Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-10-11 · 41 (11.10.1929) · p. Seite 611

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
41 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
Seite 611 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9176095--09831-9082740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 41 Das Jüdische Echo 611' Das Gebot der Stunde Ein Ruf zur Versöhnung Von Bezirks-Rabbiner Dr. Beermann (Heilbronn) Unsere Weisen stellen einmal die Behauptung auf, daß jedes edle Werk, das mit Märtyrerblut begründet wird, Bestand habe. Durch die tieftraurigen Vorkommnisse in Palästina ist die Aufbauarbeit im Heiligen Lande durch schwere Blutopfer geweiht worden. Man sollte eigentlich meinen, daß der Ruf der Agency, alle Juden zu gemeinsamer Arbeit an diesem Werke zu einen, Gehör finden werde. Nun ist doch mit der Schaffung dieser Organisation der jüdische Palästina-Aufbau einseitiger Parteiwirtschaft entzogen und zur Gemeinschaftsangelegenheit aller entschiedenen Juden gemacht. Die Agency will die jüdische Einwanderung nach Palästina fördern, jüdischen Bauern zu möglichst weitgehendem Erwerb palästinensischen Bodens verhelfen und unter Wahrung der Gewissensfreiheit für die Befriedigung der religiösen und kulturellen Bedürfnisse der palästinensischen Einwohner besorgt sein. Aber der gewaltige Ruf zur Einheit fand keinen einhelligen Widerhall. Der Radikalismus zur Rechten und zur Linken weigert die Gefolgschaft. Und doch ist es ein Gebot der Stunde, allen Schwierigkeiten zum Trotz die jüdische Gemeinschaft zu bewegen, in der Palästinaarbeit nicht zu ermüden und nicht nachzulassen. 1. Denn diese Leistung ist eine religiöse Pflicht gegen das Land der Väter. Israels ganze Geschichte hallt wider von aufopfernder Liebe zu dem Lande, das die Heimat des heiligen Schrifttums, der Psalmisten und der Propheten geworden war. Hierhin wandten sich Esra und seine Getreuen, um auf dem Boden der Väter ein Volksleben im Geiste der Thora zu führen. Hierhin pilgerten im Mittelalter jüdische Dichter und jüdische Denker. Von hier gab die jüdische Mystik dem Gesamtjudentum neue Motive zur Verinnerlichung und Vergeistigung. Und hier soll nun auch jetzt wieder ein neues Zentrum jüdischer Geistigkeit erstehen, dessen wertvolle Befruchtung sich in der Ausgestaltung des Gesamtjudentums später zeigen dürfte. Es ist durchaus übertrieben, wenn man gesagt hat, daß die bisherigen religiösen Erfahrungen im neuen Palästina eher Religionsfeindschaft der Kolonisten als ein Eintreten für die Religion des Judentums aufzeigen. Demgegenüber vergegenwärtige man sich die Neublüte der hebräischen Sprache und Literatur im Heiligen Lande. Das hebräische Wort wird wieder lebendig gesprochenes Volkswort und ermöglicht so einen ganz anderen Kontakt mit der alten hebräischen Literatur. Man denke an die Renaissance der jüdischen Wissenschaften im Heiligen Lande, mit ihren Forschungsinstituten und ihren Zeitschriften. Man denke an die frommen Vereine, an die zahlreichen Talmudhoehschulen mit ihrer stattlichen Lehrer- und Hörerzahl, und man wird berechtigt sein zu der Erwartung, „daß wieder von Zion ausgehen wird die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem“. 2. Aber auch die Ehre des jüdischen Namens verlangt, daß nun das Aufbauwerk nicht im Stiche gelassen wird, wo sich Schwierigkeiten und Gefahren zeigen. Gewiß ist die von ' Arabern drohende Gefahr nicht zu unterschätzen und es wird viel Takt und viel Umsicht nötig sein, gehässige Leidenschaft auf der Gegenseite so zu dämpfen, daß Blutvergießen, wie wir dies in den letzten Wochen erleben mußten, zu den Unmöglichkeiten gehören. Allein bei gutem Willen wird es sich ermöglichen lassen, zwischen Arabern und Juden ein gegenseitiges Verstehen anzubahnen und in gewissem Umfang auch eine Interessengemeinschaft zwischen beiden zu bewirken, so daß die Aufbauarbeit allgemach wieder in ein ruhiges Geleise kommt. Frei-, lieh, ohne Rückschläge und Schwierigkeiten wird auch diese schwere und große Aufgabe nicht zu lösen sein. Unsere Hasser und Feinde könnten uns leicht Mangel an Idealismus und gar zu kühle Berechnung vorwerfen, wenn wir nichtzionistischen Juden unser Geld von einem Werke zurückhalten, für das die zionistischen Brüder ihr Leben lassen. Schon der antisemitische Stöcker hat ja gespöttelt über jene Juden, die lieber in der Jerusalemer Straße Berlins, als in den Straßen von Jerusalem wohnen. Gewiß haben wir deutsche Juden die Pflicht, unsere verfügbaren Geldmittel auch zum Aufbau des verarmten deutschen Vaterlandes zur Verfügung zu stellen, aber genau so, wie evangelische und katholische Christen die Anliegen ihrer Glaubensgenossen im Auslande fördern und mit ihren Geldopfern nicht zurückhalten, man denke nur an den Gustav- Adolf-Verein, müssen wir deutsche Juden die Palästinasache finanziell unterstützen und uns so unter das alte Psalmenwort stellen: „wenn ich Dein vergesse Jerusalem, dann vergesse mich meine Rechte“. 3. Hier mitzutun ist auch eine Pflicht gegen die jüdische Einheit, denn das Palästinawerk schlingt eine neues Band der Einheit um alle Juden. Zum Aufbau des Heiligen Landes haben sich Juden aller Länder zusammengefunden, da dürfen auch wir deutschen Juden, welcher Richtung wir auch angehören, nicht Zurückbleiben. Auch die Tatsache, daß zur Zeit England die Mandatarmacht Palästinas ist, darf uns davon nicht zurückhalten, denn unsere Gelder, die wir der Agency zur Förderung des Palästinaaufbaus geben, dienen nicht Englands Sonderinteressen, sondern der Neublüte des Heiligen Landes. Und daß sie nicht zionistischen Parteimachinationen zugute kommen, dafür ist schon dadurch gesorgt, daß in dem wichtigsten Organ der Agency, im Exekutivkomitee, auch eine Anzahl Nichtzionisten Sitz Cafe Wintergarten Franz Schnabl Vollständig renoviert (mit Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags - Konzert Abends Tanz Kapelle Jose Zangelas Zivile Preise Kein Weinzwang Kein Eintritt Tassen und Portionen Katlee werden verabreicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.