Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 659 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 659 Ungeheuerliche Schändung des jüdischen Friedhofs in Nowydwor W a r s c h a u , 23. Oktober. (JTA.) Eine in Warschau eingetroffene Abordnung der jüdischen Gemeinde von Nowydwor berichtete, daß in der Nacht des Zukkothfestes Huligans ungeheuerliche Verwüstungen auf dem jüdischen Friedhof angerichtet und über 50 der schönsten Grabdenkmäler zertrümmert und die Gräber zum Teil beschmutzt haben. Die Polizei, der der Fall gemeldet wurde, blieb vollkommen untätig, die Huligans konnten in der gestrigen Nacht wiederum in den Friedhof eindringen und ihr Zerslörungswerk vollenden. Der Friedhof ist nunmehr vollkommen verwüstet. Eine Abordnung der Warschauer Chewra Kadischa ersuchte den Wojwoden, eine Untersuchungskommission nach Nowydwor zur Feststellung der Schuldigen, die der Bevölkerung nicht unbekannt sind, zu entsenden. Fortdauer der Studentenausschreitungen in Budapest Budapest, 22. Oktober. (JTA.) An der Technischen Hochschule kam es neuerdings zu antisemitischen Unruhen. Der Rektor der Hochschule begab sich auf Ersuchen der jüdischen Hörer des ersten Jahrgangs in den Hörsaal und erklärte, die jüdischen Hörer stünden unter seinem Schutz, er werde gegen die Ruhestörer strengstens Vorgehen. Kaum hatte sich aber der Rektor entfernt, als die Krawalle losgingen. Es wurde gerufen: „Zurück nach Palästina!“ Und man forderte die jüdischen Studenten auf, den Hörsaal zu verlassen. Die Juden kamen aber diesen Aufforderungen nicht nach und hielten ungeachtet der fortwährenden Beschimpfungen bis zum Ende der Vorlesung im Hörsaal aus. Studentenunruhen in Czernowitz Bukarest, 22. Oktober. (JTA.) In Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Mitgliedern eines christlichen Studentenvereins und farbentragenden jüdischen Studenten, die verhöhnt und angegriffen wurden. Die Schlägerei dauerte etwa zwanzig Minuten, es gab auf beiden Seiten mehrere Verwundete. Tausend jüdische Familien aus Moskau mußten ihre Wohnungen verlassen Moskau, 23. Oktober. (JTA.) Ungefähr tausend jüdische Familien wurden in den letzten sechs Wochen von den Behörden gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, weil sie als „Nepleute“ (Nutznießer der neuen ökonomischen Politik), die sich im freien Handel betätigen, kein Recht auf kommunal bewirtschaftete Wohnungen haben. Bis zum 1. November müssen weitere fünfhundert jüdische Familie in Moskau ihre Wohnungen verlassen. Von dieser Maßnahme wurden auch jüdische Heimarbeiter betroffen, die sich geweigert haben, Kollektivgruppen beizutreten. Seit 1. Oktober werden jene jüdischen Heimarbeiter, die von ihren Verwandten in Amerika Maschinen erhalten und sich als individuelle Arbeiter betätigen, ziemlich hoch besteuert und unter die „Nepleute“ eingereiht. Mehrere dieser Heimarbeiter schließen sich nun zu Produktionsgenossenschaften zusammen, um ihre Wohnungen behalten zu können und Steuererleichterungen zu erhalten. Man zählt gegenwärtig in Moskau einige Tausend solcher jüdischer Heimarbeiter. Abschluß der Palästinahilfsaktion in England — Resultat: 90 000 Pfund London, 23. Oktober. (JTA.) Das Palästina- Nothilfskomitee (Palestine Emergency Fund) hat in einer im Büro von Lord Melchett abgehaltenen Sitzung, der Lord Melchett, der Marquis of Reading, d’Avigdor Goldsmid und Simon Marks beiwohnten, den Beschluß gefaßt, die Nothilfsaktion als* abgeschlossen zu erklären, nachdem der Appell zur Hilfe an die Palästinaopfer von allen jüdischen Gemeinden der Welt so hochherzig beantwortet wurde, und schließlich angenommen werden muß, daß die Palästinaregierung den Opfern der Unruhen Entschädigung leisten wird. Mit großer Genugtuung wurde die Mitteilung des Schatzmeisters entgegengenommen, daß die Nothilfsaktion in England einen Bareingang von über 90 000 Pfund ergeben hat. Gleichzeitig wurde beschlossen, dringend die Erneuerung der Arbeit für den Keren Hajessod, die seit den Unruhen in Palästina geruht hat, mit erhöhter Energie wieder aufzunehmen. Antisemitische Studentenunruhen auch in Amerika Neuyork, 22. Oktober. (JTA.) Bei der feierlichen Eröffnung des Semesters an der Harvard- Universität zu Cambridge, Massachusetts, sind jüdische Studenten von nichtjüdischen Kollegen insultiert worden. Die Universifätszeitung verurteilt in einem Leitartikel diese Ausschreitungen, die in der Trunkenheit begangen wurden, und enthüllt, daß der Student George Clark die mit der Durchführung des feierlichen Arrangements betrauten Studenten aufforderte, eine danebenstehende Gruppe jüdischer Studenten anzugreifen. Gemeinden-u. Vereins-Echo Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München Das Programm sieht für November vor: Vortrag von Prof. Dr. Julius Hülsen (Frankfurt a. M.): „Baudenkmäler der Bibel“ mit Lichtbildern. 1. Abend: „Der Turm von Babel und seine Rekonstruktion nach neuen Ausgrabungen.“ Dienstag, 12. November, 20.15 Uhr. (Steinickesaal, Adalbertstraße 15). 2. Abend: „Der Tempel Salomon“. Mittwoch, 13. November, 20.15 Uhr (Steinickesaal, Adalbertstraße 15). Numerierter Sitzplatz RM. 1.—, Saalkarte RM. —.60, Kategoriekarte RM. —.30 (für beide Vorträge). Vorverkauf Herzog-Max-Straße 7/1. Die Cossmann-Werner-Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde ist im Winterhalbjahr am Montag, Dienstag und Donnerstag von 5 bis7, Freitag von 2 bis 4 und Sonntag von 10 bis 12 geöffnet. Ein Sachkatalog liegt zur Benutzung auf. Im Lesesaal sind mehrere jüdische Zeitungen und die wichtigsten jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften vorhanden. Die Handbibliothek ist durch Aufstellung mehrerer Lexika und der Jüdischen Enzyklopädie erweitert worden. Jüdischer Jugendring München. Die Unterzeichneten Vereine haben sich zu einem Jugendring zusammengeschlossen, der die Aufgabe ha- Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Jos£ Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht