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Das jüdische Echo · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. Seite 672

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
Seite 672 (sequence 15)
Language
German
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672 Das Jüdische Echo Nr. 45 Dopsch und forderten unter dem Rufe „Hoch der Numerus clausus“ die jüdischen Hörer zum Verlassen der Hörsäle auf. Ein Teil der Heimwehrstudenten wollte in geschlossenem Zuge zur Hochschule für Welthandel weiterziehen, wurde aber von der Polizei daran gehindert. Die Polizei hielt die Umgebung der Universität stark besetzt, um Straßenkämpfe zu verhindern. massenhaft Flugzettel, in denen für die Einführung des Numerus clausus Stimmung gemacht wird, verteilt. Die Polizei konfiszierte große Massen solcher Flugzettel. Wien, 4. November. (JTA.) An der Wiener Technischen Hochschule kam es am Montag, dem 4. November, neuerdings zu schweren antisemitischen Exzessen. Wien, 31. Oktober. (JTA.) Die Hochschule für Welthandel mußte für zwei Tage geschlossen werden, da hakenkreuzlerische Studenten unaufhörlich Krawalle veranstalteten und die Vorlesungen störten. Angehörige zionistischer Studentenkorps wurden ebenso wie sozialistische Studenten wiederholt verprügelt. An der Universität wurden Franz Werfel gehört dem Judentum an Wien, 5. November. (JTA.) Wie der JTA-Vertreter erfährt, ist der Dichter Franz Werfel wiederum Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde. Die Meldungen, daß er aus dem Judentum ausgetreten ist, waren einem Mißverständnis entsprungen. Feuilleton Vor dem Gastspiel der Habimah Das Problem des jüdischen Theaters Es ist in unser aller Erinnerung, wie die Habimah bei ihrem ersten Münchener Gastspiel gewirkt hat: wie sie jüdisches und nichtjüdisches Publikum erschütterte und hinriß, wie sie zeigte, welcher Hingabe der Jude wie überall, so besonders auch bei der Erfüllung einer künstlerischen Sendung fähig ist, wie sie geradezu einen neuen Begriff von Ensemblekunst prägte. Inzwischen ist die Habimah in Palästina gewesen; sie hat in schwieriger und entsagungsvoller Arbeit ihr Repertoire um zwei neue Stücke vermehrt, die auf ihr neuerliches Gastspiel vom 11.—17. November im Münchener Schauspielhaus besonders gespannt machen: wir zweifeln nicht daran, daß die Habimah von ihren alten Münchener Freunden so empfangen werden wird, wie sie es verdient, daß sie sich durch ihre Leistungen viele neue Freunde gewinnen wird, und wir sind überzeugt, daß dem Gastspiel ein voller künstlerischer und finanzieller Erfolg beschieden sein wird. Freilich — das Problem des Repertoires der Habimah ist noch nicht endgültig gelöst und noch ist auch nicht die letzte Entscheidung über die zukünftige Existenz der Habimah getroffen. Es wird gerade in diesem Moment besonders interessieren, was ein Kreis von Freunden der Habimah von deren zukünftiger Entwicklung erhofft. Es wird uns darüber aus Berlin berichtet: Berlin, 4. November. (JTA.) Der Kreis der Freunde der Habimah hatte für Sonntag, den 3. November, abends, in die Wohnung des Herrn Julius Klausner zu einer Aussprache über das Thema „Literatur- und Theaterprobleme der Juden“ eingeladen. Der Einladung leistete eine große Zahl prominenter Schriftsteller, Theaterkritiker, Regisseure, Künstler, Gelehrte, Presseleute und Mitglieder der Berliner Gesellschaft Folge. Es galt zunächst, das geistige Schicksal und die künstlerischen Grundlagen des palästinensisch-hebräischen Theaters „Habimah“, das gegenwärtig wieder eine Tournee durch die deutschen Kulturzentren macht, zu umreißen und Richtlinien zu schaffen für einen zu bildenden „Habimah“-Arbeitsausschuß. Die Erörterungen zeigten, welch großer Liebe und Verehrung sich die Habimah unter den führenden Geistern Geistern Deutschlands erfreut. Schließlich gestaltete sich der Abend zu einer spontanen Huldigung für den Hauptredner, den berühmten hebräischen Dichter Chajim Nachman Bialik, der am Dienstag nach Palästina zurückkehrt. Nachdem Herr Julius Klausner seine Gäste, insbesondere Bialik, mit herzlichen Worten begrüßt hatte, leitete Arnold Zweig, Präsident des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller, den Abend mit Worten über Schauspielkunst und die besondere jüdische Schauspielkunst ein, woraufhin B i a 1 i k das jüdische Theatertemperament analysierte und nachwies, daß schon die Propheten durch theatralische Darstellung, dialogische Gliederung, durch szenarische Ausmalung des Hintergrundes auf ihre Zuhörer zu wirken suchten. Aus einzelnen Stellen im „Ezechiel“ und im „Hoschea“ ist zu schließen, daß der Prophet oft sogar sich des Gewandes und der Requisiten eines Schauspielers bediente, um der Gestaltung seiner Gesichte Wucht und Wirkung zu verleihen. Bialik erzählte die Geschichte der Entstehung der Habimah in Rußland, die er miterlebte. Jede Probe unter dem seither verstorbenen genialen Regisseur Wachtangoff, der ein christlicher Armenier war, gestaltete sich zu einem Gottesdienst. Von der Habimah erwartet Bialik, daß sie beispielgebend werde für den Lebensstil des Judentums; sie soll biblisches Drama, jüdisches Drama geben und vor allem dem neuen Leben in Palästina Gestalt verleihen. In Palästina sagte er, sind die Menschen nicht nur Arbeiter und Bauern, sondern auch große Sehnsüchtige. Kunst soll ihre Arbeit begleiten und ihr Leben erhöhen. Diese Kunst muß ein Eigenes, Originales und Ganzes sein. Mit Hilfe der Künstler der ganzen Welt wird dieses Ziel erreicht werden. Bialik wünscht, daß Künstler aller Länder nach Palästina kommen, um einen lebendigen Kontakt zu diesem Boden zu schaffen. Martin B u b e r meint, Bialik hat, wenn auch mit großer dichterischer Intuition, die Basis der Habimah und des hebräischen Theaters zu eng gefaßt. Man schafft nicht Kultur, wenn man seine eigenen Eigenschaften darstellt. Der Weg muß ins große Menschliche führen. In Palästina ist eine Glückschance zur großen Unbefangenheit. Die Habimah soll nicht nur jüdische Bewegungen darstellen, sondern in die Welt greifen, und wenn sie Calderon, und wenn sie Shakespeare spielt, soll sie nicht geradedie jüdischen Stoffe aussuchen, sondern just die anderen Stücke spielen. So wird Habimah eine Weltwirklichkeit schaffen helfen in Erez Israel. I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.Kostümstlckereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75

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