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Das jüdische Echo · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. Seite 585

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
Seite 585 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 585 Rücksicht darauf, daß die Gemeindefinanzen unmittelbar die Beschaffung der nach dem Antrag nötigen Mittel schwierig erscheinen läßt. Um dieses Argument der liberalen Partei zu entkräften, stellte Herr Lichtenauer dann namens der zionistischen Fraktion folgenden Antrag: „Die israelitische Kultusgemeinde erkennt an, für die religiösen Bedürfnisse der ostjüdischen Gemeinde Sorge tragen zu müssen und unterstützt die zur Befriedigung dieser Bedürfnisse notwendigen Bestrebungen zu Errichtung einer ausreichenden und würdigen Synagoge. Zu diesem Zweck wird ein Betrag von vorerst RM. 50 000.— bewilligt.“ Zu dessen Begründung führte Herr Lichtenauer aus, daß zunächst die prinzipielle Notwendigkeit des Synagogenbaus anzuerkennen sei und wenn der ganze erforderliche Betrag jetzt nicht bereitgestellt werden kann, zumindest der Beginn eines Synagogenbaufonds jetzt geschaffen werden muß, um überhaupt Aussicht auf den Bau zu haben. Nachdem nun die Liberalen vergeblich versucht haben, mit Geschäftsordnungsgründen die Behandlung des Antrages Lichtenauers zu verhindern und Herr Rechtsanwalt Werner zunächst den finanziellen Teil des Antrages bekämpft hat, erklärt Herr Justizrat Heilbronner mit erfreulicher Offenheit, daß er und ein Teil der Liberalen den Bau einer Synagoge für die Ostjuden sowohl für jetzt als auch für später (!) ablehnen und allenfalls Unterstützung bei Miete eines Lokals bewililgen würden. Die durch Herrn Justizrat Heilbronner vertretenen extremen Liberalen sind also offenbar der Meinung, daß die Kultusgemeinde zwar eine große kostspielige Synagoge mit großen Mitteln erhalten und erneuern muß, die sehr wenig besucht wird, daß sich aber die Kultusgemeinde nicht darum zu kümmern hat, daß Tausende von Gemeindemitgliedern keine nur halbwegs erträgliche Möglichkeit für den Gottesdienst finden. Ich muß gestehen, daß diese Stellungnahme mich außerordentlich überrascht. Ich habe immer begriffen, daß von dieser Seite grundsätzlich national jüdische Postulate oder auch solche, die als nationaljüdisch aufgefaßt werden, abgelehnt werden. Daß es aber einen „liberalen“ Standpunkt gibt, der die Sorge für rein religiöse Bedürfnisse, deren Dringlichkeit unbestreitbar ist, deswegen ablehnt, weil es sich um Gemeindemitglieder handelt, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wohl auch nicht die Zuneigung der extremen Liberalen, das hätte ich bis heute nicht für möglich gehalten. Es ist wirklich schwer zu verstehen, worin das Judentum dieser Richtung überhaupt besteht, wenn sie es für angemessen hält, auch in Fragen, die nichts anderes als rein religiös sind, jede Entwicklung zu verhindern. Diese liberale Gruppe wird Gelegenheit erhalten, in größerer Öffentlichkeit als dieser Gemeindestube ihren Standpunkt bekanntzugeben. Es erscheint unerläßlich, daß die gesamte Judenheit Münchens zu diesen Dingen Stellung nimmt und Klarheit darüber geschaffen wird, ob es in ihrem Sinne ist, daß religiöse Erfordernisse von derart unaufschiebbarer Dringlichkeit aus unerklärlichen Parteigründen unerledigt bleiben. Die Ostjuden Münchens können in den bisherigen Beträumen ihre Gottesdienste nicht mehr für lange Dauer abhalten. Eine Änderung der bestehenden Zustände ist u n - aufschiebbar. Die Kultusgemeinde wird trotz der Ablehnung durch die Verwaltung ihre Pflicht tun und auf Beendigung der unhaltbaren Zustände mit aller Energie hinwirken müssen. Die ostjüdischen Organisationen dürfen diese Angelegenheit keineswegs durch den Beschluß der Gemeindeverwaltung als erledigt gelten lassen, sondern werden die Schaffung des unentbehrlichen Bethauses unaufhörlich weiter zu betreiben haben. Jakob Reich. Hebräische Sprachkurse München. Die zweite Hälfte des Sommersemesters hat bereits begonnen. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen, außerdem > begann ein neuer Anfängerkurs, der jeden Dienstag von 9.30 bis 10.30 und jeden Donnerstag von 9 bis 10 Uhr abgehalten wird. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, von 3 bis 6 Uhr (Telephon 2 97 4 49) anzumelden. Gesuche um Ermäßigungen sind zu Händen des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, zu richten. Der neue Stundenplan ist folgender: Mo 7.30-9 Uhr Kurs V - 9—10 Uhr Kurs II - Di 5-6 Uhr Kinderkurs III 7.30-8.30 Kurs IV 9.30-10.30 Kurs I - Mi 4.15-5.15 Kinderkurs I 5.15—6.30 Kinderkurs II 7.30-8.30 Kurs V - Do 7-8 Uhr Kurs IV 8-9 Uhr Kurs I 9-10 Uhr Kurs II - Sämtliche Kurse finden abends statt. Ein iungzionistischer Arbeitskreis in München. Die Arbeit der Zionistischen Ortsgruppe bietet wenig Raum für eine spezifisch jugendliche Betätigung: es erscheint deshalb die Zusammenfassung sämtlicher jungen Zionisten Münchens in einer besonderen, wenn auch lockeren Organisation geboten. Zur Vorbereitung einer solchen und zur Aussprache über sämtliche damit zusammenhängenden Fragen (Gestaltung, Programm usw.) findet am Mittwoch, 2. Oktober 1929, abends 8.30 Uhr, im Heim des K.J.V. eine Besprechung statt, zu der alle Interessenten herzlichst eingeladen sind. Siehe auch die Anzeige in dieser Nummer. Palästina-Amt München. Am 25. September passierten 30 Chaluzim und Chaluzoth München auf dem Wege nach Palästina, von denen 18 in den Kibbuz Cheiruth eintreten werden. Jüdischer Jugend-Verein München. Der Ausflug am'Sonntag, dem 29. September, findet zugunsten der Mendelssohnfeier der Gemeinde nicht statt. Wir erwarten, daß sämtliche Mitglieder geschlossen erscheinen. Karten sind im Gemeindebüro evt. auch noch an der Tageskassa zu haben. Liebenswürdigerweise hat uns die Gemeinde eine kleine Anzahl Karten für die Tonhalle zu den Feiertags-Gottesdiensten zur Verfügung gestellt. Die Karten sind bei Herrn Dr. Keßler, Wagmüllerstraße 20/0 1., oder am Vereinsabend am 3. Oktober im Lessingsaal abzuholen. Donnerstag, den 3. Oktober, findet ein Kammermusikabend unter Leitung von Herrn Dr. Waldner im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, um 8.30 Uhr statt. Programm: Beethoven: Kakadu-Variationen für Klavier, Violine und Cello. Mozart: Sonate A-Dur. Brahms: Trio im C-Moll, op. 101. Donnerstag, den 10. Oktober: Frau Clementine Krämer: „Jüdische Frauenfragen der Gegenwart“. Bibliotheksaal. Beginn: 20.30 Uhr. Weitere Ausflüge finden vorläufig der Feiertage wegen nicht statt.

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