Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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518 Das Jüdische Echo Nr. 35 meiden. Angesichts des riesigen Zuges Heß sicli die Maßnahme nicht reibungslos durchführen. Die Polizei hieb auf die Menge ein. 21 Juden wurden geschlagen, drei von ihnen trugen erhebliche Verletzungen davon. Als die Teilnehmer am Trauerzuge den Friedhof verließen, wurde Herr Dr. v. Weisl, der Korrespondent der Berliner „Vossischen Zeitung“, verhaftet. Man nahm an, daß die Verhaftung wegen seiner am Grabe des getöteten Juden gehaltenen Rede erfolgt sei. ln dieser Rede klagte Dr. v. Weisl die Polizei an, daß sie ihre Pflicht, die angegriffenen Juden zu schützen, nicht erfülle. Nachträglich stellte sich aber heraus, daß die Festnahme auf Grund der Anzeige eines arabischen-Scheichs erfolgt war, der behauptete, daß Dr. v. Weisl ihn beschimpft und geschlagen habe. Dr. v. Weisl wurde nach Feststellung der Personalien sofort auf freien Fuß gesetzt. Im Verlauf des Mittwochs wurden in verschiedenen Teilen der Altstadt Juden von Arabern überfallen und geschlagen. Die Tötung des Buchara-Juden geschah am vergangenen Samstag im Buchara-Viertel. Der Jude ging ruhig seines Weges, als er plötzlich von einem Araber angefallen wurde, der ihm mehrere Messerstiche versetzt und sofort die Flucht ergriff. Einige Tage dauerte der Todeskampf des Opfers. Die Person des Mörders ist noch nicht festgestellt worden. P£LZMOD£A/ im ■B€RNHAFiD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRÄSSE 3 KHUFINGERSTRHSSE 25 BRIENNER STRÄSSE 8 Eine Erklärung der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi über die Vorgänge beim Begräbnis des getöteten Abraham Misrachi Jerusalem, 23. August. (JTA.) Die Zionistische Exekutive Palästinas und der Waad Leumi haben in einer gemeinsamen Erklärung zu den Vorgängen während des Begräbnisses des getöteten Buchara-Juden, Abraham Misrachi, Stellung genommen. In der Erklärung heißt es, daß die Polizei blindlings auf die Menge der jüdischen Leidtragenden losgeschlagen hat, wobei eine große Zahl von Personen, darunter hochbetagte jüdische Bürger, verwundet wurden. Auch diejenigen jüdischen’ Persönlichkeiten, die sich bemühten, die Erregten zu beschwichtigen und die Ordnung im Trauerzuge aufrecht zu erhalten, wurden von den blindwütigen Polizisten mißhandelt. Das Vorgehen der Polizei war ohne Sinn und ohne Mitleid. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi fordern die Regierung auf, die schuldigen Beamten der verdienten Strafe zuzuführen. Gleichzeitig wird an die Judenschaft appelliert, nationale Disziplin zu halten. Das Benehmen derjenigen, die beim Begräbnis ein Gedränge verursachten, wird getadelt; auch wird dies bedauert, daß der Vorschlag der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi, die Route des Trauerzuges zu ändern und nicht durch das Jaffator zu ziehen, nicht beachtet worden war. Weitere Überfälle Jerusalem, 22. August. (JTA.) Im Verlauf des Dienstags und des Mittwochs kam1 es an verschiedenen Stellen der Stadt zu weiteren Angriffen von Arabern auf Juden. Vor einer Schule in der Altstadt wurden jüdische Schulmädchen von einem aus Yemen stammenden Polizisten mit einem Stock geschlagen. Das Haus der Jeschiwah „Thorath Chajim“ wurde wiederum mit Steinen bombardiert, ein Zögling der Jeschiwah wurde mißhandelt. Am Dienstag nachmittag wurde in der Altstadt ein 60 Jahre alter Jude durch Stockschläge erheblich verletzt. Am Dienstag abend wurde in der Nähe des Nablus-Tores ein Jude überfallen und durch Mißhandlungen erheblich verletzt. Am Mittwoch morgen wurden jüdische Arbeiter, die sich auf Fahrrädern zur Universität begaben, wo sie beschäftigt sind, durch arabische Schafhirten angegriffen. Unter den Juden, die bei der Begräbnisfeier des getöteten Buchara-Juden durch die Polizei geschlagen und verletzt wurden, befinden sich Rabbi Berman, Inspektor der Misrachi-Schule, und Herr Braudo. Beide sind Beamte der Zionistischen Exekutive, unter den Verletzten befinden sich außerdem zwei Juden, die über 60 Jahre alt sind. Agitatoren verbreiten unter den Arabern Gerüchte, daß die Juden die Angriffe auf die Araber eröffnet haben und die Klagemauer wie die Omar-Moschee erobern wollen. Ein Memorandum d. Arabischen Exekutive an Luke Jerusalem, 23. August. (JTA.) Die Arabische Exekutive Palästinas hat dem Stellvertretenden Oberkommissar, Herrn Luke, ein Memorandum überreicht, in welchem darüber Beschwerde geführt wird, daß die Regierung es der jüdischen Jugend erlaubt hat, am letzten Donnerstag zu demonstrieren. Diese Demonstration, heißt es in dem Memorandum, hat Gegendemonstrationen der Moslemiten hervorgerufen, was zur Folge hatte, daß eine große Zahl Araber verletzt und 22 von ihnen verhaftet wurden. Die Regierung wird aufgefordert, jüdische Demonstrationen nicht mehr zuzulassen und für die Wiederherstellung der Ordnung zu sorgen.