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Das jüdische Echo · 1929-10-04 · 40 (4.10.1929) · p. Seite 600

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
40 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
Seite 600 (sequence 17)
Language
German
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600 Das Jüdische Echo Nr. 40 11 IMIIII II llllll III | Feuilleton 11 .JI.1J..J.I! 1 Schomrons Stunde ist gekommen Von Prof. Jos. K1 a Jener Tag, an dem es mir vergönnt war, mit einer Gruppe von Schriftstellern und Mitgliedern des Nationalfonds-Direktoriums die neugekauften Böden des NF., die Chawereth-Ebene zu besuchen, war einer der glücklichsten Tage meines Lebens. Als die ersten jüdischen Kolonien im Lande gegründet wurden, gab ein guter Geist unsern Vorkämpfern den Gedanken ein, daß in allen drei Bezirken Palästinas Böden gekauft werden müssen: in Jehuda, in Schomrom und im Galil. Während jedoch in Judäa, in der Umgebung Jaffas, bereits in den achtziger Jahren zahlreiche Kolonien entstanden, und während auch in Obergaliläa bald vier Kolonien gegründet wurden, hatte Samaria nur eine große Kolonie aufzuweisen: Sic hron -Jakob. Erst mehrere Jahre nachher kamen die Nachbarsiedlungen Bath-Sche- 1 o m o und Meir Schefeya, sowie Ched e r a hinzu, und erst in den letzten Jahren wurden B e n j a m i n a und Givath-Ada gegründet. Und während der größte Teil des Emek in die Hände des Nationalfonds überging, während um Tel-Awiw herum Dutzende von Siedlungen - entstanden, und während sich auch im Galil Kolonien und Kewuzoth vermehrten, blieb Schomron der jüdischen Besiedlung fast gänzlich verschlossen. # Und dabei ist Samaria die Perle der palästinensischen Landwirtschaft. Seit jeher ist es seiner Fruchtbarkeit und seines Reichtums wegen berühmt. Ist auch Samaria landschaftlich nicht so schön wie die Gegend um Jerusalem und der obere und untere Galil, so ist es doch ertragreicher als alle anderen Bezirke. Selbst den Namen des Stammes, der Schomron bevölkerte, Ephraim, leitet die Thora (Gen. 41; 52) von „hafraa“, „fruchtbar sein lassen“, ab. Und im Segen Mosis (Deut. 33; 13—14) heißt vom Erbgebiete Ephraims: „Von Gott gesegnet ist sein Land; „Das Herrlichste, was vom Himmel droben stammt „und aus der Wasserflut, die drunten lagert; „Das Herrlichste, was die Sonne hervorbringt, „und das Herrlichste, was die Monde sprossen lassen.“ Und in der Tat, in ganz Palästina gibt es keine Täler, weiter und fruchtbarer als die zwischen den Bergen Ephraims. Nicht ohne Grund war Sichern eine der ältesten und meistentwickelten Städte. Nicht ohne Grund gelangte das ganze Königreich Schomron zu seiner außergewöhnlichen ökonomischen Blüte, die vielleicht auch der Anlaß für die Prachtliebe der Ephraimiten war und für ihre Sucht, den Norden, Tyrus und Zidon, nachzuahmen; aber gerade Schomron war auch die Geburtsstätte von Elijahu, dem großen Eiferer, von Elisa, seinem Schüler, und von den ersten Propheten Hosea und Arnos. „Die Krone des Stolzes“ (Jes. 28; 1.) trugen die Ephraimiten _ auf dem Haupte, weil ihr Land ein „Tal des Öles“ war, fett und fruchtbar und gottgesegnet. Und gerade in diesem Bezirke besaß der neue Jischuw nur so wenig; und auch dies Wenige, außer Chedera, war mit dem Gelde einer bedeutenden Einzelpersönlichkeit, des Barons Edmund von Rothschild, erworben worden und nicht u s n e r (Jerusalem) durch die vereinten Bemühungen des ganzen Volkes. Es war daher an der Zeit, auch in Schomron etwas Großes zu leisten, etwas, was sich den Leistungen in Judäa und Galiläa und besonders im Emek an die Seite stellen ließe. Glücklich müssen wir uns preisen, daß dieses Große tatsächlich durch den Nationalfonds geleistet worden ist, und zwar gerade während des Stillstandes unserer Kolonisationsarbeiten. Denn bereits mehr als zwei Jahre liegt unsere Ansiedlungsarbeit fast gänzlich still. Die Gründe dafür sind mannigfache: die schwierige Finanzlage der Zionistischen Organisation, die Unterbrechung der Einwanderung, und anderes mehr. Aber die Tatsache bleibt bestehen: Wenn wir auch während der letzten zwei Jahre aus der schweren Krisis, die nach der vierten Alijah über uns hereinbrach, glücklich herausgekommen sind, so sind wir doch in der landwirtschaftlichen Ansiedlung nur sehr wenig vorwärts gekommen. Und in diesen schweren Zeiten hat es der N.F. trotz heftiger Widerstände gewagt, das Große zu vollbringen: er hat das Gelände der Haifa-Bucht und 48 000 Dunam von den Chawareth-Böden erworben. Über die Bedeutung der Haifa-Bucht braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Dies ist das erstemal in der Geschichte unserer Neuansiedlung, daß nicht nur eine bedeutende Bodenfläche in den Besitz des jüdischen Volkes übergegangen ist, sondern etwas, was noch wichtiger ist als Boden: ein Stück Meeresküste; und dieser Küstenstreifen befindet sich in unmittelbarer Nähe der zukunftsreichsten Stadt Palästinas. Hier hat sich das jüdische Volk einen Besitz erworben, der im Zusammenhang mit dem Bau des Haifaer Hafens und mit Haifa als Kopfstation der Iraker Erdölleitung weit wichtiger werden kann, als wir es heute ahnen können. Der Zukunftswert dieses Erwerbs ist unermeßlich viel höher als sein heutiger Preis; und seine Bedeutung wird in dem Maße steigen, in dem die Entwicklung Haifas und die Verknüpfung Schomrons mit dem Seehandel weiter gehen wird. Das wichtigste ist aber dabei, daß diese Haifa-Bucht-Böden nicht nur jüdischer Besitz, sondern Besitz des ganzen jüdischen Volkes geworden sind. Alle Regierungen, große wie kleine, mühen sich heute mit dem Problem ab, Böden von besonderer staatlich-öffentlicher Bedeutung zu „nationalisieren“, d. h. dem Verfügungsrecht des einzelnen zu entziehen. Hier aber, in der Haifa-Bucht, ist der Boden von vornherein nationalisiert; und alle künftigen Mühen, ihn aus der Privathand in öffentlichen Besitz überzuführen, bleiben uns erspart. Die Bedeutung der Chawereth-Ebene liegt auf anderem Gebiete. Die dort erworbenen 48 000 Dunam bilden einen großen zusammenhängenden Komplex. Der Boden schließt sich an den jüdischen Besitz in Chedera an und zieht der Küste entlang. Er umschließt — eine besondere Seltenheit in Palästina — einen richtigen Fluß, kein Waadi, sondern einen Fluß, der auch in den heißesten Monaten nicht austrocknet: den Alexanderfluß (arabisch: Iskandrunafluß). Bei der Mündung dieses Flusses ins Mittelmeer reicht der Nationalfondsboden abermals an die Meeresküste. In

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