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Das jüdische Echo · 1929-10-04 · 40 (4.10.1929) · p. Seite 596

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
40 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
Seite 596 (sequence 8)
Language
German
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596 Das Jüdische Echo Nr. 40 sehen, die durchglüht sind von einem heiligen Enthusiasmus und die aus diesem Steinboden das Wunder neu schaffen, ein Land, in dem Milch und Honig fließen wird. Ihr besonderes Interesse wandte sie den Frauen- und Kinderfragen, bzw. Erziehungsproblemen zu, und wußte in fesselnder Weise von ihren Erlebnissen und Beobachtungen zu berichten. Herr Vandervelde, der wie seine Gemahlin französisch sprach, führte etwa folgendes aus: Ich ging nach Palästina, dessen Dasein und Leben mir von gewisser Seite in den schwärzesten Farben ausgemalt worden war, mit dem festen Willen, zu sehen, was zu sehen war und mich nicht beirren zu lassen durch vorgefaßte Meinungen. Und was fand ich? Landwirtschaftliche Kolonien, die dem Augenblick entgegensehen, da sie sich aus eigener Kraft werden erhalten können, eine lebendige ausbaufähige Industrie, eine minimale Zahl von Arbeitslosen, Aussicht auf eine baldige größere Neueinwanderung, kurz eine Situation, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. — Die vor kurzem in Palästina ausgebrdchenen Unruhen sind, meiner Ansicht nach, nicht auf religiösen Fanatismus zurückzuführen, sie basieren auf ökonomischen Gründen. Es sind drei Gruppen zu unterscheiden, welche die jüdische Kolonisation feindselig betrachten: 1. Beduinen, die, wie alle Nomadengruppen sich durch den Fortschritt der Technik bedroht fühlen; 2. Latifundienbesitzer, die unter Einwirkung des zionistischen Kolonisationswerkes den von ihnen ausgebeuteten Fellachen höhere Löhne bezahlen und bessere Arbeitsbedingungen schaffen müssen; 3. Niedere Beamte, Geistlichkeit, Bougeoisie der Städte, welche die jüdische Intelligenz fürchten. Die englische Arbeiterregierung hat nicht gezögert, rasch und energisch zu handeln. Man kann zu Männern wie Macdonald und Henderson Vertrauen haben. Die materielle Ordnung ist wieder hergestellt, nicht aber die moralische. Die nächste Zukunft ist voller Drohungen; hier beginnt die sehr wichtige Rolle, welche die Juden in dieser Frage zu spielen haben, insbesondere die Partei der Zu Rosch-Ha-Schono: Unsere gefallenen Gedenkbuch für die im Weltkrieg gefallenen Münchner Juden. Herausgeg-ben von der Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. VERLAG B. HELLER München,Plinganserstr.64 Pr^is RM. 5.- Vorzugsausgabe RM.15.— Deutsche Neuwäschnrei t*. m. b. HL. FELIX BR4XDIER * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23 70b Spezial-Dampfwaschanstalt nur Herren-Stärkwäsche Annahmestelle auch Jägerstr. 16 / Augsburg A. 432 vord. Lech Poale Zion. Der arabische Bauer und Arbeiter muß einsehen lernen, daß Solidarität des Proletariats stärker ist als alle Rassen- und Religionsunterschiede und daß seine wirklichen Feinde die halbfeudalen Effendis sind. Die Arbeit im Lande erfordert außerordentlich viel Beharrlichkeit und Entsagung. Die Chaluzim haben Glauben und Hoffnung. Heute leiden sie und morgen werden sie triumphieren Zum Schlüsse dankte Herr Dr. Ludwig Frank beiden Rednern, die, begeistert für die Idee, ihre Persönlichkeit vollständig in den Dienst der Sache stellen. Die jüdische Bevölkerung in Bayern1 Von Herbert Philippsthal Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Bayern, über die ich eingehend und ausführlich in der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung“ geschrieben habe, hat nach den letzten statistischen Angaben/die mir zur Verfügung stehen, noch keiner veränderten Tendenz Platz gemacht. Die Höchstzahl der Juden mit 60 007 Seelen im Jahre 1833 wird voraussichtlich in den kommenden Jahrzehnten nicht wieder erreicht werden, im Gegenteil wird die Zahl 49 145 im Jahre 1925 bei der bevorstehenden Zählung sich verkleinern, ein Tatbestand, der insbesondere den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden stark berührt. Schauen wir uns die Eheschließungen an, so sehen wir, daß bei den Katholiken und Protestanten die Vorkriegsziffer übertroffen ist, bei den Juden dagegen eine Minderung erfahren hat. Nach dem Religionsbekenntnis wurden an Eheschließenden ermittelt: Religions- Auf 1000 der Bevölkerung bei den bekenntnis 1927 1926 1910 Juden 11,1 10,4 14,3 Katholiken 15,5 14,0 14,2 Protestanten 16,8 15,1 14,9 Sonstigen 19,3 14,3 6,3 Diese Tabelle enthält die dem Religionsbekenntnis Angehörigen, unabhängig, ob sie reine oder Mischehen eingegangen sind. Das Bild wird verdeutlicht durch die folgende Aufstellung: Es wurden ungemischte Ehen geschlossen bei: 1927 % 1926 % 1913 % Juden 232 0,4 225 0,4 389 0,8 Kathol. 36339 62,1 32872 62,4 30655 63,3 Protest. 14130 24,2 12726 24,2 12075 24,9 Sonstigen 165 0,3 126 0,2 41 0,1 Absolut haben hiernach die jüdischen Ehen abgenommen, und zwar von 414 im Jahre 1901 auf 389 im Jahre 1913 bis auf 232 im Jahre 1927, bei den übrigen Konfessionen ist eine Zunahme zu konstatieren. Daß die jüdische Geburtenrate ständig fällt, habe ich in dem angezogenen Aufsatz in der „Gemeindezeitung“ genau dargestellt und dies muß auch für die letzten Jahre als zutreffend behauptet werden. Im Jahre 1881 wurden 1558 jüdische Geburten (die Zahl der jüdischen Geburten ist errechnet aus der Summe der Geburten aus jüdischen Ehen, der unehelichen Geburten von jüdischen Müttern und 20 Prozent der Geburten aus 1 Siehe des Verfassers Artikel in der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung“ Nr. 5 vom 15. März 1928 und im „Jüdischen Echo“ Nr. 29 vom 19. Juli 1929.

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