Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 46 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 46 15. November 16. Jahrgang Hebron - Halia — Safed Das Versagen der palästinensischen Polizei Die Arbeit der Untersuchungskommission in Palästina ist noch in vollem Gange, und es läßt sich ein abschließendes Urteil über die Ergebnisse noch nicht bilden, zumal die Berichte notwendigerweise unvollständig sind und auch noch ein großer Teil gerade der wichtigsten Zeugen nicht verhört wurde. Aber selbst mit diesem Vorbehalt und bei größter Vorsicht in der Bildung eines Urteils läßt sich heute wohl schon sagen, daß die bisherigen Verhandlungen Eines mit aller Deutlichkeit gezeigt haben: die Unzulänglichkeit der Vorkehrungen der Regierung sowie die völlige Kopf- und Ratlosigkeit zahlreicher auf verantwortlichem Posten stehender Beamten und Polizeiorgane. * * * Am 7. November wurde der Polizeikommandant von Hebron, R. O. Cafferata, einvernommen. Diese Vernehmung gestaltete sich begreiflicherweise besonders erregt, da hier zum erstenmal die Massakers von Hebron bekanntlich der schlimmste Teil der palästinensischen Ausschreitungen, zur eingehenden Behandlung kamen. Cafferata wurde von dem Anwalt der Zionistischen Exekutive, Lord Erleigh, ins Kreuzverhör genommen. Der Anwalt der Palästinaregierung, Mr. Preedy, verlas den vollen Text des von Cafferata seinerzeit erstatteten Polizeiberichts. Der Anwalt der Araber, Mr.. Stoker, griff von Zeit zu Zeit in die Verhandlung ein und bemühte sich, gewisse Umstände zu entdecken, welche die von den Arabern begangenen Grausamkeiten in milderem Licht erscheinen lassen könnten; er erklärte jedoch, daß er nicht versuchen wolle, diese Untaten zu rechtfertigen. Mr. Cafferata erklärte in seiner Aussage, er glaube, daß die Gerüchte von Jerusalem, wonach die Juden mehrere Araber getötet hätten, die Aufregung in Hebron hervorriefen. Das Gerücht, die Juden hätten die Omar-Moschee angegriffen, hat der Zeuge nicht gehört, und er hatte keinen Anhaltspunkt über den bevorstehenden Ausbruch. Der angebliche Brief des Mufti ist seines Wissens im Hebroner Distrikt nicht verbreitet worden. Der Zeuge sagte jedoch, er habe davon gehört, daß am 16. August in der Moschee von Hebron eine aufreizende Rede gehalten worden ist. Die Behörden in Hebron waren sämtlich mit arabischen Beamten besetzt mit Ausnahme des Zeugen selbst, und unter 40 Polizeileuten war nur ein Jude. Der stellvertretende Distriktsoffizier, ein Araber, hat den Zeugen über die Warnungen jüdischer Persönlichkeiten, die von erwarteten Unruhen sprachen, nicht unterrichtet. Auf die Frage Lord Erleighs betreffend die Erklärung des Memorandums der arabischen Exekutive, das Morden von Hebron sei ein spontaner Ausbruch des Volksempfindens gewesen, antwortete der Zeuge, dieser Ausbruch entspreche keineswegs seiner Vorstellung einer spontanen Volksbewegung. Ihm sei nur ein Fall bekannt geworden, wo ein Jude einen Araber beleidigte, und zwar am Freitag. Lord Erleigh verlas dann die Kundgebung der Zionistischen Exekutive, worin gesagt wird, der einzige Lichtblick in der Tragödie von Hebron sei die Tatsache, daß viele Moslems unter Einsetzung ihres eigenen Lebens Juden verbargen und schützten. Auf eine Frage des Araber-Anwalts Stoker antwortete Cafferata, daß Moslems von außerhalb die jüdischen Häuser nicht hätten herausfinden können, wenn nicht die Stadtbewohner sie geführt hätten. Die moslemitischen Beschützer der Juden gehörten zu allen Klassen der Bevölkerung, aber Cafferata erklärt, er habe unter dem Mob Angehörige der besseren Klasse der Moslems gesehen. Stoker bemühte sich zu zeigen, daß die Juden den Weisungen der Polizei nicht Folge leisteten und durch Mangel an Disziplin die Verwirrung vergrößert haben. Er fügte hinzu, daß der Vorwurf der Verstümmelungen durch die medizinische Beweisaufnahme widerlegt worden sei. Cafferata gab dann eine Schilderung der Vorgänge. Die moslemischen Notabein haben ihm versichert, daß in Hebron nichts geschehen wird. Er hatte 18 berittene und 15 Fußpolizisten, die letzteren aber waren alte Leute und unbrauchbar. Die Stadt war ruhig, bis Autos von Jerusalem Nachrichten brachten, daß dort im Judenviertel Kämpfe stattfinden. Daraufhin sandte der Zeuge Posten aus, die ihm jede ungewöhnliche Bewegung auf der Straße von Jerusalem melden sollten, und gab den Juden die Weisung, sich nicht bei den Fenstern oder auf den Dächern der Häuser zu zeigen. Er ersuchte auch das Hauptquartier in Jerusalem um Verstärkungen, es konnten jedoch zu jener Zeit keine Polizeikräfte in Jerusalem entbehrt werden. Nun galt seine Hauptsorge der Verhinderung des Einströmens von Arabern aus der Umgebung nach Hebron. Samstag morgens erschienen wilde Haufen in den Straßen der Stadt, warfen Steine und griffen zwei Studenten an. Der Zeuge versuchte persönlich, die beiden Studenten zu schützen; aber die Menge umzingelte sie von allen Seiten und steinigte die beiden jungen Leute zu Tode. Der Zeuge hat zwei der Angreifer auf der Stelle niedergeschossen und den Rest der Schüsse aus seinem Revolver auf die Menge abgegeben, dann stürzte er vom Pferd und wurde gleichfalls mit Steinen beworfen. Als die Menge die zwei ermordeten Burschen sah, begann sie, jedes jüdische Haus zu überfallen. Viele von den Leuten waren mit Keulen und Äxten bewaffnet. Der Zeuge ließ Gewehre holen, und die Polizei gab Schüsse ab. Einige schrien; „Zum Ghetto!“ Trotz der Posten, die zur Bewachung des Ghettos aufgestellt waren, war dieses bald von mordendem Mob erfüllt. Der Zeuge hat viele Angreifer niedergeschossen und einige