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Das jüdische Echo · 1929-09-20 · 38 (20.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 58_ 20. September 16. Jahrgang Louis Marshall gestorben I Zürich, 11. September. (JTA.) Louis Marshall, der Führer der amerikanischen Juden und als Präsident des Councils der Jewish Agency ein Führer des Judentums in der ganzen Welt, ist am Mittwoch, dem 11. September, 3 Uhr nachmittags, im Kantonalhospital in Zürich, wo er in den letzten Wochen zweimal operiert wurde, sanft verschieden. Am Sterbelager weilten sein Sohn James, seine Schwester Frau Rosenberg, sein Schwager Dr. J. L. Magnes, Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, und Frau, sowie Rabbiner Dr. Enelow vom Tempel Emanuel zu Neuyork. Die Familie hat beschlossen, die sterblichen Reste von Louis Marshall zur Bestattung in Neuyork mit sich über das große Meer zu führen. Louis Marshall hat sich bekanntlich unmittelbar nach Beendigung der von ihm geleiteten konstituierenden Sitzung der Jewish Agency wegen Erkrankung der Bauchspeicheldrüse einer Operation unterziehen müssen, die von den Professoren Clairmont (Zürich), Schmieden (Frankfurt a. M.) und Liebmann (Neuyork) unter Assistenz von Prof. Löffler vorgenommen wurde und auch glücklich verlief. Bald jedoch traten Komplikationen ein. Es stellte sich nach zwei Wochen die Notwendigkeit heraus, eine zweite Operation vorzunehmen, die ebenfalls als gelungen zu bezeichnen war, die aber den Kräfteverfall des Patienten, der mittels einer Ernährungsfistel künstlich ernährt werden mußte, nicht aufzuhalten vermochte. Zweimal mußten Bluttransfusionen vorgenommen werden, die aber die erhoffte Besserung nicht brachten. Nach mehr als dreiwöchigem Krankenlager erlag Louis Marshall seinem schweren Leiden. Louis Marshalls Leben Louis Marshall wurde am 14. Dezember 1856 in Syracuse in den Vereinigten Staaten als Sohn von Jacob und Cilly (Strauß) Marshall geboren. Er wurde einer der angesehensten Juristen auf dem Gebiete des amerikanischen Verfassungsrechts und fungierte als Rechtskonsulent der Bundesregierung in ihren Prozessen gegen die Truste. In dieser Tätigkeit wurde er eine der populärsten Figuren in den Vereinigten Staaten. 1890, 1894 und 1915 war er Mitglied der gesetzgebenden Versammlungen des Staates Neuyork und der erste Jude, der dreimal in diese Körperschaft gewählt wurde. Vom Gouverneur Hughes wurde er zum Vorsitzenden der Einwanderungskommission des Staates Neuyork ernannt. Er war auch Mitglied des Kuratoriums der Universität in Syracuse, Präsident der staatlichen Forsthochschule in Neuyork und Vorsitzender des Komitees der Anwaltskammern zur Verbesserung der Gesetze. Seine überragende Bedeutung gewann Marshall durch seine sehr große und sehr mannigfaltige Wirksamkeit im jüdischen öffentlichen Leben. Im Jahre 1906 gründete er das American Jewish Committee, das er bis zu seinem Tode geleitet hat. Als Präsident dieses Komitees trat er überall auf den Plan, wo Ehre, Rechte und Interessen nicht allein amerikanischer Juden, sondern der Juden in der ganzen Welt, angetastet wurden. Er war es auch, der die Annahme der Resolution über die Kündigung des amerikanisch-russischen Handelsvertrages von 1832 durch den Kongreß der Vereinigten Staaten durchsetzte und es erwirkte, daß dieser Kündigung der Charakter eines Protestes des amerikanischen Volkes gegen die grausame Judenpolitik der Zarenregierung verliehen worden war. Louis Marshall war Präsident des Tempels Emanuel in Neuyork, also seiner religiösen Richtung nach Reformjude. Dennoch leitete er die Geldsammlung für das Konservative Schechtersche Rabbinerseminar, in dessen Leitung er saß, und förderte auch die Bestrebungen der Orthodoxie. Als Präsident des American Jewish Committee nahm er auch an der Leitung des American Joint Distribution Committee teil. Er war Präsident des American Jewish Relief Committee, welches gemeinschaftlich mit anderen Organisationen innerhalb des J.D.C. 65 Millionen Dollar für die durch den Krieg in Not geratenen Juden in Europa und Palästina aufgebracht hat. 1919 war er Delegierter der amerikanischen Juden bei der Pariser Friedenskonferenz und wurde von dem Comite des Delegations Juives zu einem ihrer Präsidenten gewählt. Dieses Komitee hat es erreicht, daß die nationalen, religiösen, kulturellen und sprachlichen Rechte der Juden in Polen, Rumänien, Jugoslawien, Litauen, Lettland, Estland, Tschechoslowakei usw. international gesichert werden. Marshall hat auch die Forderung nach Anerkennung Palästinas als nationale Heimstätte für das jüdische Volk unterstützt und zur Annahme dieser Forderung persönlich viel beigetragen. Marshall war Präsident oder leitendes Mitglied zahlreicher bedeutender religiöser, kultureller und sozialer Organisationen und Institutionen der Judenheit der Vereinigten Staaten. Für alle Zukunft wird Louis Marshalls Name mit der Jewish Agency für Palästina verknüpft sein. Dr. Weizmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, war es, der Marshall zu aktiver Teilnahme an dem Werke des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims gewonnen hat. 'Schon im Jahre 1924 berief Marshall nach Neuyork eine Konferenz von Delegierten der amerikanischen Judenheit ein, die er leitete und die die Teilnahme an der Jewish Agency beschloß. Die „Marshall- Gruppe“ wurde der wichtigste Partner der Zionisten bei der Erweiterung der Jewish Agency; von hier ging die Wirkung auf die Länder der Alten Welt aus, deren nichtzionistischen jüdischen

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