Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-10-11 · 41 (11.10.1929) · p. Seite 615

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
41 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
Seite 615 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9176095--09837-9082746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 41 Das Jüdische Echo 615 ziehen. Die Kommission wird bis zu ihrer Abreise nach Palästina, die Mitte Oktober erfolgt, keine weiteren Sitzungen mehr abhalten. Die Beschlüsse der Kommission in London stehen im Gegensatz zu der Erklärung, die der Chefsekretär der Palästinaregierung, Luke, laut „Felestin“ der arabischen Exekutive in Jerusalem gegeben haben soll; laut dieser Erklärung sollten Rechtsanwälte und Kreuzverhör bei den Vernehmungen durch die Untersuchungskommission ausgeschlossen sein. Ein Interview mit Luke Der Chefsekretär der Palästinaregierung, Luke, der bekanntlich während der Unruhen den abwesenden Oberkommissar vertrat, hat einer Reihe von Zeitungskorrespondenten ein Interview gegeben, das jetzt und auf verschiedenen Umwegen in die europäische Presse eindringt. Manche dieser Meldungen stammen aus Beirut und sind offenkundig tendenziös entstellt. Wenn man aber von den Zutaten absieht, so bleibt genug, was ein Licht wirft auf die Haltung, die Luke offenbar einzunehmen gedenkt. Wir geben hier den Text wieder, den der Journalist von Paasen veröffentlicht hat. Luke erklärt, die Regierung habe nach fünf Jahren der Ruhe den Irrtum begangen, zu glauben, daß die Araber sich mit der Schaffung des Jüdischen Nationalheims abgefunden haben. Daher waren die Ereignisse für die Regierung eine vollkommene Überraschung. Heute sei es klar, daß die Araber ihre ablehnende Haltung nicht im kleinsten Teil aufgegeben haben. Die Berichte über die Gründung der Jewish Agency haben die Araber darüber belehrt, daß sie es jetzt mit der gesamten jüdischen Welt zu tun haben, und sie fürchteten daher, daß von den Juden ihr bestes Land aufgekauft werden wird, so daß sie auf das Gebirgsland beschränkt bleiben würden. Heute ist es bereits klar, sagte Luke weiter, daß die Unruhen sofort in vergrößertem Maßstab wiederholt würden, wenn die Truppen zurückgezogen würden. Und die Regierung fürchtet, daß in einem solchen Fall der moslemische Aufstand nicht auf Palästina beschränkt bliebe, sondern der ganze Nahe Osten mitbezogen würde. Was die Entwaffnung der Juden betrifft, betonte Herr Luke, daß die Regierung alles tue, um ihre Neutralität in dem Kampf zwischen Juden und Arabern zu wahren. Die Regierung sei jetzt damit beschäftigt, das gesamte Beweismaterial zu sichten. Die jüdische Kultur ist höher als die arabische, aber das Gesetz könne keinen Unterschied machen. Durch ein anderes Verhalten würde die Regierung sich dem Vorwurf der Ungerechtigkeit gegenüber den Arabern aussetzen, was in Widerspruch stünde mit dem Geist der Balfour-Deklaration. Luke stellte mit Entschiedenheit in Abrede.- daß die Regierung die jüdischen Bemühungen zum Aufbau des Nationalheims sabotiere. Die Persönlichkeit des Militärkommandanten in Palästina Jerusalem, 1. Oktober. (JTA.) Die Zeitungen veröffentlichen Einzelheiten über die Persönlichkeit des gegenwärtigen Kommandanten der britischen Truppen in Palästina, Brigadegeneral B. W. S. Dobbic, der nach dem Ausbruch der Unruhen aus Ägypten nach Palästina berufen wurde. General Dobbic hat ein erfolgreiche militärische Karriere hinter sich. Bald nachdem er die Kadettenschule in Wollwich verlassen hatte, nahm er am südafrikanischen Kriege teil. Später wurde er bei den irischen Wirren verwendet und 1914 begab er sich mit den ersten britischen Formationen nach dem französischen Kriegsschauplatz. Wähvon r pjviilj gefallen, sicher! j LTi Brienn erstr.55 rend des Weltkrieges erhielt er zahlreiche Auszeichnungen von englischer, französischer und belgischer Seite. Im Jahre 1928 wurde er zum Generalmajor befördert und erhielt ein Kommando in Ägypten. 37 Araber zu mehrjährigem Gefängnis verurteilt Jerusalem, 2. Oktober. (JTA.) 32 arabische Einwohner des Dorfes Tireh wurden zu je 5 Jahren Gefängnis, 5 weitere Araber des gleichen Dorfes zu je 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie waren beschuldigt, am 26. August einen Angriff auf Beth Galim, die jüdische Vorstadt von Haifa, versucht zu haben. Die Angreifer auf Beth Galim wurden mittels Äroplan zerstreut und von einer Militärabteilung verfolgt, die 50 der flüchtigen Angreifer festnahm. Polizeiinspektor Matson, der als erster an dem kritischen Tage den Anmarsch der Angreifer sichtete, hatte sofort sein Motorrad bestiegen, um militärische Kräfte heranzuholen. Im Äroplan, der gegen die Araber aufstieg, befand sich als Beobachter der Richter Litt. Polizeiinspektor Foley sagte vor Gericht aus, daß am 26. August die Lage für Haifa eine überaus ernste war; wäre es dem Mob gelungen, in die Stadt einzudringen, so wäre Haifa ein schweres Schicksal beschieden gewesen. In der Begründung des Urteils sprach der Richter dem Inspektor Matson hohe Anerkennung aus und sagte, ganz Haifa schulde diesem Beamten Dank; durch sein rechtzeitiges Eingreifen wurde ein Blutbad vermieden. Auch die Verurteilten schulden ihm Dank, weil er sie an größeren Verbrechen verhindert hatte, auf denen die Todesstrafe steht. — Während der Gerichtsverhandlung wurde das Gerichtsgebäude von 50 Soldaten bewacht. Vor dem Gebäude hielt ein Panzerauto die riesige Menge Araber in Schach, die, als die Verurteilten in Ketten geschmiedet herauskamen, in lautes Wehklagen ausbrach. Die Anklage wegen Ermordung der Familie Makleff in Moza wird gegen 12 Fellachen aufrechterhalten; alle 12 werden gemäß einem Artikel des Strafgesetzes abgeurteilt werden, der für solche Verbrechen die Todesstrafe vorsieht. Intensiver arabischer Waffenschmuggel Jerusalem, 1. Oktober. (JTA.) Die Aufmerksamkeit der Regierung wurde auf einen von Arabern betriebenen intensiven Waffenschmuggel gelenkt. Große Schiffsladungen mit Waffenkontrebande treffen täglich in Haifa ein und werden hinter dem Rücken der Behörde in das Land geschmuggelt. Es handelt sich meist um Flinten, Revolver und Munition italienischer Provenienz. Der Stadtingenieur von Haifa informierte die Militärkommandantur über diesen Waffenschmuggel und unterbreitete ihr Zahlen, aus denen hervorgeht, daß in den letzten wenigen Tagen Tausende Flinten und Revolver unter den Arabern verteilt wurden. Es heißt, daß reiche syrische Araber diesen Waffenschmuggel finanzieren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.