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Das jüdische Echo · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. Seite 532

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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532 Das Jüdische Echo Nr. 36 den Vertretern der Jewish Agency Hoofien und Horowitz angekündigt hatte, eine Proklamation an die Bevölkerung Palästinas gerichtet. Sie lautet: „Ich habe nach meiner Rückkehr aus dem Vereinigten Königreich zu meiner Betrübnis das Land in einem Zustand der Unordnnug und als eine Beute ungesetzlicher Gewalt vorgefunden. Mit Schrecken erfuhr ich von den grauenvollen Taten, die durch Banden gefühlloser und blutdürstiger Verbrecher begangen wurden, von brutalen Morden, begangen an schutzlosen Angehörigen der jüdischen Bevölkerung ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes. Wie in Hebron, so überall, waren die Angriffe begleitet von nicht zu schildernder Roheit, von Niederbrennung von Farmen und Häusern in Stadt und Land, von Plünderung und Zerstörung des Eigentums. Diese Verbrechen haben auf die Häupter ihrer Urheber den Fluch aller zivilisierten Völker in der ganzen Welt geladen. Die erste Pflicht wird es sein, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und diejenigen, die der Schuld an den Gewalttaten überführt werden, der strengen Bestrafung zuzuführen. Alle notwendigen Maßnahmen werden zur Verwirklichung dieses Endzieles ergriffen werden, und ich ersuche alle Einwohner Palästinas, mich in der Erfüllung dieser Pflicht zu unterstützen. Gemäß dem Versprechen, das ich im Juni dieses Jahres, bevor ich Palästina verließ, der arabischen Exekutive gegeben hatte, habe ich in London Gespräche mit dem Staatssekretär für die Kolonien über das Thema einer konstitutionellen Umgestaltung in Palästina eingeleitet. Aber angesichts der jüngsten Ereignisse mußte ich diese Diskussion mit der Regierung seiner Majestät verschieben. Um verlogenen Darstellungen, die jüngst über das Thema der Klagemauer in Umlauf gesetzt worden sind, entgegenzutreten, gebe ich hierdurch mit Zustimmung der Regierung seiner Majestät bekannt, daß ich beabsichtige, die im Weißbuch vom 19. November 1928 niedergelegten Prinzipien zu* verwirklichen, sobald die Methoden ihrer Anwendung festgelegt worden sind.“ Jerusalem, 2. September. (JTA.) Äroplane kreuzen über ganz Jerusalem und werfen die Proklamation des Oberkommissars Chancellor ab. Zahlreiche Äroplane begaben sich nach anderen Orten Palästinas, um die Proklamation abzuwerfen. Die Vorgänge der letzten Woche Schreckenstage in Safed Jerusalem, 30. August. (JTA.) Während der Donnerstag in ganz Palästina verhältnismäßig ruhig verlief, sind am Freitag, dem 30. August, an verschiedenen Orten die Kämpfe wieder aufgeflackert. Besonders der Norden Palästinas, der bisher verhältnismäßig ruhig war, war heute der Schauplatz von Kämpfen. In der Stadt Safed, die eine der großen jüdischen Gemeinden Palästinas beherbergt, haben die Araber die Juden angegriffen. In der Stadt herrscht Anarchie, das Geschäftsleben steht still. Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HÄNS FÜRST Bei den ersten Angriffen wurden sechs Juden getötet und über dreißig verwundet. Kurz darauf meldete man neun Tote und eine größere Zahl Verwundeter. Man befürchtet, daß in den schwer zugänglichen Häusern in den engen Straßen noch mehr jüdische Todesopfer liegen. Es fehlt an Brot und Wasser. Safed ist von einem Truppenteil besetzt, der auch über Maschinengewehre verfügt. Das Militär ist aber nicht in der Lage, der Stadt genügenden Schutz zu geben. Der anwesende Truppenteil ging nicht energisch genug gegen die mordenden und plündernden Banden vor. Es wurden militärische Verstärkungen angekündigt. Inzwischen dauern die Plünderungen fort. Unter den in Safed getöteten Juden befindet sich der bekannte Advokat Koledano, ein Sepharde. Später wird aus Safed gemeldet,, daß ein großer Teil der Judenschaft der Stadt in Regierungsgebäuden und im Krankenhaus, die von Militär bewacht werden, in; Sicherheit gebracht worden ist. Der Mob setzt die Plünderungen fort und geht zu Brandstiftungen über. In vielen Teilen der Stadt flackern Brände auf. Die großen Petroleumlager der amerikanischen Shell Company wurden in Brand gesteckt. Das Feuer, das in den Benzin-Lagern reiche Nahrung fand, breitete sich über den ganzen benachbarten Stadtteil aus. Soeben, 2 Uhr nachmittags, wird aus Safed gemeldet, daß in der Stadt die jüdische Selbstwehr aus Ajelet Haschachar und aus Kfar Giladi eingetroffen ist. Der Selbstwehr ist es nach kurzer Zeit gelungen, die plündernden Banden zurückzudrängen, so daß im Augenblick in Safed Ruhe herrscht. Die Zahl der jüdischen Toten erhöhte sich auf 23 Jerusalem, 31. August. (JTA.) Einem führenden Mitglied der Haifaer jüdischen Gemeinde gelang es unter Lebensgefahr, nach Jerusalem zu kommen. Er bat im Namen der bedrohten Gemeinde von Safed um schleunigste Hilfe. Er erzählte, daß der Überfall der Araber auf die Juden von Safed um 6 Uhr abends begonnen und die Unruhen erst um Mitternacht aufgehört haben. Militärische Verstärkung aus Tiberias kam nach zwei Stunden, nachdem die Angreifer sich zurückgezogen hatten, die zum Teil von jüdischen Abwehrkräften zurückgedrängt worden waren. Der erste arabische Angriff war gegen das sephardische Viertel von Safed gerichtet, wo 7 Juden getötet, einige von ihnen verbrannt wurden. Mehrere Juden, die in die Hände der Araber fielen, wur^ den grausam gemartert. 3000 Juden von Safed, so erzählte der Abgesandte der Gemeinde von Safed, sind ohne Wasser und Brot und furchtbaren Entbehrungen ausgesetzt. Aus Tiberias und Haifa wurden Proviant- Transporte für Safed organisiert. Die Stadt Safed ist bekanntlich sehr hoch (bis 800 Meter) gelegen und ist auf Wasserzufuhr von auswärts angewiesen. Die Zionistische Organisation in London erhielt das folgende Telegramm von der Jerusalemer Zionistischen Exekutive: Der Überfall auf die jüdische Gemeinde in Safed erfolgte auf einen geheimen Befehl hin zu der Zeit, als anscheinend keinerlei Truppen in Safed anwesend waren. Vom frühen Morgen an war man in Jerusalem hinsichtlich des Schicksals von Safed sehr unruhig. Seitens der verantwortlichen Stelle in Jerusalem wurde uns aber versichert, daß Safed ausreichend geschützt ist. In Wirklichkeit trafen die Truppen acht Stunden später ein, als

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