Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 46 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- Seite 680 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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680 Das Jüdische Echo Nr. 46 festgenommen. Der Zeuge erzählt, er habe selbst gesehen, wie ein Araber einem Kind mit der Axt den Kopf abschlug. Er hat den Mörder niedergeschossen. Ein ehemaliger Polizist war dabei, eine Frau zu erdolchen, als Cafferata auf ihn schoß, worauf der Mann schrie: „Euer Gnaden, ich bin ein Polizist!“ Im Basar sind sowohl die jüdischen wie die arabischen Läden geplündert worden. Etwa um 10.30 Uhr war alles ruhig, aber später umzingelte eine Menschenmasse von etwa hundert Leuten das jüdische Hotel. Bis zur Ankunft britischer Polizei konnte man nichts anderes tun, als die überlebenden Juden im Spital in Sicherheit zu halten und die Straßen zu räumen. Der Zeuge sagt, er sei der einzige britische Polizist in Hebron, einer Stadt von 20 000 Einwohnern, gewesen. * * * Uber die Sitzungen der Untersuchungskommission von voriger Woche wird von der JTA. noch berichtet: Baruch Binch, ein jüdischer Distriktsbeamter aus Haifa, der vom 13. bis 16. August in Jerusalem Dienst tat, versicherte, daß die jüdische Prozession zur Klagemauer keineswegs als eine Provokation gegenüber den Arabern aufgefaßt werden konnte, da in jedem Jahre am Tischa b’Aw solche Prozessionen stattfinden. Der Anwalt der Araber, Silley, wollte wissen, ob nicht das Klagemauerkomitee darauf hinzielte, sich in den Besitz der Mauer zu setzen. Bineh bestritt dies entschieden und erklärte, das Komitee wollte nur den Bruch des Status quo verhindern. Silley stellte an Bineh Fragen über den Verlauf des Zionistenkongresses in Zürich und die Beschlüsse der Jewish Agency. Bineh lehnte es ab, sich in eine politische Diskussion über die Wirkung dieser Beschlüsse auf die Juden Palästinas einzulassen. Er stellte nur fest, daß diese Beschlüsse in keiner Weise eine Erregung verursachten. Es folgte sodann die nochmalige Vernehmung des Jerusalemer Polizeikommandanten Harri n g t o n. Polizeiinspektor Bums sagte aus, er sei am Freitag gerufen worden, um bei einem Streit zwischen einem jüdischen und einem arabischen Haufen in dem sogenannten „Russischen Hof“ zu intervenieren. Es waren an diesem Kampfe etwa 300 Juden und 250 Araber beteiligt. Es geschah dies um ungefähr 1.30 Uhr nachmittags. Die Polizei drängte zuerst die jüdische Menge zurück und geleitete die eingeschlossenen Araber aus diesem Viertel heraus. Unter den Arabern waren zwei Verletzte. Dieser Zusammenstoß war erfolgt, nachdem vorher mehrere Juden in der Jaffastraße von Arabern getötet worden waren. Ob im „Russischen Hof“ Juden oder Araber mit dem Angriff begonnen hatten, konnte er nicht mehr feststellen. Er habe später sieben mit Arabern voll besetzte Fuhrwerke auf dem Wege nach Jaffa angetroffen. Auf die Frage, welches Ziel sie haben, gaben die Araber ausweichende Antwort. Ein vom Anwalt der Araber, Herrn Stoker, gestellter Zeuge, ein moslemitischer Polizeioffizier namens Misbah Daudi, sagte aus, die jüdischen Demonstranten an der Klagemauer hätten den Muezzin in seinem Dienst unterbrochen und deren Geschrei hätte die das Pflaster passierenden Araber geärgert. Der Vorsitzende der Kommission, Sir Walter Shaw, fragte den Zeugen Daudi, wie er dazu komme, die moslemitische Demonstration als eine friedliche zu bezeichnen, wo doch Major Harrington ausgesagt hatte, daß der Mob die Messer schwang und daß er sich darum bemüßigt gesehen hatte, Polizei zur Bewachung der Menge zu dirigieren. Daudi gab darauf keine Antwort. Im weiteren Verlauf des Kreuzverhörs verwickelte sich Daudi in Widersprüche. Uber die Vernehmung des Captain P 1 a y f a i r , des Kommandanten der britischen Truppen in Palästina, haben wir bereits in voriger Nummer berichtet. Die Vorgänge in Haifa Die Kommission setzte sodann die Beweisaufnahme über die Vorgänge in Haifa fort. Sir Boyd Merriman wies auf ein Flugblatt der moslemitischen Jugendgesellschaft im Norden Palästinas hin, in welchem alle Moslems aufgefordert wurden, am Freitag, dem 23. August, als Protest gegen Angriffe auf die moslemitischen heiligen Stätten in Jerusalem die Läden zu schließen. Die Kommission nahm dieses Flugblatt zu Protokoll. Sir Boyd Merriman zitierte einige Stellen aus dem Polizeibericht über die vom Scheich Yunes aus Jerusalem in der Moschee zu Haifa gehaltene hetzerische Rede. Sir Boyd Merriman kam dann auf den Marsch der Araber aus dem Dorfe Tireh gegen die Haifaer jüdische Vorstadt Bath Galim zu sprechen. Etwa 50 mit Stöcken bewaffnete Araber seien von Truppen angehalten und zerstreut worden, wobei Gefangene gemacht wurden. Es steht fest, daß der der AngriffaufBath Galimkeine leere Demonstration gewesen war. Der Polizeiinspektor des Norddistrikts, Major Foley, stimmte dem zu. Sir Boyd ging im Kreuzverhör mit Foley Punkt für Punkt ein Memorandum der arabischen Exekutive durch. In dem Memorandum wurde behauptet, daß die Moslems über keine Feuerwaffen verfügten. Das ist unwahr, sagte Major Foley. Sir Boyd: Es wird behauptet, daß drei große Autos der Ruthenberg-Werke um Haifa herumgefahren sind und auf die Leute geschossen hatten. Major Foley: Ein Auto schien der Ruthenberg-Gesellschaft zu gehören. Sir Boyd: die arabische Exekutive behauptet, daß 70 Juden in Haifa verhaftet worden waren. Foley: Im gesamten Norddistrikt sind kaum 50 Juden verhaftet worden, unter ihnen mehr als 30 allein in der Haifaer ^Uäoniierte