Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 517 sich die Schlußfolgerung aufdrängen mußte, daß die Absicht bestand, eine Kollision mit den jüdischen Betern hervorzurufen und den Frieden zu stören. Dies traf auch ein, wobei die Polizei sich als unfähig erwies, den Angriff zu verhindern; das Ergebnis war, daß die jüdischen Andächtigen von der Andachtsstätte fliehen mußten, und der jüdische Beamte an der Mauer tätlich angegriffen und beleidigt wurde. Viele Hunderte Araber strömten aus dem Haram- oder Moscheegebiet herbei, wobei sich ein Teil derselben den Durchgang durch das kürzlich an der Mauer geöffnete Tor erzwang. Die hebräischen Gebets- und Psalmenbücher wurden zerrissen, einige verbrannt. Religiöse Dokumente, enthaltend Gebetutensilien, die in den Ritzen der Mauer untergebracht waren, wurden herausgenommen und verbrannt. Während dieser Vorgänge hat die Polizei nicht eine einzige Verhaftung vorgenommen. Am Sonnabend morgen,, während die Juden zur Sabbatandacht versammelt waren, passierte ein geschlossener Zug Araber den Platz vor der Mauer, wobei er das neue Tor an der Mauer als Durchgang benützte. Obwohl die Polizei bestrebt war, den Verkehr zu regeln, gelang es den Arabern, die jüdischen Beter zu verdrängen und sie in der Andacht zu stören. Erst am Sonnabend, 11 Uhr vormittags, als die zionistische Exekutive neuerdings Vorstellungen bei dem zuständigen Regierungsbeamten erhob, wurde dem Unfug durch die Polizei ein Ende bereitet. Das jüdische Empfinden, heißt es am Schluß der offiziellen Erklärung der Zionistischen Organisation, ist durch diese Ereignisse, sowie durch die aus dem Regierungkommunique hervorgehende Tendenz, eine Analogie zu konstruieren zwischen der arabischen Demonstration, die eine Entweihung der heiligsten jüdischen Andachtsstätte tatsächlich zur Folge hatte, und der Ausübung des traditionellen Rechts der Juden, sich am Tischa b’Ab vor der Mauer zu versammeln — mag auch eine solche Versammlung von einem übrigens friedlichen und in Ordnung verlaufenen Protestakt gegen die Verletzung jüdischer religiöser Rechte begleitet sein — in eine tiefe Erregung versetzt worden. Die Zusammenstöße in Jerusalem Jerusalem, 21. August. (JTA.) Die Erregung in Jerusalem im Zusammenhang mit den Vorfällen am Tischa b’Ab und in den folgenden Tagen an der Klagemauer hält an. Unter den Arabern zirkulieren verschiedenerlei übertriebene Gerüchte, die zur Folge haben, daß in jüdischen Vierteln beschäftigte Araber aus Furcht vor Angriffen jüdischerseits es nicht wagen, zu ihrer Arbeitsstätte zu kommen. In einigen Dörfern Jerusalems hielten die Fellachen Massenversammlungen ab, in denen Agitatoren zu Überfällen auf die jüdischen Vorstädte Jerusalems aufforderten. In der Jaffa- Moschee versuchen Mitglieder des moslemitischen Jugend-Klubs die Masse der mohammedanischen Beter gegen die Juden aufzustacheln. Die arabische Presse treibt ebenfalls eine scharfe antijüdische Propaganda. Nachdem am Samstag morgen ein geschlossener Zug Araber während des Sabbat-Gottesdienstes an der Klagemauer über den Betplatz zog und die jüdischen Andächtigen verdrängte, kam es im Verlauf des Tages in verschiedenen Gegenden der Stadt zu Angriffen von Arabern auf Juden, die zum Teil abgewehrt wurden, wobei insgesamt 20 Juden und Araber Verletzungen erhielten. In der Altstadt haben einige Araber auf einen älteren Juden, der ruhig seines Weges ging, Schüsse abgegeben; der Angriffene blieb unverletzt. In der Nähe des Buchara-Viertels griff ein Araber einen Juden mit einem Messer an und verletzte ihn schwer. Einige jüdische junge Leute, die in der Nähe der Hebräischen Universität in einer ruhigen Unterhaltung miteinander begriffen waren, wurden von einer Gruppe Araber angegriffen und, als sie den Angreifern auswichen, mit Steinen beworfen. Am Sonntag wiederholten sich die Zusammenstöße. Drei jüdische Passanten wurden dicht am Nablus-Tore von Arabern angegriffen, mit Stöcken bearbeitet und dann mit Steinen beworfen. Eine andere Gruppe Araber eröffnete ein sehr heftiges und andauerndes Steinbombardement auf die berühmte, von den „Lubawitscher Chassidim“ unterhaltene Lehranstalt „Thorath Chajim“. Der Montag verlief nicht weniger unruhig. In dem stark bevölkerten Stadtviertel „Nachlath-Schimeon“ wurden zwei Juden von Arabern schwer mißhandelt, wobei einer der Angegriffenen erhebliche Verletzungen davontrug. Auch in der übrigen Altstadt wurden einzelne jüdische Passanten insultiert. Am Ramallah-Weg wurde ein Jude von mehreren Arabern geschlagen. Wie nachträglich bekannt wird, wurde eine Gruppe Juden am Samstag in der Nähe des Makkabi-Klubs plötzlich von Arabern angegriffen. Im Zusammenhang mit diesen Zusammenstößen wurden in den letzten Tagen in Jerusalem zahlreiche Personen, zum weitaus größten Teil Araber, verhaftet. Die Klagemauer ist ständig von einem starken Polizeiposten gesichert. An der Klagemauer finden ununterbrochen, auch die Nacht hindurch, jüdische Gottesdienste statt. Die Erregung in Jerusalem ist in Anbetracht der sich häufenden Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden sehr stark. Die Tumulte bei dem Begräbnis des getöteten Buchara-Juden Jerusalem, 22. August. (JTA.) Über die Tumulte bei dem Begräbnis des von einem Araber getöteten Buchara-Juden ist noch mitzuteilen: Das Begräbnis fand am Mittwoch vormittag statt. Sämtliche jüdische Läden in Jerusalem waren zum Zeichen der Trauer geschlossen, mehr als 3000 Personen schritten hinter dem Sarg. Am Jaffa-Tor erwartete ein Polizeidetachement den Trauerzug, versperrte ihm den Hauptweg und zwang ihn, in einen Seitenweg einzubiegen. Die Polizei gab vor, daß diese Maßnahme notwendig sei, um einen Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden zu ver- Gesundheit u.Lebensfreude durch Adelholzener Primusquelle Stärkste Rubidiumquelle in Europa. Heilwasser von auffallender Wirkung bei Stoffwechsel-Störungen, bei Nieren-, Leber- und Blasenleiden, Griefe- und Steinbildung, bei den verschiedenen Frauenkrankheiten, bei Gicht und Arterienverkalkung. Lieferung durch alle Drogerien und Apotheken. 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