Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 39 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- Seite 583 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9176089--09799-9082708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 39 583 Das Jüdische Echo Besuchen Sie Fischers KonditoreUCafe Grünwald im Isartal Fernsprecher 791 5 50 Der moderne Erweiterungsbau (Architekt Fritf Zimmer) mit herrlichen Terrassen ist soeben eröffnet worden. Grol|er neuangelegter Autoparkplaf| wurde vom Präsidenten des Administrativkomitees der Jewish Agency, Herrn Felix M. Warburg, ersucht, sich als der Juris Consul der Jewish Agency nach Palästina zu begeben, um an den Untersuchungen der Ursachen der letzten tragischen Ereignisse teilzunehmen. Eine Million Dollar für den Palästina-Hilfsfonds in Amerika N e u y o r k , 19. September. (JTA.) Am 14. September waren in den Vereinigten Staaten für den Palästina-Hilfsfonds 966 000 Dollar aufgebracht worden. Inzwischen ist die Million Dollar überschritten worden. In 500 jüdischen Gemeinden Amerikas wird für den Fonds gesammelt. Dr. Charles L. Debow, Geistlicher der Ersten Methodistenkirche in Neuyork, hat an die Christen Amerikas einen Aufruf erlassen, für den Palästina-Hilfsfonds zu spenden. Aus der jüdischen Welt Das „Deutsche Adelsblatt“ wegen Beleidigung Arnold Zweigs verurteilt Berlin, 18. September. (JTA.) Vor dem Berliner Gericht fand heute eine Verhandlung gegen den verantwortlichen Herausgeber des „Deutschen Adelsblattes“ statt, das in einer Besprechung des berühmt gewordenen Romans von Arnold Zweig „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ behauptet hat, Zweig habe die „gemeinsten Beschimpfungen“ gegen „unser Volk und unseren Krieg“ ausgesprochen; man dürfe sich „im eigenen Hause von einem ungebetenen Gast nicht beleidigen lassen“; „unsere mit dem Tode von zwei Millionen unserer besten Brüder rein erhaltene soldatische Ehre dürfe nicht von einem asiatischen Schmutzfinken besudelt werden“; ein solcher Mann dürfe nicht „unangefochten unsere Luft atmen und unser Brot essen“. — Die Staatsanwaltschaft hatte Offizialanklage erhoben, der Arnold Zweig als Nebenkläger beitrat. Seine Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Klee. Das Gerichte erkannte auf eine Geldstrafe von 600 RM., eventuell 60 Tage Gefängnis, auf Tragung sämtlicher Kosten, auf Konfiskation der betreffenden Nummer des Adelsblattes und auf Unbrauchbarmachung der Platten. Abbruch des Halsmann-Prozesses Wien, 21. September. (JTA.) Der Halsmann- Prozeß vor dem Innsbrucker Geschworenengericht wurde heute auf Gerichtsbeschluß abgebrochen und bis zur nächsten Schwurgerichtssession vertagt, um der medizinischen Fakultät Gelegenheit zu der Überprüfung' ihres Gutachtens zu geben, das in wissenschaftlichen Kreisen stark angegriffen worden war. Die Verkündigung dieser Entscheidung löste tiefe Bestürzung bei der Verteidigung, den Geschworenen und bei allen aus, die dem Prozesse beiwohnten. Der Angeklagte konnte sich nur mit Aufgebot aller Willenskraft. beherrschen. Oberrabbiner und Herrenhausmitglied Koppel Reich 92iährig verstorben Budapest, 23. September. (JTA.) Im Alter von 92 Jahren verstarb nach vierwöchigem Krankenlager am Sonntag in Budapest der über die Grenzen Ungarns hinaus bekannte Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde Budapests und Mitglied des Oberhauses Koppel Reich. Die heute in Budapest stattgefundene Bestattung gestaltete sich zu einer grandiosen Trauermanifestation der orthodoxen Judenheit Ungarns. Schwere antisemitische Ausschreitungen in Rumänien Bukarest, 19. September. (JTA.) Die von Professor Cuza geführte, in der „Christlichen Liga“ vereinigte Studentenschaft, die in den letzten Tagen in Putna (Bukowina) einen Kongreß abhielt, hat schon bei Beginn und während des Kongresses die jüdische Bevölkerung von Putna und Umgebung in furchtbarer Weise terrorisiert. Ihren Höhepunkt erreichten die Ausschreitungen nach Schluß des Kongresses, als die Teilnehmer die Heimreise antraten. Auf den Bahnhöfen in Putna und Radautz wurden alle jüdischen Reisenden beschimpft und verprügelt. Es spielten sich sehr turbulente Szenen ab. Als die Züge sich in Bewegung setzten, wurden nach und nach alle jüdischen Reisenden, besonders diejenigen, die den Schnellzug Czernowitz—Bukarest benutzten, aus dem Abteil geworfen. Morris Hillquit Vorsitzender der amerikanischen Sozialistischen Partei Neuyork, 19. September. (JTA.) Morris Hillquit wurde an Stelle des verstorbenen Victor Berger zum Vorsitzenden der Sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten gewählt. Die Wahl Hillquits erfolgte an seinem 60. Geburtstag. An diesem Tage gaben die Führer des amerikanischen Sozialismus ihm zu Ehren ein Diner. Von Führern des Sozialismus in Europa, so auch von Philip Snowden und anderen Mitgliedern der britischen Regierung langten Botschaften ein, in denen Hillquit zu seinem 60. Geburtstag und zu seiner neuen Führerschaft beglückwünscht wurde. Hillquit, der — wie sein Vorgänger Victor Berger — Jude ist, wurde in Riga geboren, studierte Rechtswissenschaft in Neuyork und schrieb eine Anzahl Bücher über Sozialismus. 1917, als sozialistischer Kandidat auf den Bürgermeisterposten von Neuyork, vereinigte er auf sich 145 000 Stimmen.