Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 41 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- Seite 616 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9176095--09838-9082747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
616 Das Jüdische Echo Nr. 41 Die jüdische Bevölkerung ist durch diese Mitteilungen in Unruhe versetzt worden und fordert die Legalisierung einer jüdischen Selbstschutztruppe unter einem verantwortlichen Chef. Eine Wirkwarenfabrik in Tel-Awiw abgebrannt Jerusalem, 28. September. (JTA.) Tel-Awiw erlebte heute das größte Schadenfeuer seit dem Bestehen der Stadt. Ein von einem elektrischen Motor abspringender Funke verursachte einen Brand in der Webereiabteilung der „Lodzia“-Fabrik. Die Weberei brannte vollständig ab, der Schaden beträgt 15 000 Pfund. Das Strumpfwarenlager und die übrigen Lagerräume der Fabrik wurden von dem Feuer verschont. Der Brand wurde durch das rechtzeitige Eingreifen der Feuerwehr gelöscht. Palästina-Ein- und -Auswanderung im August Jerusalem, 3. Oktober. (JTA.) Wie heute mitgeteilt wird, sind im Monat August 319 Einwanderer, unter ihnen 265 Juden, 51 Christen und 3 Moslemiten, in Palästina eingetroffen. In dem gleichen Monat sind 217 Personen, unter ihnen 151 Juden, 44 Christen und 22 Moslemiten, ausgewandert. Die Palästinaregierung erzielt weiter Überschüsse Jerusalem, 3. Oktober. (JTA.) „Official Gazette“ teilt mit, daß in den ersten sieben Monaten dieses Jahres das Schatzamt der Palästinaregierung 1 268 250 Pfund eingenommen hat. Die Ausgaben betragen 1 021 534 Pfund, so daß sich ein Überschuß von 246 716 Pfund ergibt. Eine englische Ausgabe des „Dawar“ Die hebräische Tageszeitung „Dawar“, das Organ der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, hat mit der Ausgabe einer englischen Beilage begonnen, die zunächst wöchentlich erscheinen soll. Die erste Beilage enthielt die Kundgebung der Arbeiterorganisation zu den Ereignissen, sowie Übersetzungen von Aufsätzen, die im „Dawar“ veröffentlicht wurden. (Ziko.) Aus der jüdischen Welt Gedenktafel für Hermann Cohen in Cosvig enthüllt Berlin, 1. Oktober. (JTA.) Im Rathaus zu Cosvig (Anhalt), der Geburtsstadt Hermann Cohens, wurde am Sonntag eine vom Berliner Bildhauer Illemann geschaffene Bronzeplakette des großen Marburger Philosophen enthüllt. Die Plakette zeigt im Ausmaße von 75 Zentimetern im Quadrat den Kopf Hermann Cohens, um den Kopf herum die Inschrift: „Hermann Cohen, Neuerer der Ideen im Sinne Platos und Kants, Professor der Philosophie an der Universität Marburg 1872 bis 1912, geboren in Cosvig 4. Juli 1842, gestorben in Berlin 4. April 1918.“ Die Plakette ist das Geschenk eines früheren Schülers Cohens an Frau Geheimrat Cohen, die ihrerseits sie der Geburtsstadt Cosvig stiftete. Zur Enthüllung hatte sich eine große Anzahl Cosviger Einwohner und Verehrer Hermann Cohens aus ganz Deutschland eingefunden. Antisemitische Regierung sucht jüdisches Kapital Berlin, 3. Oktober. (JTA.) Das „Israelitische Familienblgtt“ schreibt: „Der Freistaat Mecklenburg-Schwerin hat kürzlich an den Anleihemarkt zur Aufnahme einer achtprozentigen 15-Millionen-Anleihe appelliert und sich dabei mit seinen Prospekten an die Bankwelt ohne Unterschied der Konfession gewandt. Dieser Prospekt ist neben den üblichen Großbanken von einer Reihe guter jüdischer Firmen unterzeichnet; dabei war es sicher den Unterzeichnern nicht bekannt, daß der Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin in Rostock bei der am 7. September stattgefundenen Tagung der Deutsch-Völkischen Freiheitsbewegung, die in eindeutiger Weise den schlimmsten antisemitischen Charakter trug, erklärt hat, daß das Staatsministerium von Mecklenburg-Schwerin sich einig wisse mit den Zielen der Politik der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei. Man wird es unter diesen Umständen recht merkwürdig finden, daß diese Regierung es trotzdem versucht, jüdisches Kapital zur Erreichung ihrer Ziele in Anspruch zu nehmen. Noch merkwürdiger wäre es, wenn jüdische Kapitalisten sich tatsächlich dazu hergeben würden, eine solche Regierung zu finanzieren.“ Bundeskanzler Schober über die Rechtssicherheit der Juden in Österreich Wien, 1. Oktober. (JTA.) Bundeskanzler Schober hat am 30. September die Vertreter der österreichischen und der ausländischen Presse empfangen und diese Gelegenheit benutzt, um auf die Österreich schädigenden Alarmmeldungen der letzten Zeit hinzuweisen, die sich als eine Übertreibung der innerösterreichischen Verhältnisse erwiesen haben. Der Kanzler ersuchte die Pressevertreter, sich vor Augen zu halten, daß Österreich eine schwere Leidenszeit von elf Jahren habe zurücklegen müssen; man müsse im Auslande nicht vergessen, daß Österreich aus einer Großmacht herausgeschnitten worden sei, wobei die wirtschaftlich besser liegenden Teile abgetrennt und der Rest vor die schwere Aufgabe gestellt wurde, sich gut und ruhig zu entwickeln. Auf eine Anfrage des Vertreters der Jüdischen Telegraphen - Agentur erklärte Bundeskanzler Schober: „Die Judenheit in der ganzen Welt kann versichert sein, daß während meiner Kanzlerschaft und gewiß auch nachher in Österreich niemals eine Schmälerung der Rechte des jüdischen Vol- Wäscherei der Münchener Hausfrau Landwehrstraße 57/59 Rgb. Telephon 596858 Zweigstellen; 1 Haushaltwäscherei ■ „Apollo“ Dachauer Straße 19 Rgb. Telephon 52553 2 Baaderstraße 13 ■ Telephon 25702 3 Gabelsbergerstraße 103 ■ Telephon 596491