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Das jüdische Echo · 1929-11-01 · 44 (1.11.1929) · p. Seite 657

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
44 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 657 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 657 gende Israel Labe die Möglichkeit hatte, die Tätigkeit Talebs auf der Gasse zu beobachten. — Nach einer zwei und eine halbe Stunde dauernden Beratung sprach der Seniorrichter Corrie im Beisein des Richters Defreitas den Scheich Taleb Abdul Rahem Markah unter großer Spannung der Hunderte Zuhörer, unter ihnen zahlreiche Juden aus Hebron, des schlechten Betragens schuldig und verhängte über ihn die erwähnte Strafe. Das Beweismaterial, sagte der Richter, reichte nicht hin, um den, Tatbestand der Aufreizung zum Morde zu erweisen. Freisprechung von sieben Arabern aus Gaza Jerusalem, 23. Oktober. (JTA.) Vor dem Gericht in Jaffa hatten sich sieben Araber aus Gaza wegen Aufreizung zu Gewalttaten und Teilnahme an den Angriffen auf die Juden in Gaza in den Unruhetagen zu verantworten. Obwohl elf Zeugen für die Angeklagten belastend aussagten, sprach sie Richter Stubbs frei, mit der Begründung, das Gericht sei nicht in der Lage gewesen, den Zeugen Glauben zu schenken. Weitere Urteile Ein Araber, der Schmähungen gegen die Polizei von Tel Awiw ausstieß und ihr Straßenraub vorwarf, wurde vom Jaffaer Gericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Polizeirichter in Safed verurteilte einen Juden, der sich gegenüber einem ihn verfolgenden Mob mit der Waffe in der Hand zur, Wehr setzte, zu einem Pfund einem Schilling Geldbuße und verfügte seine sofortige Haftentlassung. In der Urteilsbegründung heißt es, man könne es einem Manne nicht verübeln,, wenn er, wo sein Leben bedroht wird, zur Waffe greife. Ein Jude von der Mordanklage freigesprochen Jerusalem, 27. Oktober. (JTA.) Das Gericht in Jaffa unter Vorsitz des Richters Plunkett hat während der Verhandlung gegen den Juden Izchak Abbadis, der beschuldigt war, mehrere Araber, in der Absicht, sie zu töten, durch Schüsse verletzt zu haben, das Verfahren abgebrochen und den Angeklagten freigesprochen mit der Begründung, daß die Aussagen der Zeugen so widerspruchsvoll und unzuverlässig sind, daß ein Verfahren sich nicht rechtfertigt. Arabische Proteste gegen die Todesurteile in Haifa Jerusalem, 22. Oktober. (JTA.) In der Moschee zu Haifa hielten die Moslemiten eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, ein Telegramm an den englischen König zu senden und ihn zu bitten, die vom Gericht in Haifa zum Tode verurteilten drei Araber zu begnadigen. Für den 21. Oktober wurde in Haifa ein Generalstreik zum Protest gegen die Todesurteile geplant. Der Streik wurde für Donnerstag, den 24. Oktober, an welchem Tage die britische Untersuchungskommission in Palästina eintrifft, verschoben. Am Sonntag waren in Safed die Läden der Moslemiten zum Zeichen der Trauer über die Todesurteile geschlossen. I. MÜNCHENER RUSSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÖNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.Kostümsticloreien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 Aus der jüdischen Welt Synagogenschändung in Elberfeld im Zusammenhang mit der Propaganda für das Volksbegehren Berlin, 28. Oktober. (JTA.) Der „Well am Montag“ wird aus Elberfeld telegraphiert: Einen gemeinen Bubenstreich führten rechtsradikale Kreise in der Nacht zum Samstag, 26. Oktober, auf die Elberfelder Synagoge aus. Unbekannte Täter beklebten die Türen des Gotteshauses mit Plakaten für das Volksbegehren, besudelten die Treppe mit Kot und beschmutzten in richtiger Erkenntnis des Wertes ihrer Flugschriften die an die Türen angeklebten Flugblätter ebenfalls mit Kot. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Ermittlungen sind eingeleitet. Hohes Kontingent jüdischer Selbstmörder in Preußen Berlin. (JTA.) In der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ weist Herbert Philippsthal auf das hohe Kontingent jüdischer Selbstmörder hin. Die neuesten statistischen Unterlagen rühren für Preußen aus dem Jahre 1926 her. Unter den 9746 Personen, die sich 192'6 in Preußen das Leben genommen haben, befanden sich 204 Juden (2,0 Prozent). Im Jahre 1925 zählte man unter 9164 Personen 215 jüdischen Glaubens (2,3 Prozent). Für die hohe Ziffer jüdischer Selbstmörder gibt Philippsthal drei Gründe an: die jüdische Berufsgruppierung (der Kaufmannsstand weist die höchste Prozentnorm Selbstmörder auf); ferner verursacht das Stadtleben (die jüdische Bevölkerung ist in den Großstädten konzentriert) nervöse und seelische Leiden in höherem Grade als das Land; schließlich kommt noch hinzu, daß der Jude als Jude der Schwere des Daseins stärker ausgesetzt ist als der Nichtjude. Simon Schocken tödlich verunglückt Berlin, 28. Oktober. (JTA.) Große Teilnahme wendet sich überall in Deutschland der Familie Schocken zu, deren ältestes Mitglied, Herr Simon Schocken, Mitbegründer und Seniorchef der Firma J. Schocken Söhne und der Kommanditgesellschaft Schocken in Zwickau, vor einigen Tagen auf einer Autofahrt in Schlesien verunglückt und in einer Berliner Privatklinik seinen Verletzungen erlegen ist. Er hat ein Alter von 55 Jahren erreicht. Herr Salmann Schocken, Mitbegründer und Mitinhaber des Schockenkonzerns, Mitglied des Wirtschaftsrates der Zionistischen Weltorganisation, der mit seinem verunglückten Bruder in dem gleichen Auto saß, kam mit nur leichten Verletzungen davon. Der verstorbene Herr Simon Schocken hat es mit seinen Brüdern verstanden, das verhältnismäßig kleine Stammhaus Ury Schocken in Zwickau zu einem bedeutenden Warenhauskonzern mit großen Filialen in sächsischen, bayerischen, württembergischen und preußischen Groß- und Mittelstädten auszubauen und den großen Ruf des Hauses Schocken zu begründen. Er betätigte sich auch intensiv am religiösen und sozialen Leben des deutschen Judentums und war seit Gründung der Jüdischen Gemeinde Zwickau vor achtzehn Jahren erster Vorsteher dieser Gemeinde. Er war Mitglied des Pro-Palästina-Komitees und des deutschen Initiativkomitees für die Jewish Agency und wandte größere Summen dem Palästin laufbauwerk und dem jüdischen Wohlfahrtswesen zu. Er unterstützte das Siedlungswerk des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und das Chaluzwerk, indem er einen großen Teil seines Privatgutes der Ausbildung jüdischer Siedler zur Verfügung stellte. — Die Beerdigung fand am Montag, dem 28. Oktober, nach-

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