Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- Seite 673 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 673 Bernhard D i e b o 1 d , der bekannte Theaterkritiker der „Frankfurter Zeitung“, äußert sich in Worten tiefster Ergriffenheit über die Eindrücke, die ihm die Habimah durch ihr neues Spiel, ihre „Magie und Raserei“, vermittelt hat. Er spricht gegen Buber und für Bialik. Die Habimah wird ihr Eigenstes nur geben, wenn sie im Jüdischen wurzelt. Arnold Zweig verliest ein eben von der Habimah eingetroffenes Telegramm, in der die Gesellschaft und insbesondere der „Heros der hebräischen Dichtung“, Bialik, begrüßt werden. Alfred D ö b 1 i n, Mitglied der deutschen Dichterakademie, macht sich ebenfalls Bialiks Auffassung zu eigen, woraufhin der Dramatiker Emil Bernhard (Rabbiner Dr. Emil Cohn) eine Analyse der hebräischen Sprache, insbesondere der Bühnensprache gibt, die noch nicht die jiddische Sprache „zerweint“ und „zerlacht“ ist und erst durch ihre Verlebendigung in Erez Israel und mit Hilfe des lebendigen Theaters der Habimah letzte Modulation erhalten wird. Ferner sprachen noch Artur Holitscher, Dr. S. Steinberg, Arno Nadel, Dr. Rudolf Kayser, S. Gronemann und Nahum Goldmann. Der Abend, der mit einer Ovation für Bialik schloß, hat als greifbaren Ertrag die Bildung eines Arbeitsausschusses zur geistigen und künsterischen Beratung wie auch Programmbildung der Habimah, die Arnold Zweig, der die Veranstaltung leitete, in die Hand nimmt. Hermann Ungar gestorben In Berlin starb vor kurzer Zeit ganz plötzlich der Schriftsteller Hermann Ungar, dessen Schaffen zum großen Teil jüdischen Problemen galt und der auch an der zionistischen Bewegung regen Anteil nahm. Ungars Schaffen ist klein und groß. Klein an Zahl sind seine Arbeiten, denn nichts haßte er mehr als die Vielschreiberei, und groß an Inhalt. Die ersten Romane „Knaben und Mörder“ und „Die Verstümmelten“ machten ihm unter den deutschen Erzählern einen guten Namen, der auch im fremdsprachigen Ausland bekannt war. Er war einer der ersten deutschen Schriftsteller, die nach dem Kriege in Paris aus eigenen Werken lesen durften. Sein letzter Roman „Die Klasse“ (Rowohlt-Verlag Berlin) verriet schon ganz außerordentliche Reife. Sein Stil erreichte hier oft Kleistsche Diktion, die meisterhafte, psychologisch scharfe Zeichnung der Hauptperson, eines Mittelschullehrers, stand sichtlich unter Freudschem Einfluß. Das Schauspiel „Der Rote General“, das im Vorjahr am Berliner Theater in der Königgrätzer Straße einen Serienerfolg erzielte und bei der maßgebenden Kritik ungeteilten Beifall fand, beschäftigte sich mit dem Problem eines Juden, der seinem Wirtsvolk Führer ist, aber seiner Umgebung zugleich fremd bleibt. Das Stück spielt zur Zeit einer sozialen Revolution und der Vergleich mit Trotzki liegt nahe. Sein hinterlassenes Lustspiel „Die Gartenlaube“ soll demnächst im Theater am Schiffbauerdamm mit Kortner in der Hauptrolle die Uraufführung erleben. Ungar, der nur 36 Jahre alt wurde, ist zu Boskowitz bei Brünn geboren, studierte Jura in München und Prag und trat nach dem Kriegsende in den tschechoslowakischen diplomatischen Dienst ein. Er wurde als persönlicher Freund des verstorbenen Ministers und Gesandten Tusar zum Handelsattache der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin ernannt und vor wenigen Monaten in das Prager Außenministerium versetzt. Er hinterläßt eine Witwe und zwei unmündige Kinder. Der Verblichene war als Student Mitglied der Münchener „Jordania“ im K.J.V., in Prag gehörte er bis zu seinem Lebensende dem K.P.J.V. „Barissia-Jordania“ an. Eine kraftvolle, zukunftsreiche Begabung, ein Mensch von tiefer Ehrlichkeit, ein aufrechter, bewußter Jude ist Hermann Ungar gewesen. Wie jung er auch sein Werk abschließen mußte, es hat Kraft genug zu dauern. Personalia Seinen 50. Geburtstag feiert am 10. November Herr Hauptlehrer M. Rosenfeld, der verdienstvolle erste Vorsitzende des Israelitischen Lehrervereins für Bayern. Sein Wirken als Lehrer in München und für seinen Stand hat die Anerkennung der Öffentlichkeit in reichem Maße gefunden; zu seinem Geburtstag seien ihm auch hier die herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen. Gemeindenu. Vereins-Echo Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München. Die in der letzten Nummer des „Jüdischen Echos“ angekündigten Vorträge von Prof. Hülsen über „Baudenkmäler der Bibel“ mit Lichtbildern wurden auf den Dezember verlegt. Die Vorträge finden im Steinickesaal, Adalbertstraße 15, wie folgt statt: 1. Abend: „Der Turm von Babel und seine Rekonstruktion nach neuen Ausgrabungen“, Sonntag, den 1. Dezember, 20.15 Uhr. 2. Abend: „Der Tempel Salomons“, Montag, den 2. Dezember, 20.15 Uhr. Numerierter Sitzplatz RM. 1.—, Saalkarte RM. —.60, Kategoriekarte RM. —.30 (für beide Vorträge). Vorverkauf: Herzog-Max- Straße 7/1. Hebräische Sprachkurse München Die hebräischen Sprachkurse in München bieten Kindern und Erwachsenen Gelegenheit, die hebräische Sprache, Bibel und neue Literatur zu erlernen. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, von 3—6 Uhr (Telephon. 297 449) anzumelden. Gesuche um Ermäßigung des Schulgeldes sind an Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, zu richten. Das Wintersemester beginnt am 15. November. Der neue Stundenplan: Mo 7.30-9 Uhr Kurs V 9—10 Uhr Kurs II - - Di 5-6.15 Uhr Kinderkurs III 7.00-8.15 Kurs III 8.15—9.30 Bibelkurs 9.30-10.30 Kurs I Mi 4.15-5.15 Kinderkurs I 5.15-6.30 Kinderkurs II 7.30-8.30 Jesaia-Kurs - Do 7.15-8.15 Kurs II 8.15-9.15 Kurs I 9.15-10.15 Kurs IV - Sämtliche Kurse finden abends statt.