Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 41 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- Seite 614 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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614 Das .Jüdische Echo Nr. 41 VORANZEIGE Gastspiel des Moskauer hebr. Künstlertheaters 11.-17.November ft D||f II U im Schauspielhaus HM Dl PI Mn machers aus Yemen Seliman Mouhajez erschienen Pinchas Ruthenberg als Repräsentant des Waad Leumi und Harry Sacher als Repräsentant der Zionistischen Exekutive beim Oberkommissar Sir John Chancellor und erörterten mit ihm die Frage der öffentlichen Sicherheit in Jerusalem. Ruthenberg und Sacher teilten dem Oberkommissar mit, daß die jüdische Bürgerschaft noch immer das Gefühl der Unsicherheit habe und daß immer wieder Gerüchte auftauchen, die Panik verursachen. Der Oberkommissar gab die Versicherung ab, daß die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen nicht gemindert wurden, daß im Gegenteil die Behörden eine immer größere Wachsamkeit an den Tag legen. Auch die Sicherheit in der Gegend zwischen Jaffa und Tel-Awiw läßt viel zu wünschen übrig. Im Zusammenhang mit einer Prügelei zwischen einigen Arabern entstand eine Panik, arabische Ladeninhaber schlossen ihre Läden und rannten in ihre Wohnungen, die jüdischen Ladeninhaber von Jaffa flüchteten angesichts der arabischen Panik nach Tel-Awiw. Erst nach einer halben Stunde trat Beruhigung ein, so daß die Läden wieder geöffnet wurden. Jerusalem, l. Oktober. (JTA.) Der arabische Boykott gegen die Juden nimmt allmählich die Form eines unerträglichen Terrors an. Jüdische Angestellte einer Zigarettenfabrik, die einer arabischen Firma gehört, wurden, als sie heute morgen sich zur Arbeit einstellten, durch arabische Posten aufgefordert, sofort ihre Arbeitsstätten freiwillig zu verlassen, da man sich sonst gezwungen sehen werde, sie mit Gewalt zu entfernen. Die Jerrusalemer jüdische Bevölkerung mußte heute auf jede Fleischnahrung verzichten, weil die jüdischen Schlächter und Schächter aus Furcht vor arabischen Angriffen, vor denen sie vorher gewarnt worden waren, es nicht wagten, das Schlachthaus zu betreten. Vor einigen Tagen haben arabische Schlächter einen jüdischen Schlächter angegriffen und ihm schwere Verletzungen beigebracht. Nachher erfuhr man, daß das Gerücht von der Überfallabsicht arabischer Schlächter auf ihre jüdischen Kollegen übertrieben war, die Schlachtung von Vieh für den jüdischen Konsum wurde wieder aufgenommen. Im Zusammenhang mit der arabischen Boykott- und Terrorbewegung besuchte Pinchas Ruthenberg im Namen des Waad Leumi den Oberkommissar Sir John Chancellor und ersuchte ihn um Ergreifung geeigneter Maßnahmen. Der Kreiskommissar von Jaffa, Major Gampbel, empfing den Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoff, und den Vizebürgermeister Rocach, die wegen der arabischen Boykott-Propaganda und der mangelnden Sicherheit in den Grenzbezirken, von Tel-Awiw intervenierten. Campbel erklärte, mit der fortschreitenden Vermehrung der Gendarmerie wird auch für die Sicherheit von Tel-Awiw in einem erhöhten Maße gesorgt sein. Justin Godard und Prof. Balla brandmarken die religiöse Hetze der Effendis Jerusalem, 2. Oktober. (JTA.) Senator Prof. *• Justin Godard, der bekannte Staatsrechtler, früheres Mitglied der französischen Regierung, Begründer und Präsident des Pro-Palästina-Komitees in Frankreich, der gegenwärtig in Palästina weilt, erklärte in einem Gespräch mit dem Sonderkorrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Pierre van Paassen, er habe den Eindruck gewonnen, daß gewisse Führer der Moslemiten durch religiösen Fanatismus der arabischen Bauernschaft durch schändliche Unwahrhaftigkeit und Verzerrungen aufgepeitscht und die arabischen Bauern zum Angriff auf die jüdischen Kolonien aufgehetzt haben. Dazu kam noch das Moment der Habgier. Und als die Effendis den Bauern versicherten, daß die Regierung die Niedermetzlung von Juden und die Plünderung von jüdischem Hab und Gut billigt, waren alle Hemmungen überwunden. Der gleichen Ansicht gab auch Prof. Balla, das Oberhaupt der Theologischen Fakultät an der Leipziger Universität, in einem Gespräch mit van Paassen Ausdruck. Prof. Balla, eine der größten Autoritäten für hebräische und arabische Sprache , und Kultur, der soeben von einer Reise durch Transjordanien und Mesopotamien, wo er als ein Koranweiser von den Mullahs gefeiert wurde, in Jerusalem eingetroffen ist, sagte, die Effendis, die Feinde des Fortschrittes, waren eben dabei, durch einen systematischen Feldzug mittels Lüge und * Verleumdung eine Katastrophe heraufzubeschwören, und fast wäre ihnen das gelungen. Diese Effendis fühlen ihren Einfluß schwinden, sie merken, daß die arabischen Bauern nicht mehr willenlose Sklaven sein wollen, und sie suchen durch Propagierung von Religions- und Rassenhaß ihren Einfluß wieder zu befestigen. Das arabische Proletariat, fuhr Prof. Balla fort, obwohl in seinem Gej fühl noch primitiv, wird sich sicherlich bald ver- * gegenwärtigen, daß es aus dem jüdischen Tätigkeitsprogramm großen Nutzen ziehen könne, daß die Juden seine Freunde sind. Den Juden erwächst die Pflicht, den Arabern weiterhin Wohltaten zu erweisen, und ich bin sicher — schloß Prof. Balla —, daß sich die Juden dieser Pflicht bewußt sind und daß sie auf die bewaffneten Angriffe mit geistigen Waffen antworten werden. Zweite Sitzung der parlamentarischen Palästina- Kommission — Rechtsvertretung und Kreuzverhör zugelassen London, 1. Oktober. (JTA.) Die Mitglieder der zur Untersuchung der Vorkommnisse in Palästina ernannten parlamentarischen Kommission traten am 30. September zu einer zweiten Beratung zusammen. Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, beschloß die Kommission, den einzelnen Parteien in Palästina zu erlauben, sich bei den Verhandlungen der Kommission durch Anwälte vertreten zu lassen und die vor die Kommission erscheinenden Zeugen einem Kreuzverhör nach der Norm, wie sie bei Gericht üblich ist, zu unter-