Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- Seite 534 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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534 Das Jüdische Echo Nr. 36 Ein Aufruf des Waad Leumi an die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt Gefahr für das ganze Land besteht noch — Safed in Flammen — Nord-Galiläa der Vernichtung preisgegeben — Rettet den Jischuw Jerusalem, 31. 'August. (JTA.) Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat in Palästina und ausführendes Organ der Nationalversammlung) hat durch die Jüdische Telegraphenagentur einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt gerichtet, in welchem es heißt: Noch immer besteht große Gefahr für das ganze Erez Israel. Akte der Zerstörung von Eigentum und der Vernichtung von Menschenleben werden fortgesetzt. Heute steht die Stadt Safed in Flammen, viele Angehörige dieser alten jüdischen Gemeinde wurden getötet oder verwundet. Das nördliche Galiläa ist gerade, in diesem Augenblick der Gefahr der Vernichtung preisgegeben. Die Hilfe der ganzen Judenheit tut not, um den in seiner Existenz bedrohten Jischuw zu retten. Wir fordern dringend: erstens, daß die Regierung scharfe und schnelle Maßnahmen ergreift, um der Vernichtung Einhalt zu gebieten und das der Zerstörung bisher entgangene Leben und Eigentum zu sichern. Wir fordern zweitens, daß uns auf telegraphischem Wege die notwendig gewordene dringende finanzielle Hilfe zur Verfügung gestellt wird, damit wir in die Lage kommen, die Tausende Flüchtlinge zu ernähren. Um viele Men¬ PCL ZAAODCA/ ■BeRNHAkD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNER STRASSE 8 schenleben zu retten, ist es notwendig, daß die Hilfe so schnell als nur möglich kommt. Die Geldspenden sind zu richten an die Anglo- Pastine-Banc in Jerusalem für Waad Leumi. Unterzeichnet ist der Aufruf im Namen des Waad Leumi von Rabbiner Ostrowski und dem Vertreter der Arbeiterschaft Salomon Ben Zwi. Ein Schreiben Lord Balfours an Dr. Weizmann London, 31. August. (JTA.) Lord Balfour, der berühmte Staatsmann und Philosoph, Autor der Balfour-Deklaration über die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina, hat das folgende Schreiben an Professor Chaim Weizmann» als den Präsidenten der Jewish Agency, gerichtet: „Mein lieber Weizmann! Die Ereignisse in Palästina haben meine Empörung und meinen Abscheu erregt, aber sie konnten nicht mein Vertrauen erschüttern in die Weisheit der Politik, die Sie und Ihre Freunde so erfolgreich in Palästina in Übereinstimmung mit dem Mandatssystem, ungeachtet sich in den Weg stellender Schwierigkeiten, befolgt haben. Das British Empire und alle so eng mit ihm verbunden gewesenen Mächte haben feierlich ihre Absicht kundgetan, Palästina wiederum zum Nationalheim für das jüdische Volk zu machen. Diese Politik ist in Übereinstimmung mit den besten Überzeugungen der westlichen Zivilisation überall in der Welt. Das British Empire hat sein Versprechen gegeben, diese Idee zu verwirklichen. Verlassen Sie sich darauf: dieses Versprechen wird nicht uneingelöst bleiben. Glauben Sie es mir, Ihrem aufrichtig ergebenen Balfour.“ Am 6. September Aktionskomiteesitzung in London London, 3. September. (JTA.) Die Sitzungdes Aktionskomitees der Zionistischen Organisation, die zuerst für Mittwoch, den 4. September, nach Lausanne einberufen worden war, wird nunmehr in London, und zwar am Freitag, dem 6. September, beginnen. Die Mitglieder des Aktionskomitees, die sich in Europa aufhalten, wurden telegraphisch für den 6. September nach London berufen. Die in Europa weilenden Mitglieder des Administrativ-Komitees der Jewish Agency werden an dieser Sitzung teilnehmen. England und Palästina Die Ereignisse in Palästina, wo nach den letz- 'teil Meldungen die Ruhe nunmehr im großen und ganzen wieder hergestellt zu sein scheint, wenn auch die letzte Woche noch Ausschreitungen grauenhafter Art besonders in Safed gebracht hat, haben eines mit aller Klarheit gezeigt: daß im Vordergrund aller Palästinapolitik der nächsten Zeit die Herbeiführung eines Friedenszustandes zwischen Arabern und Juden zu stehen hat; sie haben dies wenigstens Juden und Engländern bewiesen. Ob auch den Arabern, ist eine andere Frage: dies wird davon abhängen wie die englische Regierung in London und die Palästinaverwaltung, die Vollstreckerin der Londoner Weisungen, ihnen gegenübertritt. Wird es auf solche Weise geschehen, daß die Araber glauben, sich durch ihren Aufstand irgendwelche Vorteile, sei es politischer oder anderer Art, ertrotzt zu haben, dann wird man allerdings selbst eine vorläufige Befriedung von dieser Seite schwerlich erwarten dürfen.