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Das jüdische Echo · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. Seite 671

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
Seite 671 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 671 jüdische Religionsgesellschaft beschimpft und Gotteslästerung begangen zu haben. Hilz sitzt als Drucker einer Schmähschrift „Der biblische Joseph“ auf der Anklagebank. Streicher und Holz hatten im „Stürmer“ den Gladbecker Gymnasiästenmord und den Fall des ermordeten Knaben bei Manau als jüdische Ritualmorde bezeichnet und schwere Beschimpfungen gegen die jüdische Religion und die Juden daran gefügt. Sich auf gefälschte Talmudzitate stützend, behaupteten sie, die jüdische Lehre gebiete Morde aus religiösen Gründen, sie gestatte oder fordere sogar Meineid und Betrug an Nichtjuden, begrüße die Schändung nichtjüdischer Frauen und Mädchen. Der Untersuchungsrichter hat Sachverständige aller drei Religionen eingeladen, ihre Gutachten einzureichen und sich dem Gericht zur Verfügung zu stellen. Es erschienen der Hamburger Pastor und Professor für rabbinisches Hebräisch Windfuhr, der katholische Professor Goettsberger aus München und Professor Dr. Michael Guttmann, Rabbiner und Dozent am Breslauer Rabbinerseminar. Erschienen war auch Dr. Erich Bischoff aus Leipzig, Autor des Hammerverlages, dessen erste Schriften in jüdischen Verlagsanstalten herausgekommen waren, der aber jetzt ein erbitterter Judenhasser ist. Von der Seite der Angeklagten liegt ein Ablehnungsantrag gegen Windfuhr und Guttmann vor: Windfuhr habe in der „C.-V.-Zeitung“ Artikel veröffentlicht, Guttmann sei Mitglied des Central- Vereins. Windfuhr entgegnete, Rezensionen über wissenschaftliche Bücher würde er sogar im „Stürmer“ schreiben. Er fühle sich bei Prüfung auf Ehre und Gewissen unbefangen. Auch Guttmann erklärte, er sei nicht befangen; gerade um einen Juden zu hören, habe man ihn geladen. Nach fast zweistündiger Beratung hinter geschlossenen Türen verkündet das Gericht, ohne jede Begründung, daß die Sachverständigen abgelehnt sincj. Windfuhr und Guttmann müssen den Saal verlassen. Dagegen blieb Dr. Bischoff als Sachverständiger zugelassen. Am Nachmittag stellte der Staatsanwalt den Antrag, Bischoff abzulehnen. Das Gerischt beschließt, daß Bischoff als Sachverständiger im Gerichtssaal bleiben darf. Es folgt die Vorlesung der inkriminierten „Stürmer-Artikel“, dann wiederholte der Staatsanwalt seinen Antrag auf Ablehnung des völkischen Sachverständigen Dr. Bischoff, der in einem Brief an den Untersuchungsrichter einseitig und höhnisch zu den behandelnden Fragen Stellung genommen habe. Auf Grund dieses Briefes sprach das Gericht die Ablehnung Dr. Bischoffs aus. Im weiteren Verlaufe des Prozesses gab der katholische Prälat und Professor Goettsberger aus München ein vernichtendes Gutachten über die Ritualmordlüge ab und wies nach, daß alle Zitate des „Stürmer“ aus dem Talmud aus dem Zusammenhang gerissen und völlig sinnwidrig wiedergegeben worden sind. Am 4. November nachmittags wurde das Urteil gesprochen. Wegen fortgesetzter Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und wegen Gotteslästerung wurden der Landtagsabgeordnete Stadtrat Holz zu drei Monaten fünfzehn Tagen und der Landtagsabgeordnete Streicher zu zwei Monaten Gefängnis, beide auch zur Kostentragung verurteilt. Der Staatsanwalt hatte gegen Holz zehn, gegen Streicher acht Monate Gefängnis beantragt. Der mitangeklagte Drucker Hilz wurde freigesprochen. (Herrn Streicher, der sich unlängst wieder durch die rüdesten Beschimpfungen nach dem Tode Stresemanns hervorgetan hat, sollte durch dieses Urteil das Handwerk gelegt sein; wie man ihn kennt, wird er jedoch frisch, fromm und frei die gleichen Verleumdungen und Lästerungen wiederholen. Wie lange noch?) Aus der jüdischen Welt Friedhofschändung in Rödelsee bei Kitzingen Ein verbrecherischer Akt wurde auf dem israelitischen Bezirksfriedhof Rödelsee bei Kitzingen verübt. In der Nacht vom 3. auf den 4. November wurden 11 Grabsteine umgeworfen und 8 von ihnen in vandalischer Weise zertrümmert. 5 Steine standen auf Kindergräbern, 6 auf Gräbern von Erwachsenen. Es ist schon das zweitemal, daß verrohte Burschen diesen altehrwürdigen, vor Jahrhunderten angelegten Friedhof geschändet haben. Auch Einbrüche sind mehrfach verübt worden. Auf die Ergeifung der Täter setzt die Friedhofverwaltung eine Belohnung von 500 RM. aus. Anzeige ist erstattet, und die Nachforschungen werden mit aller Energie unternommen, so daß zu hoffen ist, daß die Verbrecher gefaßt und der verdienten Strafe zugeführt werden können. 75jähriges Jubiläum des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau Breslau, 4. November. (JTA.) Am 2. und 3. November fanden hier die Feierlichkeiten anläßlich des 75jährigen Bestehens des Jüdisch-Theologischen Seminars statt. Zahlreiche jüdische Gemeinden des In- und Auslandes, Organisationen und wissenschaftliche Institute waren vertreten. Auch eine sehr große Zahl der früheren Hörer des Seminars, die heute in Gemeinden des In- und Auslandes Rabbiner-, Prediger-, Lehrer- und Dozentenstellen bekleiden, waren erschienen. Hans Goslar zehn Jahre Pressereferent in Preußen Berlin, 3. November. (JTA.) Die Berliner Presse begrüßt Herrn Ministerialrat Hans Goslar zu seiner zehnjährigen Tätigkeit als Leiter der Pressestelle der preußischen Staatsregierung und hebt hervor, daß er die zehn 'Jahre republikanischer Aufbauarbeit tatkräftig gefördert hat. Ernste Studentenkrawalle in Wien Wien, 29. Oktober. (JTA.) Die Studentenkrawalle in Wien haben im Verlauf des Tages ernstere Formen angenommen. Nachdem die Studenten der Technischen Hochschule mit Hakenkreuz- und Heimwehrabzeichen, verstärkt durch andere Hakenkreuzler, zur Hauptuniversität zogen, wo sich ihnen andere völkische Studenten anschlossen, kam es vor dem Gebäude der Hauptuniversität zu einer furchtbaren Schlägerei zwischen Reaktionären und demokratischen Studenten. Die Hakenkreuzler drangen in die Hörsäle ein, unterbrachen die Vorlesung des Historikers Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Josd Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kallee werden verabreicht

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