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Das jüdische Echo · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. Seite 584

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
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584 Das Jüdische Echo Nr. 39 Gemeindenu. Vereins-Echo Sitzung der Gemeindevertretung Donnerstag, den 19. Oktober 1929 Vor Eintritt in die Tagesordnung beglückwünschte zunächst der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rechtsanwalt Dr.Wilmersdörfer, Herrn Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer zu seiner Beförderung zum Rat am Obersten Landesgericht. Zwei wichtige Punkte standen auf der Tagesordnung. Als erster Punkt wurde die Stellungnahme der Gemeinde München zum Hilfswerk in Palästina behandelt. Es wurden einstimmig für das Hilfswerk 5000 RM. bewilligt und folgende Resolution angenommen: „Die israelitische Kultusgemeinde München hat mit schmerzlichem Bedauern von den traurigen Vorfällen in Palästina Kenntnis genommen, die schwere Opfer an Gut und Blut gefordert haben. Wir fühlen herzlich mit den betroffenen Glaubensgenossen und bewilligen zur Linderung der durch die beklagenswerten Ereignisse eingetrefenen Not den Betrag von 5000 RM.“ Herr Justizrat Dr. Straus gab dem Dank für die Zuwendung Ausdruck und hob hervor, wie wir uns durch die schweren Ereignisse selbst mitgetroffen fühlen. Eine ausgiebige Debatte entwickelte sich über den 2. Punkt der Tagesordnung, nämlich über den Antrag des Gesamtausschusses der Ostjuden, eine ostjüdische Synagoge zu errichten. (Siehe Artikel in dieser Nummer!) Von den übrigen Punkten der Tagesordnung sind noch folgende hevorzuheben: Es wurden 10 000 RM. für das Wohlfahrtsamt und 2500 RM. für die Jugendfürsorge nachbewilligt und weiter ein Betrag von 600 RM. als Zuschuß zur Einstellung einer JugendleiteHn bewilligt. Als Schriftleiter für die Gemeindezeitung wird ab 1. Januar 1930 an Stelle des Herrn Rechtsanwalts Dr. Eugen Schmid, der um seine Enthebung gebeten hatte, Herr Dr. Ludwig Feuchtwanger bestellt. Bei Erörterung dieses Punktes betonte Herr Rechtsanwalt Dr. Julius Siegel, man solle bei Gemeindezeitung nicht Neutralität und Farblosigkeit verwechseln, er hoffe, daß die neue Schriftleitung die Zeitung weniger farblos gestalte. Weiter wurde noch die Einstellung von Fräulein Clarisse Levite als Wohlfahrtspflegerin und die Verleihung eines Definitivums an Lehrer Siegfried Glaser beschlossen. Um die ostjUdische Synagoge Seit etwa vier Jahrzehnten existiert in München eine, um die Jahrhundertwende ziffernmäßig erstarkte ostjüdische Kolonie, die anfangs ein von den übrigen Teilen der Gemeinde ziemlich isoliertes Leben führte und insbesondere für ihre religiösen Bedürfnisse selbst sorgte, ohne daß die Verwaltung der Gemeinde sich um diese Dinge im geringsten gekümmert hätte. Es wurden kleine Betstuben eingerichtet — in denen nach altem Ritus und Herkommen Gottesdienste abgehallen wurden — den ärmlichen Verhältnissen der Beteiligten gemäß, von vorneherein zu klein und primitiv waren und die bei der wachsenden Zahl der ostjüdischen Kolonie seit Jahrzehnten schon räumlich völlig ungenügend sind, ganz zu schweigen von der primitiven Gestaltung der Räume und der Einrichtung, die für den Gottesdienst I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten,Kostümstickereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 einer zahlenmäßig großen Gemeinde nicht würdig sind. Es war zweifellos von vorneherein Pflicht der Gemeindeverwaltung, sich um diese Dinge zu kümmern, auch in den Jahren, in denen die Beteiligten selbst es nicht wagten, die Gemeindeverwaltung auf diese Pflicht hinzuweisen. Wenn irgend etwas, so ist die Einrichtung ausreichender Gelegenheit zum Gottesdienst für alle in München wohnenden Juden die erste und wichtigste Pflicht der Kultusgemeinde, die nicht erst zu fragen hat, wo diese Juden zu Hause sind und wieviel Geld sie etwa für ein Gotteshaus geben können. Vor etwa zehn Jahren gelang es durch einen günstigen Zufall der größten Organisation (den zusammengeschlossenen Vereinen: Linath-Hazedek und Agudath-Achim), für diese Zwecke ein Haus zu erwerben, das heute einen Erlös von etwa RM. 100 000.— erwarten läßt. Die mit dem Erwerb des Hauses eingeleiteten Bemühungen zur Errichtung einer Synagoge wurden durch die szeit unterbrochen. Seither sind auci uicsc jucsiicijuiigen nicht zur Ruhe gekommen, denn das Bedürfnis wird immer drängender. Waren die Räume von vorneherein kaum zureichend, so sind sie inzwischen - für die stark gewachsene Gemeinde und für eine in München heranwachsende Generation besonders bei dem Andrange an den hohen Feiertagen von einer gesundheits-, wenn nicht lebensgefährlichen Enge. Noch schlimmer aber ist, daß überhaupt keine Möglichkeit besteht, die Jugend während des Gottesdienstes unterzubringen, so daß deren religiöse Erziehung aufs schwerste gefährdet erscheint. Dies alles ist der Gemeinde bekannt. Ein Bauplan zum Umbau dieses Hauses wurde von der Gemeindeverwaltung als ungeeignet abgelehnt. Ein positiver Vorschlag ist von der Gemeinde an Stelle des abgelehnten niemals gemacht worden, wie überhaupt festgestellt werden muß, daß die Gemeindeverwaltung jegliche Initiative, die durchaus ihre Pflicht wäre, in dieser Sache hat fehlen lassen, während die ostjüdischen Organisationen immer wieder mit den verschiedensten Projekten an die zuständigen Stellen herangetreten sind. Es lastet auf der Leitung der Gemeindeverwaltung sowohl als auch auf der Leitung der betreffenden Bethausvereine eine ungeheure Verantwortung. Die Überfüllung der Betsäle, besonders des Betsaales in der Reichenbachstraße, ergeben Zustände, die allen Erfordernissen der Hygiene und Sicherheit Hohn sprechen und daß bis heute kein ernstlicher Unfall vorgekommen ist, berechtigt die Gemeindeverwaltung nicht zu der Ruhe, mit der sie eine Abstellung der bestehenden Mißslände von sich weist. Die ostjüdischen Organisationen, ihrer Verantwortung und der Dringlichkeit ihrer Aufgabe bewußt, haben, um die ganze Angelegenheit endlich grundsätzlich zu entscheiden und vorwärtszubringen, durch ihre Vertretung in der Gemeindeverwaltung dort den Antrag gestellt, daß die Gemeinde dem notwendigen Synagogenbau ihre Mitwirkung bei der Finanzierung zusichert, wobei die ostjüdischen Gemeinden selbst außer ihrem Haus eine Barleistung von RM. 50 000.—, insgesamt also annähernd die Hälfte der Gesamtkosten zur Verfügung stellen. Es ist dies für eine im wesentlichen aus sehr wenig bemittelten Kreisen zusammengesetzte Gemeinde eine sehr hoch einzuschätzende Leistung. Der Antrag wurde von den Herren David Horn und Paul Grünbaum als den ostjüdischen Vertretern in der Verwaltung begründet, für die orthodoxe Fraktion von Herrn Justizrat Dr. Feuchtwanger grundsätzlich gebilligt und von der zionistischen Partei befürwortet. Die liberale Partei, zunächst durch Herrn R.-A. Werner vertreten, verhielt sich im wesentlichen ablehnend und begnügte sich mit unverbindlichen freundlichen Äußerungen mit

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