Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 660 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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660 Das Jüdische Echo Nr. 44 ben soll, die jüdische Jugend aller Richtungen mit einem geistigen Band zu verknüpfen. Wir wollen uns näherkommen und ohne parteiliche Einstellung zu aktuellen Fragen und vor allem zu jüdischen Problemen Stellung nehmen. Wir erlauben uns daher die gesamte jüdische Jugend Münchens herzlichst zu unserem ersten Vortragszyklus über: „D ie jüdische Literatur von Moses bis Bube r“, beginnend am Montag, dem 11. November, um 20 Uhr, im Bibliothekssaal der Kultusgemeinde einzuladen. Bar-Kochba Esra Junggruppe des J. J. V. Kadimah Kameraden. Der Jungzionistische Arbeitskreis veranstaltete am 23. Oktober eine Aussprache über zionistische Grundfragen, die durch ein Referat von Frl. Erna K i s s i n g e r über die von der Exekutive preisgekrönte Arbeit von Felix Weltsch: Judenfrage und Zionismus, eingeleitet wurde. Frl. Kissinger gab eine kurze Übersicht über den Inhalt dieser Broschüre und ihre Fragestellung, die sie als ausschließlich vom Gedanken der jüdischen Kultur ausgehend ablehnte: die Judenfrage sei nicht: wie wird der Jude schöpferisch, sondern objektiv: wie kann die Zukunft des jüdischen Volkes gesichert werden. Herr Dr. Siegfried Davidson referierte darauf iilver eine andere zionistische Publikation, die zwar im wesentlichen gegen die Agencypolitik der letzten Jahre gerichtet und insofern überholt ist, deren Gedankengänge trotzdem eingehende Beachtung verdienen, über: Der zionistische Gedanke auf Irrwegen, von S. Bernstein. Bernstein greift die offizielle zionistische Ideologie der letzten Jahre an; man vergesse, was Herzl und nach ihm in unvergleichbarer Weise Weizmann am Antisemitismus gezeigt hätten: daß die Judenfrage nicht eine Frage der Qualität der Juden sei, sondern eine Frage ihrer Situation, nur indem man diese Situation ändere, könne man die Judenfrage lösen. Wer glaube, daß auch eine jüdische Minorität in Palästina das jüdische Problem zu lösen imstande sei, der habe die zionistische Grunderkenntnis vergessen; es gelte sich auf die Elemente des Zionismus wieder zu besinnen, nur wer das Ziel richtig erkenne, der werde auch die geeigneten Mittel finden, cs zu verwirklichen. An der sehr angeregten Aussprache beteiligten sich die Herren Heumann, Uschpitz, WTolf, Berger, Emrich, Harburger und Fröhlich. Um einen Konnex zwischen den Angehörigen des Arbeitskreises herzustellen, wurde angeregt, sich allwöchentlich einmal abends gänzlich unprogrammmäßig und unverbindlich zu treffen und eine Art „S l a m m t i s c h“ zu begründen. Man einigte sich darauf, diesen jeweils am Mittwoch abend im Kaffee Hag, 1. Stock, stattfinden zu lassen. Alle Gesinnungsgenossen und Interessenten sind herzlich eingeladen. Zionistische Ortsgruppe München. Montag, den 28. Oktober, fand im Bibliothekssaal der israelitischen Kultusgemeinde ein Diskussionsabend der Zionistischen Ortsgruppe München statt. Das Thema „Der Kampf im deutschen Zionismus“ war wichtig genug, eine große Beteiligung an der Veranstaltung zu gewährleisten und so war denn auch der Saal bis zum letzten Platz besetzt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Lichtenauer, leitete die Versammlung mit dem Hinweisdarauf ein, daß durch die Ereignisse im deutschen Zionismus jeder deutsche Zionist gezwungen sei, zu der Leitung der Z. V. f. D. Stellung zu nehmen. Diese Auslegung des Themas wollte der erste Referent des Abends, Herr Dr. Ignaz Emrich, dahin verschoben wissen, daß wir weniger die Einstellung der Leitung der Z. V. f. D. als die der „Jüdischen Rundschau“ und des Herrn Dr. Weltsch zu kritisieren hätten. Denn, so führte Herr Dr. Emrich aus., ^ir wissen noch nicht, ob und wie weit Blumenfeld die Stellungnahme der ,Jüdischen Rundschau“ decken wird. Auf jeden Fall müssen wir aber verlangen dürfen, daß die „Rundschau“, das offizielle Organ des deutschen Zionismus, ihrer politischen wie ihrer informatorischen Aufgabe gerecht werde. Und auf diesen beiden Gebieten versagte sie. Politisch deshalb, weil sie in den Hauptfragen der gegenwärtigen Politik nicht die Interessen des des Zionismus wahre und auch nicht die Meinung der meisten deutschen Zionisten vertrete. Sie bagatellisiere erstens die Klagemauerfrage und erkenne nicht, daß wir mit unserer Stellung an der Klagemauer unsere Stellung in Palästina überhaupt aufgeben. Sie verlange zweitens Verhandlungen mit den Arabern, zur Bereinigung der Frage in diesem taktisch höchst ungeeigneten Moment. Drittens sei auch die Englandpolitik der „Rundschau“ falsch; sie müsse den Zionismus schädigen; sie entspreche auch weder den Absichten des Aktionskomitees, noch denen der Exekutive. Schließlich habe die „Jüdische Rundschau“ auch informatorisch versagt. — Um die Richtung des Zionismus klarzulegen, die seiner eigenen entspricht, gab der Referent zum Schlüsse Ausführungen Eders auf der Aktionskomiteesitzung in London und die Anschauung Supraskis, eines Führers der palästinensischen allgemeinen Zionisten, wieder. Der Korreferent des Abends, Herr J.-R. Dr. Elias Straus, ergriff hierauf das Wort. Er ging in seiner Einstellung zu allen zu behandelnden Fragen von dem Grundsatz aus, daß die Politik die Kunst des Möglichen sei, daß man dementsprechend überall dort, wo man noch nicht die Macht habe, nicht zu viel fordern dürfe. Vor allem betonte er, daß die Liebe für Friede und Wahrheit von alters her eine jüdische Eigenart sei und daß man auch beim Aufbau Palästinas nicht von dieser Eigenart lassen dürfe. Als Hauptvorzug der „Jüdischen Rundschau“ habe er es auch seit Jahren empfunden, daß sie wahr sei, selbst dort, wo es vielleicht taktisch ungünstig sein könnte. In der angeregten Diskussion, die den Ausführungen der beiden Referenten folgte, wurden nun die aufgeworfenen Fragen von revisionistischer, allgemein zionistischer Seite und vpn manchen Sonderstandpunkten aus beleuchtet. Zu vorgerückter Stunde wurde die Fortsetzung der Diskussion auf eine spätere Zusammenkunft verlegt. E. K. Das Simchas-Thora-Fest des Bar-Kochba im Spiegelsaal des Bayrischen Hofes war außerordentlich gut besucht. Von Anbeginn herrschte eine wohlige Simcha-Stimmung, der sich niemand entziehen konnte und wollte. Der familiär-intime Spiegelsaal gab einen prächtigen Rahmen ab und die uns schon wohlbekannte Kapelle Geza-Velisch spielte mit aller Verve zum Tanz. Nach Begrüßungsworten von Dr. Bubi Berger stellte sich Frl. Rosi Pilpel mit Gedichten von Manfred Sturmann als feinfühlige Vortragskünstlerin vor. Max Diamand konferierte den lustigen Teil des Abends, in dem Peppi Rösenbaum die „Moritat vom Bar- Kochba“ in launiger Weise vortrug. Frl. Klärle Fleischer begeisterte mit ihrem selbstverfaßten Sang die entzückten Hörer. Den Höhepunkt der Stimmung aber brachte die Ehrung des ersten Vor-