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Das jüdische Echo · 1929-09-20 · 38 (20.9.1929) · p. Seite 566

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
Seite 566 (sequence 8)
Language
German
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566 Das Jüdische Echo Nr. 38 Viertens: Die Regierung hat vor dem Ausbruch Maßnahmen getroffen, die den Moslemiten das Recht gaben, zu glauben, daß die Regierung auf ihrer Seite steht, ihre Verdächtigungen teilt und ihre Bewegung unterstützt. Die Regierung gestattete eine Kundgebung der Moslemiten an der Klagemauer, als ob es in Wirklichkeit Juden gäbe, die sich mit dem Gedanken tragen, die Omar-Moschee anzugreifen. Die Regierung gab ein offizielles Statement heraus, in welchem die Massendemonstration der Araber an der Stätte der jüdischen Andacht auf eine Stufe gestellt wurde mit der Kundgebung einiger hundert junger Juden am 9. Aw, dem nationalen Trauertag der Juden. Während die jüdische Kundgebung nicht eine einzige Person belästigte, hat die Demonstration der Moslemiten die religiöse Stätte der Juden entweiht, indem die Juden terrorisiert, Gebetbücher verbrannt und religiöse Utensilien vernichtet wurden. Kein einziger Moslemite wurde wegen dieser strafbaren Handlungen festgenommen; die Regierung machte in ihrem offiziellen Statement den Versuch, diese Handlungen zu entschuldigen und ihre Bedeutung herabzumindern. Fünftens: In den ersten Tagen der blutigen Ereignisse war der ganze angegriffene Jischuw ohne jeden Schutz seitens der Regierung. Meist kam die Polizei zu spät, in vielen Fällen war sie passiver Zuschauer und mischte sich nicht ein. Auf alle Warnungen des Jischuw, auf jeden Hilferuf hatte die Regierung nur die eine Antwort: Wir beherrschen jetzt die Lage. Sechstens: Wir haben jetzt das Gefühl, daß wenn drastischere Maßnahmen angewandt worden wären, es möglich gewesen wäre, den blutigen Aufruhr sofort einzudämmen. An dem berühmten Freitag, dem 23. August, hat die Regierung solche Maßnahmen nicht ergriffen. Der Aufruhr in Jerusalem hatte zu Anfang nur den Charakter eines lokalen Zwischenfalles, als ob man herausbekommen wollte, wie die Haltung der Regierung gegen die Angreifer sein würde. Nach dem Freitag-Gebet in der Moschee, als die Beter den Ort ihrer Andacht verließen, fingen sie mit isolierten Handlungen gegen die Juden an, dann erst gingen sie zu Schießereien, Messerstechereien, Steinbombarments, Fenstereinschlagen, Überfällen auf einzelne Juden über. Die Regierung tat nichts, um den Angegriffenen Schutz zu gewähren. Einige wenige englische und arabische Polizisten, mit Knüppeln bewaffnet, standen Posten. Die wenigen Maschinengewehre, die in den Straßen verteilt waren, wurden nicht einmal angewendet, um die Angreifer abzuschrecken. Die Polizei unternahm nichts, um die Rädelsführer zurückzudrängen. Nichts wurde unternommen, um den ersten Angriffen zu begegnen; die Massen der Araber zogen daraus sofort den Schluß, daß wenn sie einen ernsthaften Pogrom machen, auf der Seite der Regierung B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Fernruf Nr. 90939 Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 eine Gegenaktion nicht unternommen werden wird. Siebentens: Die Juden selbst unternahmen zu ihrem Schutze, was sie konnten, sie drängten die ersten Angreifer aus eigener Kraft zurück oder indem sie ihre Bereitschaft zur Selbstaufopferung kundtaten. Die ersten Angriffe wurden in den folgenden Plätzen unternommen: Altstadt, Romema, Mea Schearim, Nachlath Achim, Rechawja, Talpijoth, Yemin Mosche, Sanhedrja, Machanajim, Bajitli Wegan, Beth Hakerem, Montefiore, Giwath Schaul, Uscheschunath, Hagurjim. Die Regierung dachte nicht daran, rechtzeitig Hilfe zu schicken, sie schützte nicht einmal das Diskin-Waisenhaus, wo 300 Kinder der Gefahr ausgesetzt waren, abgeschlachtet zu werden. Die Kinder konnten nur durch die Bewohnerschaft der benachbarten Siedlungen gerettet werden. Achtens: Am Samstag, 6 Uhr vormittags, wurden in allen Stadtteilen gleichzeitig Schüsse vernommen. Der Angriff war darauf gerichtet, Kirjath Anawim, Beth Hawraa, Arza, Motza, Attaroth und alle anderen Siedlungen um Jerusalem zu zerstören. In Talpijoth wurden mehrere Häuser geplündert, ebenso in Mekor Chajim, Bajith Wegan und Newej Schaanan; es wurde auch versucht, diese Siedlungen niederzubrennen. Die Stadt Jerusalem wurde hauptsächlich durch die heroische Haltung der juden gerettet; ohne diesen Heroismus hätten wir in Jerusalem ein gleiches Massacre gehabt, wie in Hebron und in Safed. Bei dieser Gelegenheit soll den Oxforder Studenten und einigen britischen Beamten, die sich freiwillig der angegriffenen Juden annahmen und die Verteidigung mit Aufopferung führten, Dank und Segen ausgesprochen werden. Aber nicht alle Siedlungen waren in der Lage, selbst ihre Verteidigung in die Hände zu nehmen. Einige wurden geräumt, wie z. B. Bajith Wegan. Die Arbeiterinnen-Siedlung in der Nähe des neuen Palastes des Oberkommissars wurde geplündert und zerstört; die Bewohnerinnen der Siedlung kämpften so lange, bis sie ihre Kräfte verließen und sie ihre Siedlung verlassen mußten, wodurch der Weg zu Talpijoth den plündernden Banden geöffnet wurde. Die Dreistigkeit der Angreifer und ihr Appetit nahmen immer mehr zu, sie erweiterten das Feld ihrer Tätigkeit. Infolge des Mangels einer energischen Aktion seitens der Regierung breiteten sich die Banden von Jerusalem aus über alle Teile des Landes. Neuntens: Die Regierung ließ es zu, daß die Angriffe fortgesetzt werden, und unternahm während aller dieser Taten nicht einen einzigen ernsthaften Versuch zum Schutz unseres Lebens und unseres Eigentums, noch wurden jene, die uns angriffen, irgendeiner Strafe zugeführt. Es wurden keinerlei Schritte unternommen, um das Hab und Gut der Juden zu schützen. Die Regierung hat keine einzige Verhaftung vorgenommen, noch auch einen derjenigen, die die Hauptverantwortung für das Blutvergießen und die Zerstörung von jüdischem Besitz in den verschiedenen Zentren getragen haben, dem Gericht übergeben. Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß die Regierungsbeamten für all das verantwortlich sind, trotzdem sind sie noch immer nicht ihrer Ämter enthoben und dem Arm der Gerechtigkeit ausgeliefert worden. Zehntens: Die Schuld der Beamten ist außerordentlich schwer, wenn man im besonderen die Abschlachtung der Juden in Hebron in Betracht zieht. Am Freitag zogen Scharen von Arabern

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