Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- Seite 536 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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536 Das Jüdische Echo Nr. 36 Ausgleich zu kommen sein. Dann werden auch die palästinensische Judenheit und die zionistische Bewegung nichts unversucht lassen dürfen, was zu einem solchen Ausgleich beitragen kann. Nach zwei Richtungen wird man aus diesem Grunde besondere Anstrengungen machen müssen: Man wird einmal sorgen müssen für eine außerordentliche Beschleunigung des jüdischen Aufbauwerks, das in kurzer Zeit jedem Araber unabänderlich, ja unangreifbar erscheinen muß; dann aber wird man nicht vergessen dürfen, bei den Arabern um Vertrauen zu werben durch absolute Respektierung ihrer Eigenart, durch Rücksichtnahme auf ihre religiösen Gefühle, kurz durch friedliche Gesinnung nicht nur in Resolutionen, sondern auch im Verhalten des Alltags. Dazu gehört vielleicht mehr Ruhe und Selbstvertrauen, als sie der Jeschuw in der letzten Zeit aufbrachte: man muß dies auch dann erkennen, wenn man weiß, daß die Untätigkeit und das vollkommene Versagen der Palästinaverwaltung gerade in diesen Dingen in ihm das Bewußtsein der Schutzlosigkeit und damit eine schreckhafte Nervosität erzeugt hatten, die ja, wie man jetzt weiß, allerdings nur zu gute Ursachen hatte. Bei England liegt heute die Entscheidung über die Zukunft Palästinas, aber wie diese Entscheidung auch fallen möge: die Tatsache der historischen Verbundenheit der Juden mit Palästina, feierlich durch das Völkerrecht und den Völkerbund anerkannt, kann durch keine Politik, wie auch immer geändert werden und ebensowenig der jüdische Wille zum Wiederaufbau seiner nationalen Heimstätte im Lande der Väter. Die Unbedingtheit dieses Willens wird, über alle zeitlichen Bedingtheiten hinweg, auch die Verwirklichung dieser historischen Idee herbeiführen. I. E. Große jüdische Kundgebungen in aller Well Eine Botschaft des Präsidenten Hoover an die jüdische Massenversammlung in Neuyork Neuyork, 30. August. (JTA.) Im Madison Square Garden zu Neuyork, der mehr als 25 000 Personen faßt, wurde eine Massenversammlung der Neuyorker Juden abgehalten, um gegen die arabischen Greuel in Palästina und gegen das Verhalten der britischen Administration vor den und während der Unruhen zu protestieren. Den Vorsitz führte Samuel Untermyer. Zu Beginn der Versammlung wurde eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten Herbert Hoover an die Versammelten verlesen. Präsident Hoover erklärt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten durch die Ereignisse in Palästina tief beunruhigt ist. Er, der Präsident, ist dahin informiert, daß die britische Regierung strenge Maßnahmen unternimmt, um die Ruhe und B. MARSTALLER kgl. Hofsattlcr / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 die Sicherheit in Palästina wiederherzustellen'. Die Ausbrüche des Fanatismus in Palästina: sind:, eine schwere Belastung. Ich hege aber die Hoffnung, schließt die Botschaft des Präsidenten Hoover, daß aus diesen tragischen Ereignissen eine erhöhte Sicherheit und Festigkeit für die Zukunft: Palästinas und für die jüdische Heimstätte erreicht werden wird. Senator Borah, der einflußreiche amerikanische Politiker, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Senat, war einer der Hauptredner der Versammlung. Borah erklärte, die bestialischen Taten gegen die Juden in Palästina werden schwer lasten auf das schuldbeladene Gewissen derjenigen, die für diese Taten verantwortlich sind. Man muß sich jetzt fragen, ob Palästina das jüdische Nationalheim wird, wie es versprochen und bekräftigt wurde, oder eine internationale Schamlosigkeit? Die Ereignisse in Palästina haben ein Schwinden des englischen Prestige zur Folge. Die Aufgabe zur Begründung der jüdischen Heimstätte in Palästina wurde von Großbritannien nicht richtig verstanden. Es muß nun anders werden. Nach Senator Borah sprachen Samuel Untermyer, der Vizegouverneur des Staates New York, Oberst Herbert Lehman, der Leiter des United Jewish Campaign David A. Brown, Max Shulman, Rabbiner Margolies u. a. m. Die Worte der Redner machten einen tiefen Eindruck auf die fünfundzwanzigtausendköpfige Versammlung. Viele Anwesende wurden von Rührung übermannt und brachen in Tränen aus. Prominente amerikanische Juden haben sich zu einem Komitee für Schaffung eines Nothilfsfonds für Palästina zusammengetan. Der berühmte Philantrop Julius Rosenwald in Chicago erklärte sich bereit, die ihm angebotene Ehrenpräsidentschaft des Fonds anzunehmen. Dem Komitee gehören noch an der weltbekannte Philantrop Nathan Straus, sowie die gegenwärtig in Europa weilenden Herren Felix M. Warburg und Louis Marshall. Machtvolle Kundgebung der englischen Judenheit London, 2. September. (JTA.) Zu einer machtvollen Kundgebung der Judenheit gestaltete sich die am Sonntag, dem 1. September, abends, in der Albert Hall stattgefundene Versammlung, in der zu den Ereignissen in Palästina Stellung genommen wurde. Der Riesensaal, der 15 000 Personen faßt, war gedrängt voll, mindestens die gleiche Zahl Menschen stand auf der Straße und wartete vergeblich auf Einlaß. Den Vorsitz führte Lord Melchett; Ansprachen hielten der Oberrabbiner des britischen Reiches J. H. Hertz, d’Avigdor Goldsmid, Louis Lipsky, Dr. Chaim Weizmann, Harry Sacher, Colonel Wedgwood und Dr. Chaim Arlosoroff. Es wurde ein besonderes Trauergebet gesprochen, das von der Versammlung stehend angehört wurde. Begrüßungsschreiben liefen u. a. ein von General Sir George Macdonogh, dem Vorsitzenden der „Palestine Mandate Society“, von Lord Reading, von Viscount Robert Cecil, von General Smuts, von Ormsby Gore, dem ehemaligen Unterstaatssekretär für die Kolonien. Dr. Weizmann erklärte in seiner Ansprache, er sei überzeugt, daß die Regierung sich ihrer Verantwortung völlig bewußt sei und entschlossen ist, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Er besteht auf einer genauen Untersuchung, und zwar nicht nur über die Verantwortung am Ausbruch der Ereignisse, son- Fernruf Nr. 90939