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Das jüdische Echo · 1929-10-18 · 42 (18.10.1929) · p. Seite 630

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
42 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
Seite 630 (sequence 15)
Language
German
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6:0 bas Jüdische Echo Nr. 42 lege, was Simon Hirigh isf? — auch unter den Arabern betätigt sich Simon Hirigh!“ ,,Simon Hirigh“ ist die Chiffre für Ausschreitungen gegen Juden. Heute vormittag zeigten sich die ersten Früchte dieser Verhetzung. Unter den Rufen „Simon Hirigh“ marschierte die antisemitische Studentenschaft in Doppelreihen in das Gebäude des Anatomischen Instituts, drang in die Hörsäle ein und erzwang die Unterbrechung der Vorlesungen. Sie verprügelten einige jüdische Studenten und schmissen einen brutal die Treppe hinunter. Überfall russischer Bauern auf jüdische Kolonisten — Eine Kolonistenfrau getötet Moskau, 10. Oktober. (JTA.) Russische Bauern des Dorfes Strugowo Bude, Kreis Klintzi, überfielen die jüdischen Kolonisten, die 1924 in diesem Dorfe angesiedelt worden waren, zerstörten Häuser und Inneneinrichtung und schlugen auf die Kolonisten, deren Frauen und Kinder ein. Eine Kolonistenfrau mit Namen Zlate Bichowski wurde zuerst blutig geschlagen und dann, als sie aus dem Hause lief und Hilferufe ausstieß, vom Anführer der Pogrombande, Afanasi Schkapa, mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen, bis sie tot hinfiel. Der Mörder Schkapa zum Tode, seine Mithelfer zu mehrjähriger Kerkerstrafe verurteilt Moskau, 11. Oktober. (JTA.) Das Distriktsgericht in Klintzi hat heute, Freitag, dem 11. Oktober, das Urteil über die Rädelsführer des Pogroms in Strugowo Bude gesprochen. Schkapa, der die Bande anführte und selbst die Kolonistenfrau Zlate Bichowski tötete, wurde wegen Mordes zum Tode verurteilt. Zwei seiner Mithelfer wurden zu acht bzw. sechs Jahren Kerkers und zu Deportation nach Verbüßung der Strafe verurteilt. Es hat in der ganzen Umgebung starken Eindruck gemacht, daß der Prozeß unmittelbar nach den verbrecherischen Taten stattfand und mit schwerer Bestrafung der Täter endete. Alle Mitglieder der Verwaltung der jüdischen Gemeinde von Leningrad zu Zwangsarbeit verurteilt Die Gemeinde aufgelöst Moskau, 11. Oktober. (JTA.) Nach einem Prozeß, der mehrere Tage andauerte, wurden sämtliche elf Mitglieder der Verwaltung der jüdischen Gemeinde Leningrad von dein Leningrader Gericht zu Zwangsarbeit von vier bis sechs Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten ist auch der 77 Jahre alte hebräische Schriftsteller Leon Rabbinowitz, der einstige Chefredakteur der großen hebräischen Tageszeitung „Hameliz“. Der Prozeß begann am ersten Rosch-Haschanahtage. Seinem Ausgang wurde mit äußerster Spannung entgegengesehen. Graubärtige Juden und junge Kommunisten füllten das große Gerichtszimmer bis auf den letzten Platz. Die Anklageschrift warf den Angeklagten vor, daß sie sich als die Führer der jüdischen Gemeinde das Recht richterlicher Personen angeinaßt haben. Im einzelnen lauteten die Beschuldigungen wie folgt: 1. Die Gemeindeverwaltung wandte sich an die jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf, Gelder für die Renovierung der großen Chor-Synagoge zu spenden. 2. Die Gemeinde hat einen Teil des Verwaltungsgebäudes an eine Produktionsgenossenschaft vermietet, sie hat also Privatgeschäfte gemacht. 3. Die Gemeinde hat mit Kaschruth-Aufsehern, Tempeldienern und anderen religiösen Beamten Abmachungen getroffen, wodurch sie sich administrative Rechte anmaßte, die ihr nicht zustehen. 4. Die Gemeinde versuchte die Verteilung von Koscherfleisch unter den Gemeindemitgliedern zu beeinflussen. 5. Die Gemeinde stand mit ausländischen Organisationen in Verbindung und erhielt von diesen zu den vergangenen Pessachtagen 80 Pud Mazzoth. f>. Die Gemeinde erhielt Beträge für die Bestattung jüdischer Leichen auf dem jüdischen Friedhof, obwohl der Staatssowjet sich als Inhaber des Friedhofes betrachtet. Die Verteidiger, Advokat Krasni-Adomi und Advokat Levidow, wiesen darauf hin, daß die Chor-Synagoge eine Warnung von der Behörde erhalten hat, daß sie, wenn sie nicht bald renoviert wird, der Beschlagnahme verfallen werde; die Gemeinde mußte also Mittel zur Renovierung der Synagoge beschaffen. Schließlich habe die Gemeinde von Leningrad nicht 80 000, sondern 18 000 Pud Mazzoth aus dem Auslande, und zwar auf Grund einer Erlaubnis seitens der Zentralregierung, erhalten. Der Richter hielt die Anklagepunkte für nicht entkräftet und sprach die erwähnten Urteile. Die Verwaltung der Gemeinde wurde für aufgelöst erklärt. Unter der Judenschaft von Leningrad herrscht tiefe Niedergeschlagenheit. Eine ukrainische Räuberbande überfällt am zweiten Rosch-Haschanah-Tage eine Synagoge Lemberg, 9. Oktober. (JTA.) Erst heute erfährt man in Lemberg über blutige Vorfälle, die sich am Sonntag, dem 6. Oktober, dem zweiten Rosch-Haschanahtage, in dem galizischen Städtchen Jariczew Nowy abgespielt haben. Während des Gottesdienstes in der Stadtsynagoge drang eine Bande von zehn jungen Ukrainern in die Frauenempore ein, rief „Hände hoch!“ und riß den festlich gekleideten Frauen den Schmuck von Hals und Fingern. Es entstand ein ungeheurer Tumult, einige Frauen erlitten Nervenschocks und fielen in Ohnmacht. Als Polizei vor der Synagoge erschien, flüchtete die Bande, die Polizisten sandten ihr Schüsse nach, durch die vier Mitglieder der Bande getötet und zwei verwundet w urden; nur vieren gelang es zu entkommen. Durch verirrte Kugeln der Räuber und der Polizei wurden auch einige jüdische junge Leute verletzt. Aus Rache überfielen am Dienstag, dem 8. Oktober, junge Ukrainer eine Gruppe jüdischer Kaufleute und brachte einem von ihnen lebensgefährliche Verletzungen bei. Palästina-Resolution des Weltfriedenskongresses Athen, 10. Oktober. (JTA.) Der gegenwärtig in Athen stattfindende Weltfriedenskongreß hat mit 50 gegen 22 Stimmen die vom Franzosen Gorcos eingebrachte und vom Engländer Smith bekämpfte Resolution angenommen, in der das Bedauern des Kongresses über die Ereignisse in Palästina ausgedrückt und der Wunsch ausgesprochen wird, daß England alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen möge, um ähnlichen Vorkommnissen in der Zukunft vorzubeugen. Der israelitische Gemeindebund der Schweiz verzichtet auf das Schächten in Liechtenstein Bern, 11. Oktober. (JTA.) „Der Bund“ teilt mit: Das seinerzeitige vom Israelitischen Gemeindebund der Schweiz bei der Fürstlich Liechtensteinischen Regierung eingereichte Gesuch für die Bewilligung zum Schächten in der Gemeinde Schaan ist dieser Tage von den Gesuchstellern zurückgezogen worden. Damit ist auch die im März dieses Jahres von rund 700 liechtensteinschen Bürgern in die Wege geleitete Initiative auf Schaffung eines Schächtverbotes in Liechtenstein gegenstandslos geworden, so daß eine Abstimmung unterbleiben konnte, da kaum anzunehmen ist, daß diese Frage nochmals auf gerollt wird.

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