Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 36 6. September 16. Jahrgang Beruhigung Eine Proklamation Chancellors Offizieller Bericht vom Montag London, 2. September. (JTA.) Das britische Kolonialamt hat soeben die folgende Mitteilung veröffentlicht: Die letzten Berichte aus Palästina besagen, daß im ganzen Lande Ruhe herrscht und daß auch an der transjordanischen Grenze eine endgültige Wendung zum Besseren eingetreten ist. Der französische Oberkommissar für Syrien trifft Vorbereitungen zur Reorganisierung und Verstärkung der französischen militärischen Positionen an der Südgrenze von Syrien, um zu verhindern, daß bewaffnete Banden von Arabern nach Palästina eindringen. Der am Samstagabend ausgegebene offizielle Bericht des Kolonialamts lautete: Unsere militärischen Kräfte halten alle wichtigen Zentren in Palästina, von Safed im Norden bis Beer Sheba im Süden, besetzt; aus diesem Gebiet eintreffende Nachrichten bezeichnen die Lage als ruhig. Es wird ferner gemeldet, daß Beduinenstämme aus dem Sinai, aus Syrien und Transiordanien auf Palästina zu in Bewegung sind, und daß einige derselben bereits die Grenze nach Palästina überschritten haben. Die Königliche Luftarmee und bewaffnete Panzerautos wurden abgeschickt, um dieser Situation zu begegnen. Das Emek Jesreel unversehrt Wie der „Jüdischen Rundschau“ aus London telegraphiert wird, sind sämtliche in der Presse bisher verbreiteten Nachrichten über Vernichtungen im Emek Jesreel vollständig unwahr. Das Emek ist bei den Unruhen unversehrt geblieben. Auch die Nachricht, daß die Kwuzoth Giwah und Tel-Josef abgebrannt sind, ist unrichtig. Auch Jerusalem meldet Ruhe London, 2. September. (JTA.) Aus Jerusalem wird gemeldet, daß am Samstag und am Sonntag in ganz Palästina im allgemeinen die Ruhe nicht gestört war. Die Londoner Zeitungen haben Mitteilungen gebracht, wonach es am Samstag in Jerusalem zu einem Zusammenstoß zwischen Juden und Polizei gekommen war, nachdem die Juden ihrer Entwaffnung durch die Truppen Widerstand entgegengesetzt haben. Dabei sollen mehrere Juden getötet, mehrere andere verwundet worden sein. Wie von der Jerusalemer Jüdischen Telegraphenagentur auf eine Anfrage der Londoner JTA telegraphisch mitgeteilt wird, sind diese Nachrichten erfunden. Es kam zu keinerlei Zusammenstößen zwischen Juden und Militär. Auch die Meldung des Berliner Ullstein-Dienstes, wonach in Tel-Awiw neuerdings ein schwerer Kampf stattgefunden hat, ist ohne Grundlage. In Tel-Awiw war die Ruhe seit mehreren Tagen nicht gestört worden. In Palästina Die Zeitungen dürfen wieder erscheinen Jerusalem, 2. September. (JTA.) Die Zeitungen in Palästina dürfen wieder erscheinen. Den Redakteuren wurde mitgeteilt, daß ihre Zeitung sofort verboten werden würde, wenn sie irgend etwas veröffentlichen sollte, das geeignet wäre, den Frieden zu stören. Während in der ganzen Zeit der Unruhen der gesamte jüdische Jischuw ohne Presse war, stand den Arabern Palästinas eine Presse reichlich zur Verfügung. Die ägyptischen und syrischen Zeitungen durften frei in Palästina verbreitet werden; sie waren bis zum Rande voll mit Schilderungen palästinensischer Ereignisse, wobei die Tatsache ins Gegenteil umgefälscht wurde, indem man die Juden als die Angreifenden und Eroberungslustigen hinstellte und ihnen allerlei Greueltaten andichtete. Die ungehemmte Zirkulation dieser Presse hat die Erregung unter den Arabern nur gesteigert. Proklamation Chancellors an die Bevölkerung Palästinas Jerusalem, 2. September. (JTA.) Der britische High Commissionar für Palästina, Sir John Chancellor, hat, wie er in seinem Gespräch mit Letzte Meldungen: London, 4. September. (JTA.) Das Britische Kolonialamt gibt die folgende Mitteilung über die Lage in Palästina heraus: Im Verlaufe des Dienstags herrschte in Palästina im allgemeinen Ruhe, nur im Norden fanden lokale Zwischenfälle statt. Ein Angriff von Arabern auf die Polizei-Baracken in Chittin, einer jüdischen Kolonie acht Meilen westlich Tiberias, wurde erfolgreich zurückgeschlagen. Ein leichteres Gefecht fand in der Nähe der Kolonie Jesod Hamaalah nördlich des Tiberias-Sees statt, wobei einige Araber festgenommen wurden. Bei diesen Gefechten hatten die britischen Truppen keine Verluste. Die Haltung der transjordanischen Stämme wird im allgemeinen als zufriedenstellend angesehen: eine Ausnahme machen zwei kleine Stämme im Norden. K a i r o , 4. September. (JTA.) Vom Büro der Jüdischen Telegraphenagentur in Jerusalem wird telephonisch nach Kairo mitgeteilt, daß ein großer Arabertrupp die jüdische Kolonie Chittin bei Tiberias angegriffen hat, aber vom britischen Militär in die Flucht geschlagen wurde. Dabei wurden 12 Araber getötet und mehrere gefangen genommen. Die jüdische Kolonie Kfar Tabor wurde von Arabern angegriffen und ausgeraubt. Die Araber führten das Vieh der Kolonie mit sich fort. In der Nacht zum Dienstag griff eine Horde Araber die von der Bevölkerung geräumte Jerusalemer Villenvorstadt Talpioth an. Das britische Militär schlug den Angriff zurück. Talpioth ist bekanntlich schon einmal nach der Räumung durch die Einwohnerschaft von Arabern geplündert worden.