Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 519 Der Unglückstag in Jerusalem Jerusalem, 23. August. (JTA.) Der Freitag (23. August) war ein Unglückstag für Jerusalem. Als Resultat der seit mehreren Tagen von Agitatoren in den Jerusalemer Moscheen und in den Dörfern der Jerusalemer Umgegend betriebenen gefährlichen Hetze und der Ausstreuung der Legende, daß die Juden die Besitznahme der Klagemauer und der Omar-Moschee durch Gewaltanwendung planen, haben sich im Verlauf des Freitags große Mengen Araber, die starken Zuzug aus der Umgegend Jerusalems erhielten, zu einem Angriff auf die jüdischen Viertel gesammelt.. Wahrscheinlich wurde der Freitag als Tag des Angriffes gewählt, weil am Freitag abend der Hauptgottesdienst der Judenschaft an der Klagemauer stattfindet. Die Juden setzten sich beim Herannahen der Araber zur Wehr, auch die Polizei zeigte sich bemüht, den Angriff der Araber abzuwehren. Es kam zu einem schweren Kampf zwischen Arabern und Juden,'der zwei Stunden andauerte. Im Verlauf dieses Kampfes wurden neun Juden getötet. Auf der Seite der Araber zählt man drei Tote, drei weitere Araber sind so schwer verletzt, daß sie mit dem Tode ringen. 107 Verwundete, unter ihnen 16 schwer Verwundete, werden auf beiden Seiten gezählt. Unter den Verwundeten sind der bekannte hebräische politische Schriftsteller Ben Avi, früher Chefredakteur des „Doar Hayom“., jetzt Redakteur des „Palestine Weekly“, sowie der bekannte Korrespondent der „Vossischen Zeitung“, Dr. Wolfgang v. Weisl. Dr. v. Weisl erhielt hinterrücks einen Messerstich in die Schulter. Seine Verletzung ist schwer, sein Zustand aber nicht bedenklich. Einem sehr großen Aufgebot an Polizfei war es schließlich gelungen, die Kämpfenden zu trennen. Unter der Jerusalemer Judenheit herrschen tiefste Erregung und Trauer. Sämtliche Läden und Büros wurden zum Zeichen der Trauer und des Protestes geschlossen. Auch auf der Seite der Araber ist die Erregung groß. Hunderte Polizisten sowie Panzerautos durchstreifen die Straßen. Berittene Polizei hat sämtliche Zugangsstraßen nach Jerusalem wegen des befürchteten weiteren Zuzugs von Arabern gesperrt. Ein früherer arabischer Angriff durch die Polizei abgewehrt Jerusalem, 23. August. (JTA.) Schon in der Nacht von Mittwoch, den 21., zu Donnerstag, den 22. August, zogen Hunderte Araber aus der Gegend um Jerusalem gegen die von Juden bewohnte Vorstadt Yemin Moshi. Nach Mitternacht begann der Angriff auf die Vorstadt. Die Polizei, die rechtzeitig von dem beabsichtigten arabischen Angriff benachrichtigt worden war, erschien überraschend in der Vorstadt. Die Araber zogen es aber vor, den Angriff mit der Polizei gar nicht aufzunehmen; sie ergriffen die Flucht, es konnte keiner von ihnen festgenommen werden. Vorangegangene kleinere Angriffe Jerusalem, 23. August. (JTA.) Am Mittwoch, dem 21. August, wurde der über 80 Jahre alte Jude Abraham Rosenbaum, ein amerikanischer Staatsbürger, auf dem Wege zur Klagemauer, wo er das Mincha-Gebet verrichten wollte, von Arabern brutal mißhandelt. Eine jüdische Pflegerin, die sich zu ihrer Arbeitsstelle im Krankenhaus in der Altstadt begeben wollte, wurde, gerade als sie im Begriffe war, die Altstadt zu betreten, von Arabern roh mißhandelt. In der Jaffastraßc, der Hauptstraße von Jerusalem, wurde ein Jude von mehreren Arabern überfallen und schwer mißhandelt. In dem Stadtviertel Talpioth veranstalteten junge Araber eine Hetzjagd auf einen jüdischen jungen Mann, und versetzten ihm, als sie ihn erreichten, mehrere Messerstiche. Kriegszustand und Zensur in Jerusalem Desertion der arabischen Polizisten Jerusalem, 24. August. (JTA.) Am Samstag, dem 24. August, herrschte in Jerusalem bis in die Nachmittagsstunden hinein Ruhe. Stärkste Polizeitrupps und Panzerautos sorgen dafür, daß die Ordnung nicht mehr gestört wird. Über der Stadt und der Umgebung kreuzen Aeroplane, um zu beobachten, ob nicht Araber von auswärts in die Stadt ziehen. Die Regierung hat über die Stadt Jerusalem den Kriegszustand verhängt und die Zensur Die Zahl der arabischen Toten während des gestrigen Gefechtes hat sich auf 16 erhöht. Die Zahl der verwundeten Juden ist größer als früher angenommen wurde. Es wurde festgestellt, daß bei Beginn des gestrigen Kampfes die arabischen Polizisten von ihren Posten desertierten. Zurückgeblieben waren nur einige englische Polizisten, die zusammen mit den acht jüdischen Polizisten die Lage angesichts der andrängenden arabischen Massen nicht beherrschen konnten. Zwei jüdische Polizisten wurden in dem Kampfe verwundet. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß die Araber sich zu einem antijüdischen Pogrom von großen Dimensionen vorbereitet haben, und daß das Dazwischentreten einer organisierten jüdischen Selbstverteidigung ein noch weit größeres Unglück von der jüdischen Einwohnerschaft Jerusalems abgewendet hat. Die erregte Stimmung hält in Jerusalem an, es ~ werden weitere Unruhen befürchtet. Arabische Angriffe auf verschiedene jüdische Punkte zurückgeschlagen — Talpioth evakuiert und geplündert Jerusalem, 25. August. (JTA.) Außer dem Angriff auf die Kolonie ,,Bajit wegan“ haben die Araber auch einen Angriff auf die Kolonie Kalandie unternommen; der Angriff wurde abgewehrt, wobei von den angreifenden Arabern vier getötet wurden. Die Araber drangen in einen Teil der Jerusalemer Vorstadt Talpioth ein, aus dem die jüdischen Einwohner geflüchtet waren. Sie plünderten diesen Teil der Vorstadt aus und verursachten auch sehr viel kulturellen Schaden. Sie vernichteten zu einem großen Teil die wertvollen Bibliotheken der Professoren Joseph Klausner und Epstein und des hebräischen Schriftstellers S. J. Agnon. Die Be- CONTINENTAL Schreibmaschinen das Fabrikat der Wanderer-Werke A.G. Hauptvertrieb für Südbayern: Joh.Winklhofer&Söhne München 50 Telephon 73844 :: Forstenrieder Str. 53 Reparaturen aller Systeme