsaal befand, so daß jetzt Fensterscheiben, anatomische Objekte, wie Leichenteile und Knochen, Trümmer von Stühlen und Bänken sowie Instrumente durcheinander liegen. Die Ausgänge wurden gesperrt, damit die Hörer Tandlers nicht auf die Straße gelangen können. Die Pedelle und Diener halfen den jüdischen und sozialistischen Studenten, durch Bereitstellung von Leitern ins Freie zu gelangen. Einige gefährdete Studenten sprangen aus den Fenstern des ersten Stockwerkes auf die Straße. Die jüdischen und sozialdemokratischen Hochschüler aus den anderen Hör- und Übungssälen konnten nur durch einen Kordon völkischer Studenten das Gebäude verlassen. Mehrere jüdische Studenten erlitten Verletzungen und mußten sich verbinden lassen. Vom Anatomischen Institut zogen die Hakenkreuzler- und Heimwehrstudenten vor die Universität, wo aufhetzende Reden gehalten und die Rufe „luden hinaus“ ausgestoßen wurden. Ein antisemitischer Stoßtrupp drang in die Universitätsbibliothek ein und verprügelte dort zahlreiche Studentinnen. Dann wurden jüdische und sozialistische Studenten und Studentinnen in die Universitätsaula getrieben, wo sie mit Ochsenziemern empfangen und schwer verprügelt wurden. 1 rupps antisemitischer Studenten zogen mit den Rufen „Juden hinaus“ durch alle Korridore und zertrümmerten die Glasscheiben der Anschlagtafeln der sozialistischen und jüdischen Hochschüler, wobei wiederum mehrere Juden und Sozialisten mißhandelt wurden. Mehrere Juden erhielten Fußtritte. In allen Sälen wurde die Unterbrechung der Vorlesung erzwungen. Damit sich die Schlägereien nicht auf die Straße ausdehnen, wurde berittene Polizei aufgeboten, die die Ringstraße vor dem Universitätsgebäude abriegelte. WUen, 5. November. (JTA.) Am Dienstag, dem 5. November, wiederholten sich in Wien die Ausschreitungen gegen die jüdischen und demokratischen Studenten. Wie am Montag die Technische Hochschule, war am Dienstag die Universität Schauplatz wüster antisemitischer Szenen. Die völkischen Studenten postierten sich auf der Rampe und forderten alle Studenten, die die Rampe passierten, zur Ausweisleistung auf, diejenigen, die sich nicht als Mitglieder der Deutschen Studentenschaft ausweisen konnten, wurden verprügelt und die Treppen hinuntergeworfen. Am Fuße der Rampe ham es zu einer ernsten Schlägerei, als sich eine Gruppe Hakenkreuzler mit den Rufen; „Hoch der Numerus clausus! Pfui Juden!“ auf eine kleinere Gruppe jüdischer Studenten stürzte. Die Polizeiwache trennte die Studenten, indem sie mit den Gummiknütpeln dreinschlug. Schließlich zogen die Juden, Sozialisten und Demokraten unter lauten Protestrufen ab, während die Hakenkreuzler die Rampe weiter besetzt hielten. Wien, 6. November. (JTA.) Die antisemitischen Studentenausschreitungen in Wien wiederholten sich am Mittwoch, dem 6. November, an dem in der Universität die Inauguration des neuen Rektors Professor Gleispachs stattfand. Es kam in und vor der Universität zu Schlägereien,, denen die Polizei ein Ende machte. Als dann die Ehrengäste zur Inaugurationsfeier eintrafen, waren die Aufgänge von völkischen Studenten, die am Arm oder im Knopfloch das Hakenkreuz trugen, besetzt, nur ein schmaler Mittelweg war freigeblieben. Die Ehrengäste mußten sich bei den Hakenkreuzlern legitimieren, ehe ihnen der Eintritt in das Universitätsgebäude gestattet wurde. Antisemitische Studentenkrawalle an der Berliner Universität Berlin, 12. November. (JTA.) An der Berliner Universität kam es heute zu schweren, antisemitisch betonten Ausschreitung e n , weil das Rektorat den Anschlag einer Ballankündigung der vom Unterrichtsminister nicht anerkannten „Deutschen Studentenschaft“, der fälschlich unter dem anspruchsvollen Namen „Universitätsball“ lanciert wird, nicht gestatten wollte. Einige hundert Angehörige der „Deutschen Studentenschaft“, verstärkt durch Angehörige der Nationalsozialistischen Partei, die nicht Studenten sind, stürmten unter den Rufen „Juden heraus!“ durch die Gänge des Gebäudes. Vor den Anschlagbrettern der jüdischen und sozialistischen Studenten erreichten die Ausschreitungen ihren Höhepunkt. Polizei schritt ein und verhaftete sechs Personen, die in das Polizeigefängnis eingeliefert wurden.

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