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Das jüdische Echo · 1929-09-20 · 38 (20.9.1929) · p. Seite 564

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
Seite 564 (sequence 6)
Language
German
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564 Das Jüdische Echo Nr. 38 Lord Passfield drückte seine Anerkennung für die von den Juden Palästinas erzielten praktischen Erfolge aus und sagte, diese Arbeit wirke sich zum Wolile nicht allein der Juden, sondern auch der arabischen Einwohner des Landes aus. Er hoffe darum, daß dieses Werk fortgesetzt werden wird; gleichzeitig erachte er es als seine Pflicht, zu unterstreichen, daß die Entwicklung abhängig sein müsse von der Aufnahmefähigkeit des Landes. Die Regierung gebe sich genau Rechenschaft über die Wichtigkeit der Frage der Sicherheit im Lande; es ist aber einleuchtend, daß keine Regierung in keinem Lande ein absolutes Versprechen geben könne, daß die Ruhe nie gestört werden würde. Aber man dürfe versichert sein, daß die englische Regierung es mit der Aufrechterhaltung der Ordnung in Palästina ernst meine und alles, was in ihrer Kraft liegt, tun werde, um weitere Unruhen zu verhindern. Es ist notwendig, in der Organisation der öffentlichen Sicherheit Palästinas Änderungen eintreten zu lassen. Dies bezieht sich vor allem auf die Polizei, die durch eine Abteilung von 109 speziell für diesen Zweck rekrutierten englischen Polizisten, die bereits aut dem Wege nach Palästina sind, verstärkt worden ist. Weitere hundert Polizisten werden sobald als nur möglich nach Palästina geschickt werden. Was die militärischen Abteilungen betrifft, die im Zusammenhang mit den Unruhen gegenwärtig in Palästina stationiert sind, so läßt sich in dem letzten Moment noch nicht sagen, welche Verwendung sie in der Zukunft finden werden. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß diese Abteilungen das Land erst zu einem Zeitpunkt verlassen werden, in welchem es absolut feststehen wird, daß die Ordnung in jeder Beziehung auch bei ihrer Abwesenheit eine gesicherte sein werde. ln seiner Antwort auf eine Frage eines der Mitglieder der Abordnung erklärte Lord Passfield, er sei nicht in der Lage, zu versichern, daß die Sitzungen der nach Palästina zu entsendenden Untersuchungskommission in Anwesenheit von Vertretern der Presse stattfinden werden. Die Kommission wird selbst die Prozedur ihrer Arbeit bestimmen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Untersuchung eine öffentliche sein wird in dem Sinne, daß sich an ihr Vertreter beider Parteien beteiligen werden. Lord Passfield drückte seine Anerkennung dem Bürgermeister von Tel-Awiw, Herrn Dizengoff, über seine Worte betreffs der jüdisch-arabischen Beziehungen aus und sagte, er hoffe zuversichtlich, daß diese Beziehungen bald wieder angeknüpft werden würden, da von einer friedlichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit von Juden und Arabern die Zukunft Palästinas abhängt. Eine Entschließung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu den Ereignissen in Palästina Berlin, 13. September. (JTA.) Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin widmete ihre erste Sitzung nach den Ferien den Ereignissen in Palästina. Während sich die Versammlung von den Plätzen erhebt, führt Geheimrat Dr. Julius Stern einleitend aus: Wir stehen alle unter dem Eindruck tiefster Erschütterung, die die grauenvollen Vorgänge, die sich auf dem blutgetränkten Boden des Heiligen Landes abspielen, bei uns ausgelöst haben. Als Ausfluß dieser Stimmungen und Empfindungen ist eine von allen Parteien dieses Hauses gefaßte Resolution eingegangen, von der ich wünsche, daß sie nicht ungehört verhallen, sondern daß sie einen lebhaften Widerhall über alle Länder und Meere findet. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: „Die Jüdische Gemeinde zu Berlin beklagt aufs schmerzlichste die Vorfälle im Heiligen Lande, besonders die Opfer an Gut und Blut, die mitten in ihrer friedlichen Aufbauarbeit die Juden in Erez Israel haben bringen müssen. Sie versichert die Judenheit Palästinas im Bewußtsein der Schicksalsgemeinschaft ihres tiefen Mitgefühls; sie wird nach besten Kräften zur Linderung der Not beitragen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erwartet, daß die für die entsetzlichen Ausbrüche Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, für den vollen Ersatz der Schäden gesorgt und künftig die Juden in allen ihren Rechten in Palästina geschützt werden. Jüdische Arbeit in Palästina kann nur in Eintracht zwischen Juden und Arabern durchgeführt werden. Wer immer mitzuarbeiten hat, die Jüdische Gemeinde ruft ihn auf, den Frieden unter den Völkern in Palästina zu schaffen und zu sichern.“ Die Entschließung wird einstimmig angenommen. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Direktor Kareski, nimmt zu dem Beschluß im Namen des Gemeindevorstandes Stellung. „Es ist notwendig, obwohl es eine Selbstverständlichkeit ist, auszusprechen, daß der Vorstand die Empfindungen, wie sie in der eben beschlossenen Resolution zum Ausdruck kommen, restlos teilt, und daß er sich Ihrem Beschluß voll anschließt.“ Dr. Klee stellt dann im Namen aller Parteien den Antrag, eine Summe von 25 000 RM. für Hilfe an die Notleidenden in Palästina zu bewilligen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Staatssekretär Stimson über die Ereignisse in Palästina Antwort an eine arabische Delegation Neuyork, 9. September. (JTA.) Eine Abordnung der Araber in Amerika, die vorgab, die Palestine National League, die New Syrien Party und die Vereinigung moslemitischer junger Männer zu vertreten, erschien beim Staatssekretär Stimson, um ihm darzulegen, daß die Mißachtung des Selbstbestimmungsrechtes der palästinensischen Araber durch die Balfour-Deklaration die Schuld trage an den palästinensischen Wirren. Staatssekretär Stimson ging auf die von den Mitgliedern der Delegation vorgebrachten Einzelheiten nicht ein, sondern hielt an sie die folgende Ansprache; Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, zu Ihnen über die tragischen Ereignisse in Palästina zu sprechen und bin überzeugt, daß Sie ebenso wie die Regierung und alle Bürger der Vereinigten Staaten tiefes Bedauern empfinden über den Verlust so vieler Menschenleben und die Leiden, die diese Vorkommnisse so zahlreichen Bürgern Palästinas gebracht haben. Ich bin erfreut zu hören, daß bald volle Ordnung hergestellt sein wird. Während ich es mir versagen muß, auf Ihre betreffend die Zukunft Palästinas vorgebrachten Ansichten einzugehen, drängt es mich, meiner Überzeugung Ausdruck zu geben, daß der Sache der Zivilisation und dem besseren Verständnis unter den Völkern, Rassen und Religionen nicht

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