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Das jüdische Echo · 1929-10-25 · 43 (25.10.1929) · p. Seite 639

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
Seite 639 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 639 in einem Lande, wo der Fanatismus der Unwissenden so leicht von politischen Hetzern zu Raub und Mord aufgehetzt werden kann, ein so unverantwortlicher und skrupelloser Politiker die Möglichkeit hat, seinen schlimmen Einfluß weiter auszuüben, umgeben von all der geistlichen Würde der Religion und ausgestattet mit all der weltlichen Macht, die diese im Orient in sich schließt? Die Verwirklichung der großen Aufgaben des Palästinamandats hängt in sehr hohem Maße von der öffentlichen Meinung Englands, seiner Presse und seinen Staatsmännern ab. Das jüdische Volk hat das Recht zu erwarten, daß sein Friedenswerk die tätige und wohlwollende Unterstützung der Mandatarmacht erfahre. Es hat das Recht zu verlangen, daß die an den kürzlichen Unruhen schuldig Befundenen in gebührender Weise bestraft und daß alle Männer, in deren Hände die Verantwortung für die Verwaltung eines Landes von so einzigartiger Vergangenheit und so einzigartigen Zukunftsmöglichkeiten gelegt ist, so instruiert werden, daß der große Auftrag, den die Kulturmenschheit der Mandatarmacht anvertraut hat, mit Mut und Weitblick in die tägliche Praxis der laufenden Verwaltung umgesetzt wird. Die Juden wollen nicht unter dem Schutz englischer Bajonette im Lande ihrer Väter wohnen. Sie kommen als Freunde des stammesverwandten arabischen Volkes. Was sie von England erwarten, ist, daß es das Wachstum freundschaftlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern fördere, daß es keine vergiftete Propaganda dulde und daß es Organe des Schutzes im Lande schaffe, die das Leben und die friedliche Arbeit hinreichend sichern. Die Juden werden das Werk des Wiederaufbaus Palästinas, das sie unternommen haben, nie wieder aufgeben. Die Reaktion aller Juden, gleichviel ob Zionisten oder Nichtzionisten, auf die Ereignisse der letzten Wochen hat dies deutlich genug gezeigt Die Durchführung des Werkes aber kann durch die Mandatarmacht bedeutend gefördert, aber auch bedeutend gehemmt werden. Es ist von grundlegender Bedeutung, daß die englische öffentliche Meinung und die Regierungen Englands und Palästinas sich diesem großen Werk verpflichtet fühlen, nicht deswegen, weil England einmal diese Verantwortung in juridischer Form auf sich genommen hat, sondern weil man von dem Sinn und dem Wert dieser Verpflichtung tief überzeugt ist und daran glaubt, daß ihre Erfüllung den Fortschritt und den Frieden der Menschheit zu fördern und ein großes historisches Unrecht gutzumachen bestimmt ist. Ich hin nicht gewillt zu glauben, daß die größte Kolonialmacht der Welt versagen sollte, wenn es gilt, ihre einzigartigen kolonisatorischen Erfahrungen in den Dienst des Wiederaufbaus der alten Heimstätte des Volkes der Bibel zu stellen. Mag die Aufgabe für die Mandatarmacht auch keine leichte sein, für den Erfolg, den sie erringt, darf sie der unvergänglichen Dankbarkeit nicht nur der Juden, sondern der Edelsten der ganzen Menschheit versichert sein. Einstein. Distanz-Bedürfnisse Zur „Erklärung deutscher Juden“ Die „Erklärung deutscher Juden“, mit der wir uns bereits beschäftigt haben, wurde nunmehr auch im Inseratenteil der „Münchner Neuesten Nachrichten“ vom 20. Oktober 1929 veröffentlicht; recht interessant ist, daß sich jetzt auch eine ganze Anzahl von Münchener Unterschriften vorfindet, nachdem vor einiger Zeit die „Münchener Zeitung“ ihre Verwunderung darüber ausgedrückt hatte, daß unter dieser Erklärung, die ihr offenbar in anderen Blättern aufgefallen war, keine Münchener Namen gestanden hätten. Der unausgesprochene Wunsch, der in dieser Feststellung lag, ist der „Münchener Zeitung“ prompt erfüllt worden. Von Münchener Juden haben nunmehr unterzeichnet die Herren Sanitätsrat Dr. Baron, Rechtsanwalt Dr. G. F. Bergmann, Sonthofen-München, Kommerzienrat Max Bernheim e r, Landgerichtsrat Dr. Max Bretzfelder, Landgerichtsrat Dr. Dispeker, Justizrat Dr. Heilbronne r, Adolph Lang, Generalkonsul Karl Mayer, Darmstadt-München, Kommerzienrat Sigmund Weil; aus dem übrigen Bayern unter anderem der Augsburger Rabbiner Dr. Ernst Jakob, der erst vor kurzer Zeit sein Amt angetreten hat. Was an allgemeinen Bemerkungen zu dieser Erklärung deutscher Juden zu sagen ist, wurde in unserer Nummer vom 11. Oktober bereits ausgesprochen — es wurde damals ausgeführt, daß die Erklärung in wesentlichen Dingen unrichtige Behauptungen aufstellt und gezeigt, daß ihre Unterzeichner in keiner Weise für das deutsche Judentum repräsentativ genannt werden können. Eine Prüfung, ob das auch für die Münchener Herren zutrifft, ist kaum notwendig. Herr Sanitätsrat Dr. Baron, Herr Justizrat Dr. Heilbronner und Herr Lang gehören zwar den Vertretungskörperschaften der Israelitischen Kultusgemeinde München an; es ist aber bekannt, daß sie selbst innerhalb der liberalen Fraktion durchaus isoliert sind und nur durch eine hartnäckige und eigensinnige Vertretung ihres Standpunktes, der eigentlich kaum eine Gefolgschaft hinter sich hat, SCHO KO LADE »PRALINEN GOLD

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