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Das jüdische Echo · 1929-11-01 · 44 (1.11.1929) · p. Seite 654

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
44 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 654 (sequence 6)
Language
German
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654 Das Jüdische Echo Nr. 44 durch ihren Besitz, den sie deshalb mit allen Mitteln vergrößern müssen, aufdringlich und ohne Rückgrat um Freundschaft und Beziehungen werbend in jedem noch so fern liegenden Kreis — waren die Sklareks nicht gut befreundet mit dem Antisemiten Bruhn, dem Herausgeber des Hetz- und Skandalblattes „Die Wahrheit“? — selbst da ein peinliches Bild moralischer und geistiger Zerrüttung bietend, wo sie sich dem Strafgesetzbuch noch zu entziehen wissen. Und doch sind es im Grunde betrogene Betrüger, die Phantomen nachjagen, die glauben, das Leben zu genießen, wenn sie vom Leben gefressen werden. Diese Pächter des königlich-bayerischen Gestüts Leutstetten, diese in Turfkreisen bekannten und so splendiden Herren, waren sie nicht die Stiefelknechte, deren Dienste man benutzte und die man sicherlich doch verachtete, auch wenn man im Grunde nicht besser war und sich wohlig ihren Sekt schmecken ließ? Wie immer in solchen Fällen, wird versucht, die Verantwortung für ihre Taten der jüdischen Gesamtheit aufzubürden — man braucht nicht zu leugnen, daß es jüdische Verbrecher gibt, um sagen zu können, daß an diesen Verbrechern nicht das Judentum schuld ist, sondern höchstens die Entjudung. Das ist es, was vom jüdischen Standpunkt zum Fall „Sklarek“ zu sagen wäre, der aber, wie auch in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden darf, in Wirklichkeit gar kein Fall „Sklarek“, sondern ein Fall moderner Verwaltungskorruption ist. Die heutige kommunale und staatliche Verwaltung bringt es mit sich, daß Menschen ärmster Herkunft und unter relativ dürftigen Einkommensverhältnissen die Verfügungsgewalt über ungeheure wirtschaftliche Werte ausiiben. Wenn unter solchen Umständen Korruption auftritt, so ist das eine Sache, die nichts mit dem Judentum, um so mehr dagegen mit dem kapitalistischen System an sich, der Unzulänglichkeit menschlicher Einrichtungen, der Unerfahrenheit und manchmal Haltlosigkeit einer neu an große Aufgaben herankommenden und großen Versuchungen ausgesetzten Schicht zu tun hat. Sie ist eine Erscheinung, die überall vorkommt, womit sie nicht entschuldigt werden soll und die — auch das muß gesagt werden — gewissen anderen nicht strafbaren und in der besten Gesellschaft, ja da vielleicht besonders üblichen Handlungen, manchmal zum Verwechseln ähnlich sieht, jenen Handlungen, die man etwas schamhaft vielleicht unter Protektion und Beziehungen rubriziert. Wo es Honig gibt, da können die Fliegen nicht ausbleiben; man sorge darum dafür, daß auch die Fliegenfänger überall ihr Werk tun. I. E. Die Ärbeit der britischen Untersuchungskommission in Palästina Jerusalem, 27. Oktober. (JTA.) Die Mitglieder der britischen Untersuchungskommission, Sir Walter Shaw (Vorsitzender), Sir Henry Betterton (konservatives Mitglied des Unterhauses), R. Hopkins Morris (liberales Unterhausmitglied) und Harry Snell (arbeiterparteiliches Unterhausmilglied), sind, wie schon kurz mitgeteilt, am 23. Oktober auf dem Wege über Ägypten in Jerusalem eingetroffen. Sie wurden auf dem Bahnhof vom Chefsekretär der Palästinaregicrung, Herrn H. C. Luke, einigen anderen hohen Beamten der Regierung und dem Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, empfangen. Der Bahnhof war durch britische Truppen abgesperrt, nur Journalisten und Pressephotographen war der Zutritt zum Bahnsteig gestattet. Nach einer kurzen offiziellen Begrüßungszeremonie begaben sich die Kommissionsmitglieder in das ihnen von der Palästinaregierung zur Verfügung gestellte „Fastotel“. Mit dem gleichen Zuge trafen der Kanzler der Hebräischen Universität, Dr. J. L. Magnes, und der Vater des Oberstaatsanwalts Norman Bentwich, Herr Herbert Bentwich, ferner der von der arabischen Exekutive bestellte Anwalt William Henry Stöcker und der Anwalt der Palästina-Regierung, Herr Kenelm Preedy, ein. Zweck der Untersuchungskommission ist es, die unmittelbaren Ursachen, die zu den jüngsten Unruhen in Palästina führten, klarzulegen, und Vorschläge über Maßnahmen zu erteilen, die ergriffen werden sollen, um eine Wiederholung solcher Unruhen zu vermeiden. Die Dauer des Aufenthaltes der Kommission in Palästina ist für etwa zwei Monate berechnet. Es ist nicht wahrscheinlich, daß ihr Bericht noch vor Beginn des Jahres 1930 dem Kolonienminister vorliegen wird. Der Bericht der Kommission wird dem Parlament und der Mandatskommission des Völkerbundes zur Weiterleitung an den Völkerbundsrat unterbreitet werden. Die erste Sitzung der Kommission Jerusalem, 27. Oktober. (JTA.) Am 24. Oktober nachmittags hielt die Kommission im Jerusalemer Gerichtshause ihre erste Sitzung ab, die im Gegensatz zu den folgenden öffentlich war. Der kleine Gerichtsraum war dicht besetzt von Journalisten, auswärtigen Konsuln, Mitgliedern der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi, sowie von Mitgliedern der arabischen Exekutive. Als einziger Vertreter der Palästina-Regierung war der Gehilfe des Oberstaatsanwalts R. H. Frayton erschienen. Unter den Zuhörern bemerkte man auch Herrn M. M. Ussischkin, Leiter des Jüdischen Nationalfonds. Die Rechtsberater und -Vertreter der Juden sind Sir Boyd Merriman und Viscount Erleigh, die von der Jewish Agency in London entsandt wurden, Jonah J. Goldstein, der den amerikanischen Teil der Jewish Agency vertritt, ferner die Anwälte Harry Sacher und Horovilz von der Zionistischen Exekutive. Sir Walter Shaw eröffnete die Sitzung mit einer längeren Ansprache, in der er ausführte: Die tragischen Ereignisse, die sich vor kurzem in Palästina abspielten, haben dem Gewissen der Welt einen Stoß versetzt und sie drohten, die friedliche Entwicklung dieses Landes zu hemmen. Diese Ereignisse werden von allen Teilen des Volkes bedauert, das einig ist in der Forderung, daß die Ursachen dieser Ereignisse unparteiisch untersucht werden und daß eine Wiederholung der Unruhen vermieden wird. Dieses Ziel im Auge, hat der Staatssekretär für die Kolonien diese Kommission ernannt, die die unmittelbaren Ursachen der Ereignisse prüfen und Vorschläge über Maßnahmen machen wird, die eine Wiedertfiaujt llöofjlfafjrtabriefmarlen Im llöoblfabrto und Jugendamt der Jfr.tfiultusgemeinde flHünttjen {jerjog<)na^5trafje 5/1 * fernfprerfter 92885.

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