Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- Seite 569 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Safed 2× ep/1046078
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 569 durch die jüdischen Viertel Hebrons, schmissen Steine in die jüdischen Wohnungen und versuchten in die Häuser einzudringen. Es wurden trotzdem keinerlei Maßnahmen getroffen, um die Juden in Schutz zu nehmen. All das spielte sich vor den Augen der Regierung ab, an die sich die Juden vergebens um Hilfe wandten; das spielte sich vor den Augen der Polizei ab, die ihre Schußwaffen abgelegt hatte und nur Stöcke trug. So kam das Massaker mit dem Ergebnis, daß 63 Juden, unter ihnen Frauen und Kinder, Rabbiner und Studierende in einer Weise abgeschlachtet wurden, wie dies in der Geschichte Palästinas seit der Zerstörung des jüdischen Tempels nicht mehr vorgekommen ist. Ein paar Schreckschüsse in die Luft hätten genügt, um all den Unruhen ein sofortiges Ende zu bereiten. Elftens: Nach einer vollen Woche des Blutvergießens und der Unruhen im Lande wiederholten sich die Schrecknisse von Hebron in der Stadt Safed. Der jüdische Teil der Stadt wurde ausgeplündert, niedergebrannt, dessen Bewohner dem Schwerte ausgeliefert. Die nach tausenden zählende jüdische Bürgerschaft von Safed wurde von der Regierung ohne Schutz und Hilfe gelassen. Zwölftens: Eine große Reihe weiterer Morde und Zerstörungen wurde in den Städten und in den Kolonien verübt, so der Angriff auf Beth Schan, die Angriffe auf Tel-Awiw und Haifa, Überfälle auf die Siedlungen im Süden des Landes., die Zerstörung der Kolonie Beer Tobiah (Kastiniah), die Niederbrennung von Ekron, Artuff, Hulda und Kfar Uriah. Darauf folgte der Massenangriff auf Gederah, die Abschlachtung der Juden in Safed, die zunehmende Bedrohung im nördlichen Galiläa und den Siedlungen des Jordan- Tales wie im Unteren Galiläa, wo ein großer Teil der Ernte niedergebrannt wurde. Dreizehntens: In Ansehung der Sachlage und der Gefährdung der ganzen jüdischen Siedlung war es die erste Pflicht der Regierung gewesen, die Hände jener Männer zu stärken, die sich in dieser ernsten Gefahr befanden und ihnen die Mittel zur Selbstverteidigung zu geben, sowie die Erlaubnis, das Selbstverteidigungssystem so auszubauen, daß kein unnützes Blut weiter fließt und die Arbeit von Generationen nicht weiter den Flammen übergeben werde. Aber das Gegenteil trat ein: die sich verteidigenden Juden wurden von den Behörden mißhandelt und verfolgt, die Waffen, mit denen sie sich gegen die Angreifer verteidigten, wurden ihnen abgenommen, sie wurden verhaftet und den Gerichten übergeben, als wären sie Verbrecher. Vierzehntens: Die Regierung sperrte den Telephonverkehr zwischen den verschiedenen Städten im Lande. Von diesem Verbot wurden nicht allein Einzelpersonen, sondern auch öffentliche Institutionen schwer betroffen; den Kolonien war die Möglichkeit genommen, sich an die Regierung um Hilfe zu wenden. Für die nach dem Ausland abgesandten Telegramme wurde eine strenge Zensur eingeführt. Die Zeitungen durften nicht erscheinen, auch jene nicht, die bemüht waren, den Frieden herzustellen. Alle diese Maßnahmen waren dazu angetan, die Gefahr für die Juden und den antijüdischen Terror zu verstärken. Die Juden sahen sich in ihrer bedrohten Lage abgeschnitten von aller Welt, ohne die Möglichkeit, die Hilfe der Freunde in der Welt anzurufen oder den Gerüchten und Verleumdungen, die gegen sie innerhalb und außerhalb des Landes ausgestreut wurden, entgegenzutreten. Fünfzehntens: Mitten in unsere friedliche Arbeit hinein, in unser Aufbauwerk, unsere kulturellen Anstrengungen, die niemand zu Leide waren, keiner Gemeinschaft irgendein Unrecht Zufügten, sind Banden verhetzter, verwildeter Menschen geworfen worden,, die das Blut von Hunderten von Juden vergossen, mit unerhörter Grausamkeit kleine Kinder töteten, Frauen abschlachteten, sie vergewaltigten, ihnen einzelne Gliedmassen abschnitten, Thora-Rollen entweihten, Synagogen plünderten und niederbrannten und große Werte zerstörten, die das Ergebnis größter Anstrengungen der gesamten jüdischen Welt darstellten. Während voller zehn Tage war der Jischuw einem Zerstörungswillen ausgesetzt, und noch heute ist er in Gefahr. Obwohl die Folge der Ereignisse jetzt klar übersehen werden kann, versucht es die Regierung noch immer in ihren offiziellen Statements die Sache so darzustellen, als ob es sich um einen Kampf zwischen zwei Nationen handelt, wobei es nicht klar ist, wer der Angreifer und wer der Angegriffene ist. In diesem Versuch, die Wahrheit der Geschehnisse zu verzerren, sehen wir den Willen, nachdem man unser Leben preisgegeben hat, auch noch unsere Ehre anzutasten, sowie die Tendenz, die öffentliche Meinung in der ganzen zivilisierten Welt irrezuführen, obwohl doch die Welt weiß, daß wir den religiösen Überzeugungen anderer mit Achtung und Friedenswillen gegenüberstehen. Dieses Attentat auf die Wahrheit bildet den Höhepunkt der blutigen Aktionen und der Tendenzen der Zerstörung, die dank der heroischen Selbstverteidigung der Juden PBLZMODB/V BERNHARD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRÄSSE 3 KÄUFINGERSTRÄSSE 25 BRIENNER STRÄSSE 8