Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- Seite 562 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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562 Das Jüdische Echo Nr. 38 Gemeinschaften nach und nach ihre 'Bereitschaft zur Mitarbeit in der Jewish Agency für Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina kundtaten. Als dann der Council der Jewish Agency am 11. August in Zürich zu seiner konstituierenden Tagung zusammentrat, wurde Louis Marshall zum Präsidenten der Tagung und dann zum Präsidenten des Councils gewählt. Der Wirkung seiner Persönlichkeit und seiner sachkundigen Geschäftsleitung ist es zu danken, daß diese Tagung innerhalb der vorgeschriebenen vier Tage erfolgreich beendet werden konnte. Louis Marshall hatte es verstanden, die extremsten Gruppen auch innerhalb des zionistischen Teils des Councils zu einigen, und er war es, der hinsichtlich der Förderung des jüdischen religiösen Lebens durch die Agency jene Formulierung fand, die sowohl Misrachi als auch Poale Zion befriedigte. Der Kraft seiner Argumentation konnte sich niemand entziehen. Louis Marshall, der als Leiter der Tagung des Councils das Bild einer kraftstrotzenden Persönlichkeit bot und dessen Stimme durch den Riesensaal der Tonhalle und alle Nebenräume zu dringen vermochte, war nach Schluß der Tagung infolge der fast ununterbrochenen, oft bis in den Morgen hinein dauernden Sitzungen des Plenums und der Kommissionen stark ermüdet und suchte, um die Ermüdung schneller zu überwinden, ein Sanatorium auf. Die Ärzte aber konstatierten eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung. Infolge der vorangegangenen physischen Überanstrengung war aber Marshall nicht mehr widerstandsfähig genug, um die Folgen zweier Operationen zu überwinden. Die Ereignisse in Palästina haben seine letzten Tage beschattet. Als er nach der ersten Operation aus der Narkose erwachte, waren seine ersten Worte eine Frage, wie es in Palästina steht. Auch in der Folge ließ er sich über die Ereignisse in Palästina auf dem laufenden halten. Einen Monat nach dem Zusammentreten der Jewish Agency, bis auf die Stunde genau (11. August, 3 Uhr nachmittags), hauchte Marshall seine Seele aus: auch er war ein Märtyrer des Judentums, auch sein Tod ein Tod „al kiddusch haschem“. Die Lage in Palästina Die Einwanderung in Palästina geht ununterbrochen vor sich Jerusalem, 16. September (JTA.) Die Zionistische Exekutive Palästinas beschloß, bis Ende .der nächsten Woche sämtliche Chaluzim, die bereits im Besitze von Einwanderungszertifikaten sind, in das Land kommen zu lassen. Es handelt sich um etwa 700 bis 800 Chaluzim. Die für die Aktion nötigen Fonds sind bereits verfügbar. Ein jüdischer Distriktsoffizier für jüdische Rayone in Palästina Jerusalem, 16. September. (JTA.) Der Distriktoffizier Coopermann, ein Jude, wurde dem Distriktskommissariat von Jaffa zugeteilt. Coopermanns Aufgabe wird es sein, die Verbindungen des Distriktskommissariat mit Tel-Awiw und den jüdischen Kolonien aufrecht zu erhalten. Ein arabischer Polizeioffizier zur Niederlegung der Untersuchung gezwungen Jerusalem, 16. September. (JTA.) Der Polizeioffizier Nassar aus Jaffa, der mit der Untersuchung gegen die Schuldigen an den Unruhen betraut war und der die Untersuchung einseitig gegen die Juden führte, hat auf Grund eines von den jüdischen Anwälten gegen die Art seiner Untersuchung erhobenen Einspruches die Order erhalten, die Untersuchung niederzulegen. Verdoppelung der Vorsichtsmaßregeln in Jerusalem Jerusalem, 13. September. (JTA.) Für den heutigen Freitag, den vierten Wochenfeiertag seit dem ersten Blutvergießen in Jerusalem, wurden seitens der Regierung umfassende Vorsichtsmaßregeln zur Erhaltung der Ordnung getroffen. Alle Wachen wurden verdoppelt, die Polizeiposten wurden verstärkt. Patrouillen wurden nach allen Richtungen ausgeschickt, um die Bewegung der Fellachen gegen Jerusalem zu beobachten. Sollten die Fellachen in außergewöhnlicher Stärke gegen die Stadt ziehen, so werden geeignete Vorkehrungen getroffen werden. Aburteilung von Räubern — Waffen in Mehlsäcken Jerusalem, 13. September. (JTA.) 24 Araber aus den Dörfern Seidoun und Hulda, die an die jüdische Kwuzali Hulda grenzen, und eine Anzahl Araber aus einem an die jüdische Kolonie Kastiniah grenzenden Dorf, bei denen in Hulda und in Kastiniah erbeutete Gegenstände gefunden wurden, wurden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Suche nach Schußwaffen wird, wie die arabische Zeitung „Felestine“ berichtet, intensiv fortgesetzt. Gestern beschlagnahmte die Polizei eine ganze Wagenladung Mehlsäcke, bei deren Untersuchung es sich herausstellte, daß sie zahlreiche Schußwaffen und viel Munition enthielten. Allgemeiner Zahlungsaufschub Jerusalem, 13. September. (JTA.) Das Regierungsorgan veröffentlicht eine Verordnung, wonach für Wechsel und Schuldscheine, die während der Unruhezeit fällig wurden, ein Zahlungsaufschub (Moratorium) bis 26. September in Jerusalem und bis 22. Oktober in Hebron festgesetzt wird. Arabische Führer halten den Großmufti für schuldig an dem Blutvergießen Jerusalem, 13. September. (JTA.) Arabische Führer wandten sich an die Regierung mit dem Ersuchen, den Großmufti von Jerusalem, der nach ihrer Meinung die Schuld an der jüngsten Katastrophe in Palästina trägt, zur Verantwortung zu ziehen. Die in Jaffa erscheinende arabische Tageszeitung „Elakdan“ teilt mit, daß die Notabein des großen Dorfes Agour in der Nähe von Hebron eine Versammlung einberufen haben, die sich zu einer Entrüstungskundgebung gegen den Großmufti, Hajamin Husseini, gestaltete und in der alle Anwesenden eine Erklärung Unterzeichneten, wonach das Blutbad in Hebron auf die Agitation des Großmufti zurückzuführen sei. „Elakdan“ meldet weiter, daß andere arabische Notabein durch die Dörfer ziehen und Unterschriften gegen den Jerusalemer Großmufti sammeln. Die Zeitung „Elakdan“, die der Gesinnung nach nationalistisch ist, äußert sich in Worten tiefster Entrüstung gegen die Notabein, die gegen Husseini auftreten, und nennt sie sowie die Teilnehmer an der Versammlung in Hebron und alle, die die Entrüstungskundgebung gegen den Großmufti Unterzeichneten, Verräter an der arabischen Sache und Sklaven der Zionisten.