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Das jüdische Echo · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. Seite 537

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
Seite 537 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 537 dern besonders auch über die Durchführung der Mandatspolitik. Er sagt, daß die wiederholten Anstrengungen der Araber, durch Gewaltanwendung das entstehende Jüdische Nationalheim zu vernichten, von dem Versagen der britischen Politik herrühre, den Arabern klarzumachen, daß hinter der Politik der unerschütterliche Wille der Mandatarmacht stünde. Das jüdische Volk würde nicht wanken in seinen Anstrengungen, sondern das Tempo seiner Arbeit beschleunigen. Lord Melchett sagte unter anderem, man könne ihm nicht vormachen, daß die Administration Palästinas nicht gewußt haben soll, was im Lande gärt. Das Versagen der dortigen Administration hat den Glauben der ganzen Welt an Großbritanniens Herrschaft in Palästina erschüttert. Ohne Palästina kann aber keine Rede sein von der Sicherheit des Empire. Die Schwäche in Palästina ist ein Signal der Revolte gegen die Herrschaft Britanniens in allen seinen Besitzungen überall in der Welt, hauptsächlich im nahen Osten, und in erster Reihe nach den letzten Ereignissen in Ägypten. Redner kritisiert das Verhältnis der Palästinaregierung mit den schärfsten Ausdrücken und sagt, was die Juden in zehn Jahren aufgebaut haben, sei zügellos vernichtet worden von Räubern und Mördern. Es scheint, daß die britische Regierung ihre Pflichten mißversteht, die ihr als Mandatarregierung auferlegt worden sind. Ihre Pflichten dort ist nicht nur den Frieden im Lande aufrechtzuerhalten, sondern sie muß aktiv teilnehmen an der Errichtung des Jüdischen Nationalheims. „Ich habe“, sagt Lord Melchett, „nie von einer so absurden und lächerlichen Situation gehört, als daß die Politik der Balfour-Deklaration ausgeführt werden soll von Leuten, die nicht nur dieser Politik unsympathisch gegenüberstehen, sondern auch aktiv in Opposition zu ihr stehen. Ich appelliere an die britische öffentliche Meinung und an die britische Gerechtigkeit, ihr Ehrenwort zu halten. Trotz dem Rückschlag ist das jüdische Volk entschlossen, das Nationalheim mit größerer Entschlossenheit und mit verdoppelter Anstrengung aufzubauen. Diese Arbeit aber muß gegründet sein auf Sicherheit und Vertrauen.“ Colonel Wedgwood, mit einer stürmischen Ovation empfangen, erklärte, wenn er ein Jude wäre, so fiele es ihm leichter, auf dieser Plattform zu sprechen, aber als Christ und britischer Bürger möchte er sagen: Lord Melchett hat gesagt, daß der Schlüssel zum englischen Empire Englands Ehre ist. Wenn waffenlose Juden nach Palästina im Vertrauen auf England gehen, so ist der Schlüssel in Gefahr. Es ist unmöglich, daran zu glauben, daß es wahr sein könnte, kein Engländer, der irgendeinen Rang in der britischen Regierung bekleidet, kann solche Feigheit gutheißen. Der gegenwärtige Streit spielt sich jetzt zwischen Juden und der britischen Verwaltung ab und nicht zwischen Juden und Arabern. Es handelt sich nicht um einen religiösen, sondern um einen politischen Kampf. Palästina koste den britischen Steuerzahlern nichts, es zahlt seine eigenen Bedürfnisse und bringt noch Vorteile. Die jüdische Polizei in Palästina war die einzige, die die Befehle ausgeführt hat. Wir sind des Lippendienstes satt und wollen Taten sehen. Wir verlangen eine bewaffnete jüdische Polizei, die den Frieden erhalten soll. Wedgwood erinnerte an die Vorgänge im Jahre 1920 und verglich sie mit den jetzigen. Er möchte eine geeinte jüdische Front von San Francisco bis Shanghai sehen, die mit machtvoller Stimme Gerechtigkeit für das jüdische Volk und die Erfüllung des von England gegebenen Versprechens verlangt. Große Kundgebungen fanden ferner statt in Warschau, in Zürich, in Prag und Berlin. Vier große Kundgebungen der Berliner Zionistischen Vereinigung iür Deutschland Berlin, 2. September. (JTA.) Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hatte aus Anlaß der Ereignisse in Palästina für Sonnabend, den 31. August, zu zwei großen öffentlichen Kundgebungen eingeladen: in den Bachsaal, Lützowstraße, und in die Stadthalle, Klosterstraße. Beide großen Säle waren noch vor Beginn der Kundgebung überfüllt, so daß man sich entschließen mußte, in den Sophiensälen und in einem benachbarten Saale Parallelversammlungen zu veranstalten. Von kommunistischer Seite wurden im Bachsaal wie in den Sophiensälen Versuche gemacht, die Versammlung zu stören, während die Kommunisten aber im Bachsaal nicht zur Geltung kommen konnten, mußte in die Sophiensäle, wo eine starke Rotfrontgruppe die Versammlung zu sprengen drohte, das Überfallkommando geholt werden, das die Rotfrontleute mit Gewalt aus dem Saal entfernte, so daß die Versammlung in Ordnung zu Ende geführt werden konnte. Die Kundgebung im Bachsaal war von Kurt Blumenfeld, Präsidenten der Z. V. f. D. geleitet, der dem Schmerz und der Trauer aller Zionisten und Juden Worte lieh, an den Geist der zionistischen Gesamtverantwortung appellierte und der Hoffnung Ausdruck gab, daß dieser Geist die gesamte jüdische Welt befruchten werde. Es müsse jetzt mit um so stärkerer Energie an die Verstärkung des Jischuw geschritten werden; der geeinte jüdische Wille gegenüber der Welt werde zum Ausdruck kommen. Es sprachen in dieser Kundgebung Frau Bergel-Gronemann, Dr. Jakob Klatzkin, Dr. Kollenscher, Rabbiner Emil Levy, Fritz Naphtali. Tiefen Eindruck auf die Versammlung machte die Verlesung einer Botschaft Albert Einsteins durch den Vorsitzenden. In den Kundgebungen in der Stadthalle und in den Sophiensälen sprachen die Herren Albert Berger, Moses Waldmann, J. Klinoff, Dr. Oskar Wolfsberg, Dr. Fritz Löwenstein und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, die alle mit ihren Ausführungen eine tiefe Wirkung auf die Zuhörer ausübten. Auch diese Kundgebungen schlossen mit der Annahme der Resolution und dem Absingen der „Hatikwah“. Louis Marshall operiert Zürich, 27. August. (JTA.) Der Präsident des American Jewish Congress und Vorsitzender des Council der Jewish Agency, Herr Louis Marshall, der nach Schluß der ersten Jewish-Agency-Tagung infolge der Überanstrengung durch die Dauersitzungen leicht erkrankt war, hat sich in Zürich einer Opperation unterziehen müssen. Die Ärzte hatten eine akute Entzündung der Gallenblase festgestellt und rieten zu einer sofortigen Operation. Der Eingriff wurde vom Züricher Professor Clairmont unter Assistenz der Professoren Schmieden (Frankfurt), Emanuel Liebman (Columbia-Universität Neuyork) und Loeffler (Zürich) ausgeführt. Die Operation ist befriedigend verlaufen; auch der allgemeine Zustand Louis Marshalls, der 64 Jahre alt ist, ist befriedigend. Man hofft auf eine schnelle Genesung.

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