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Das jüdische Echo · 1929-10-11 · 41 (11.10.1929) · p. Seite 612

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
41 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
Seite 612 (sequence 6)
Language
German
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612 Das Jüdische Echo Nr. 41 und Stimme haben. Sagt man, daß die Summen, die deutsche Juden für Palästina geben würden, ihren eigenen Wohlfahrts- und Bildungseinrichtungen entzogen werden würden, so soll man eben für beide offenes Herz und offene Tache haben, soll das eine tun und das andere nicht lassen. Nach der alten religionsgesetzlichen Bestimmung über Wohltätigkeit gingen freilich immer die Armen der eigenen Stadt denen der fremden vor. Aber die Armen des Heiligen Landes wurden stets den Armen der eigenen Stadt gleichgestellt. 4. Es ist auch eine Pflicht gegen unsere jüdische Liebesgesinnung, nicht in der Förderung des Palästinawerkes zu erlahmen. Gerade weil unsere Brüder und Schwestern im Heiligen Lande in ihrer Pionierarbeit bedroht sind, müssen wir ihnen die Bruderhand und Bruderhilfe aus der Ferne reichen. Dazu kommt die fortwährend sich steigernde Verelendung der polnischen Juden und der Verfall des Judentums in den Sowjetländern. Heimatlose Juden werden vielfach nach einer Heimstätte verlangen und da wird das Aufbauwerk an Palästina nötig sein, um ein Mittel darzustellen, das mithelfen soll, die schwere Judennot zu lindern. Ich habe mein Wort ein Wort der Versöhnung genannt, es soll als ein Ruf zur Verständigung wirken im Sinne des Prophetenspruchs: „Um Zions willen kann ich nicht schweigen und um Jerusalem nicht stille sein, bis hervorbricht wie Strahlenglanz sein Recht und sein Heil wie die Flamme lodert.“ Gustav Strescmann Das plötzlich erfolgte Ableben des Reichsaußenministers Dr. Gustav Stresemann wird auch in den Kreisen des deutschen Judentums Trauer und Mitgefühl hervorrufen; in diesen Kreisen genoß Dr. Stresemann nicht allein als genialer und weitblickender Leiter der deutschen Außenpolitik und als Förderer des Weltfriedens, sondern auch als Leidensgenosse, der ein Ziel schonungsloser Verfolgung seitens der reaktionär-antisemitischen Front gewesen ist, Verehrung und Sympathie. Seit Beginn seiner Ministerschaft wurde Dr. Stresemann von den Antisemiten als Exponent eines angeblichen internationalen jüdischen Regimes bezeichnet, fortwährend wurden vergiftete Pfeile der Verleumdung gegen ihn abgeschossen; vielleicht war dies' mit der Grund dafür, daß Dr. Stresemann es stets zu vermeiden pflegte, sich zu speziell jüdischen Fragen zu äußern. In der letzten Sitzung des Völkerbundes in Genf trat er aus dieser Reserve heraus und sprach der britischen Arbeiterregierung Dank und Anerkennung dafür aus, daß es ihr gelang, die Ruhe in Palästina rasch wieder herzusteilen, auch sprach er die Hoffnung aus, daß es der britischen Regierung gelingen werde, Juden und Araber in Palästina miteinander zu versöhnen und das Mandat zum Besten aller Bewohner des Landes zu verwirklichen. Es ist bekannt, daß die ununterbrochene Hetze der Antisemiten gegen Stresemann nicht wenig dazu beigetragen hat, daß sich seine physischen Leiden verschlimmerten; diese Hetze ist wohl mit schuld an seinem frühen Tod. Die Witwe Dr. Stresemanns stammt aus einem jüdischen Hause. I. MÜNCHENER PLISSE BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Ho säum, Knöpfe, «noein Kanten Kostüms<ickareien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 229 75 Palästina-Debatte aui der Konferenz der britischen Arbeiterpartei Eine Rede Hendersons London, 4. Oktober. (JTA.) Nachdem der Vorsitzende der Exekutive der britischen Arbeiterpartei, Herr Morrison, schon in der Eröffnungssitzung der Jahreskonferenz der Arbeiterpartei in Brighton den Standpunkt der Arbeiterpartei zur Frage Palästinas dargelegt und versichert hatte, daß die britische Arbeiterpartei fest zur Balfour- Deklaration steht, die Idee des jüdischen Nationalheims rückhaltlos bejaht und das Aufbauwerk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina aktiv unterstützen will, hielt der Minister des Auswärtigen, Henderson, in der gestrigen Sitzung der Konferenz — wie schon kurz mitgeteilt — eine Ansprache, in der er die auswärtige Politik der Arbeiterregierung darlegte und in bezug auf Palästina folgendes ausführte: „Ich bin glücklich, erklären zu können, daß die letzten Berichte dahin lauten, daß die Ordnung in Palästina wiederhergestellt ist. Von den zivilen Autoritäten wurden energische Schritte unternommen und werden weiter unternommen werden, um die schuldigen Personen, ohne Unterschied der Rasse oder des Glaubens, dem Gericht zuzurühren. Es wurde eine Kommission ernannt, deren Aufgabe es ist, die unmittelbaren Ursachen, die zu den letzten Unruhen geführt haben, zu erforschen und Empfehlungen zu geben über die Schritte, die unternommen werden müssen, um eine Wiederholung solcher Ereignisse zu vermeiden. Ich will unterstreichen, daß diese Untersuchung sich auf wichtigere Fragen der Politik nicht ausdehnen wird. Die britische Regierung beabsichtigt keineswegs, die britische Stellung hinsichtlich des Mandats für Palästina — wie dies angeregt worden ist — einer neuen Erwägung zu unterziehen. Es kann keine Rede davon sein, daß die Position hinsichtlich des Mandates und hinsichtlich der durch die Balfour-Deklaration von 1917 vorgezeichnete Politik der Förderung der Errichtung Palästinas als Nationalheim für die Juden geändert werden soll. Diese Politik setzte und setzt immer noch die Bedingung voraus, daß die zivilen und religiösen Rechte aller Einwohner ohne Unterschied der Rasse und der Religion jederzeit in angemessener Weise geschützt werden.“ Der Vertreter der Poale Zion, Dov Hos (Sekretär des Londoner politischen Büros des Weltverbandes Poale Zion), ergriff auf der Konferenz ebenfalls das Wort und beglückwünschte Herrn Henderson zu seinen ermutigenden Ausführungen über Palästina. Er wies auf die Erklärung des Premierministers Macdonald in Genf hin, daß der Konflikt in Palästina nicht in rassischen oder religiösen Feindschaften begründet sei. Herr Dov Hos umriß in längeren Ausführungen die Regenerationsbewegung des jüdischen Volkes, die die Unterstützung der gesamten zivilisierten Welt, insbesondere der britischen und der internationalen Arbeiterbewegung gefunden hatte, und legte besonderen Nachdruck auf das Prinzip der Nationalisierung des Bodens, das durch den jüdischen Nationalfonds verwirklicht wird. Er wies auf den hohen Standard der Gewerkschaftsorganisation, sowie auf die. ausgedehnte kooperative Tätigkeit der jüdischen Arbeiterpartei in Palästina hin. Die arabischen Feudalen und die Geistlichkeit, fuhr er fort, hatten zuerst im Jahre 1921 versucht, die ungebildeten Massen der Araber aufzuwiegeln, in-

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