Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 655 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 655 holung unmöglich machen soll. Unsere Pflicht ist es, eine vollständige und unparteiische Untersuchung durchzuführen. Fragen höherer Politik zu berühren, liegt nicht in unserer Kompetenz. Es gereicht der Kommission zur Genugtuung, daß alle Parteien eine Untersuchung der unmittelbaren Ursachen der Unruhen begrüßen, die Mitglieder der Kommission erwarten demgemäß, daß sie bei ihrer Arbeit die vollste Unterstützung all jener Kreise erhalten werden, die den Wunsch hegen, daß die Ursachen geklärt werden im Interesse des Friedens und des Gedeihens des Landes. Beschuldigungen ernsten Charakters werden von Arabern gegen Juden und von Juden gegen Araber erhoben, und jeder schiebt die Verantwortung für die Ereignisse, die beide Teile beklagen, dem anderen zu. Alle diese Behauptungen, mögen sie von welcher Seite immer kommen, werden auf das sorgfältigste geprüft werden. Unser Bestreben ist es, unsere Mission zu erfüllen, die Wahrheit zu erkunden und jenes Vertrauen wiederherzustellen, von dem Ruhe und Fortschritt abhängen. Auf das Verfahren zu sprechen kommend, führte Sir Walter Shaw aus: Wir sind nicht hier, um eine öffentliche richterliche Untersuchung durchzuführen, auch haben wir nicht die Befugnisse eines Richterkollegiums. Wir sind nur beauftragt, gewisse Ereignisse zu prüfen und dieserhalb Vorschläge zu unterbreiten, um auf diese Weise die Regierung Seiner Majestät darin zu unterstützen, innerhalb der Bestimmungen des Mandates Richtlinien für ihre zukünftige Politik auszuarbeiten. Obwohl wir von der Palästinaregierung Befugnisse einholen mußten, die sich auf die Vernehmung von Zeugen beziehen, üben wir hier unsere Funktion keineswegs im Namen der Palästinaregierung, auch nicht im Namen eines Teiles der Palästinabevölkerung, sondern im Namen der Regierung Seiner Majestät aus. Um alle diejenigen, die von der Untersuchung berührt werden, in die Lage zu versetzen, ihre Fälle restlos darzulegen, haben wir entschieden, daß den drei hauptsächlich interessierten Körperschaften, nämlich der Palästinaregierung, der palästinensisch-arabischen Exekutive und der palästinensisch-zionistischen Exekutive gestattet werden soll, Vertreter zu stellen, die dem Verhör der Zeugen behvohnen und das Beweismaterial beleuchten sollen. Diese Rechtsvertreter haben die Befugnis, die Zeugen der anderen Partei einem Verhör zu unterziehen, um deren Glaubwürdigkeit zu erproben. Wir selzen das Vertrauen in die Vertreter der interessierten Parteien, daß sie ihr Äußerstes tun werden, um die Untersuchung auf den eigentlichen Gegenstand zu beschränken und uns darin zu unterstützen, daß die Untersuchung in einer Weise geführt wird, daß nicht weitere Erbitterung entsteht. Die Kommission hat entschieden, daß sie ihre Ziele am besten erreichen wird, wenn die Öffentlichkeit und die Presse beim Verhör der Zeugen nicht zugegen sind. Wir werden uns freuen, wenn außer den Vertretern der erwähnten drei Parteien auch andere Personen Beweismaterial über die zu untersuchenden Dinge zur Verfügung stellen. Der Regierungsanwalt Kanelm Preedy erhob Einspruch dagegen, daß Sir Walter Shawr die Palästinaregierung als eine der Parteien bezeichnet hat, gegen die „Beschuldigungen“ erhoben werden. Sie Walter Shaw erklärte, er ändere das Wort „Beschuldigung“ in „Beschwerde“ um. Kenelm Preedy brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß die Verhandlungen so zusammengepreßt wie möglich sein sollen und schlug vor, den stellvertretenden Kommandanten der Palästinapolizei, Saunders, als ersten Zeugen zu vernehmen, der auch die Berichte seiner Untergebenen in den verschiedenen Bezirken unterbreiten solle, damit nicht mehrere Polizeioffiziere von ihren Posten weggeholt werden müßten. Sir Boyd Merriman, der Anwalt der Zionistischen Paläslinaexekutive, beantragte, daß sich die Kommission so schnell wie möglich in die verwüsteten Orte begibt. Sir Walter Shaw erwiderte: Wir wrerden diese Orte besuchen, unter der Voraussetzung, daß jeder Partei gestattet wird, die Kommission auf ihrer Reise zu begleiten. Die Lage in Palästina Leichtes Erdbeben im Norden Palästinas — Kein Schaden Jerusalem, 22. Oktober. (JTA.) Am Sonntag abend wurde in Safed und in den benachbarten jüdischen Kolonien Rosch Pinah und Machanajim, im Norden Palästinas ein leichtes Erdbeben verspürt, durch das die Bevölkerung, in der die Erinnerung an das katastrophale Erdbeben von 1927 noch wach ist, in Unruhe versetzt wurde. Der leichte Erdstoß wiederholte sich nicht, so daß sich die Bevölkerung bald beruhigte. Verminderung der britischen Truppen in Palästina Jerusalem, 25. Oktober. (JTA.) Das Londoner Kriegsministerium hat die Zurückziehung des Green Howards Bataillon aus Palästina verfügt, so daß gegenwärtig nur zwei britische Bataille in Palästina stationiert sind. Es verlautet, P£LZMOD£A/ ÜCRNHAkD BA UCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRRSSE 3 KÄUFINGERSTRRSSE 25 BRIENNER STRÄSSE 8