Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- Seite 666 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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666 Das Jüdische Echo Nr. 45 Sir Boyd fragte, ob Saunders in den Dörfern eine bestimmte Bewegung bemerkt hatte, die durch Ansprachen von Agitatoren in Versammlungen hervorgerufen worden war. Darauf erwiderte Saunders: Nach dem 15. August waren es nicht nur anonyme Bewegungen, sondern es traten schon vielbeachtete Personen hervor. Sir Boyd führte hierzu noch aus, daß Scheichs und Mukhtars (Dorfoberhäupter) in Galiläa zu einer großen Beratung nach Nazareth geladen worden sind. Er verlas einen von dem Jerusalemer Groß -Mufti an die Mukthar s und A 11 v o r d e r e n von Nablus gerichteten Brief, in welchem es hieß: Am 23. August wird es in Jerusalem zu einem Kampfe zwischen Juden und Moslems kommen. Alle, die dem Moslem angehören, mögen nach Jerusalem kommen, um ihren Brüdern zu helfen. Dieser vom Groß-Mufti persönlich Unterzeichnete Brief lag dem Berichte des Kommandanten der Nablus-Polizei bei. Die Polizei, führte Sir Boyd weiter aus, gibt zwar vor zu glauben, daß der Brief eine Fälschung darstellt, aber selbst wenn er gefälscht wäre, zeige er doch, daß die Leute, vorher wußten, daß am 23. August Unruhen stattfinden würden. Sich an Major Saunders wendend, fragte Sir Boyd: Wurden von der Polizei mehr solcher Briefe festgestellt? Major Saunders erwiderte verneinend. Sir Boyd fragte darauf, ob ihm bekannt sei, daß der Groß-Mufti sich am 22. August um ein Visum zur Reise nach Syrien beworben hatte, das ihm aber von dem französischen Konsul verweigert worden war. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy rief dazwischen: Das ist nicht Sache des Major Saunders. Im Verlauf der Untersuchung stellt Kenelm Preedy an Major Saunders nochmals die Frage, ob er glaube, daß der arabische Aufruhr ein verabredeter war. Saunders erwidert, die Polizei habe nichts von irgendwelchen Vorbereitungen zum Aufruhr bemerkt. Diese Antwort erregte Aufsehen, da Saunders erst gestern vor der Kommission erklärt hatte, die Behörden wußten, daß sich ein Zusammenstoß ereignen würde, wenn die Atmosphäre sich nicht ändere. Demgegenüber schilderte Saunders die Verhältnisse von Freitag vor dem Ausbruch der Unruhen nunmehr als gerade idyllisch. Bei der Versammlung in der Moschee, sagte er, handelte es sich bloß um die Exekutierung der traditionellen Gebete. Im weiteren Kreuzverhör durch Preedy gab Saunders zu, daß die Polizei die Zeichen der Unruhe schon früher erkannte. Sensation erregte die Mitteilung Saunders, daß zuerst Order gegeben war, die am Freitag morgen aus den Dörfern nach Jerusalem ziehenden Fellachen zu entwaffnen, daß aber bald darauf die Order annulliert wurde. Preedy, der durch seine Fragen an Saunders das Gegenteil dessen erreichte, was er als Regierungsanwalt zu erreichen bezweckte, stellte plötzlich die Fragen ein, so daß vorläufig unaufgeklärt blieb, weshalb die Entwaffnungsorder zurückgezogen wurde. Saunders stellte dann eine frühere Aussage richtig und erklärte, er habe nicht erst am Montag, sondern schon am Sonnabend vom stellvertretenden Oberkommissar Luke die Order erhalten, Juden als Sonderpolizisten nicht mehr einzustellen und die Juden zu entwaffnen. Als Grund für die Entwaffnung der Juden gab Saunders an, daß schon am Sonnabend 60 Angehörige der königlichen Luflstreilkräfte und eine Kompagnie eines Südwalisischen Regimentes in Jerusalem eingetroffen waren. Zum Schluß gestand Saunders, daß die Entlassung der jüdischen Polizisten in keinem Zusammenhang stand mit deren Dienstleistung oder sonstigen Benehmen. Er zog die gestern gemachte Erklärung über Klagen gegen jüdische Polizisten zurück und entschuldigte sich vor der Kommission, daß er diese falsche Darstellung gegeben hat. Weitere Vernehmungen und Kreuzverhöre Nachdem Major Saunders mehr als fünfzehn Stunden im Kreuzverhör gestanden hatte, wurde Captain A. J. Kingsley-Heath von der palästinensischen Polizei seitens der Kommission einvernommen. Zunächst wurde eine schriftliche Erklärung von Kingsley- Heath verlesen, in welcher die Dispositionen der Polizei während der ganzen Unruhe-Periode dargelegt sind. Kingsley-Heath stellte fest, daß er im Durchschnitt zwei Polizisten in den durch die Araber bedrohten isoliert liegenden jüdischen Distrikten postiert hatte. Der Anwalt Silley, der als Gehilfe des Anwalts der Arabischen Exekutive Stoker fungiert, stellte mit Captain Heath ein Kreuzverhör an und wollte von ihm herausbekommen, daß die jüdischen jungen Leute, die sich zu einer Prozession vereinigten und zur Klagemauer zogen, in sehr erregter Gemütsverfassung waren und etwas im Schilde führten. Captain Heath sagte fest und bestimmt aus, daß von einer solchen außerordentlichen Erregung nichts zu merken war. Das vom Brith Trumpeldor entfaltete Banner ähnelte der zionistischen Flagge; diese Demonstration war keineswegs schwer zu nehmen. Die letzten Vernehmungen — Die Schuld des Groß-Mufti Jerusalem, 3. November. (JTA.) In ihrer letzten Sitzung vor Antritt der Inspektionsreise durch die betroffenen Gebiete befaßte sich die britische Untersuchungskommission mit der Frage des Anteils des Groß-Mufti von Jerusalem an den Unruhen. Der Stellvertreter des Oberstaatsanwalts, Herr Grayton, legte der Kommission ein Originaldokument vor, das die Unterschrift des Mufti trägt und in dem die Moslems von Nablus aufgefordert werden, am 23. August nach Jerusalem zu kommen, um gegen die Juden zu kämpfen. Es war nicht möglich, die Authentizität der Unterschrift zweifelsfrei feslzustellen. Der arabische Geheimpolizist Subhi sagte aus, der Groß-Mufti habe am Freitag, dem 23. August, die Menge davor gewarnt, einen Aufruhr einzuleiten. Weiter wurden vernommen Major Monroa, der Leiter der britischen Polizei in Jerusalem und der Sergeant Liegrist. Major Harrington von der Jerusalemer Polizei sagte aus, die von außen nach Jerusalem gekommenen Araber seien von Anfang an aufrührerisc h gewesen und hätten die Polizei nicht gegrüßt. Alle waren sie bewaffnet. Arabische Zimmerleute haben an diejenigen Araber, die keine ^yhderizierte mm