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Das jüdische Echo · 1929-08-30 · 35 (30.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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516 Das Jüdische Echo Nr. 35 stens moralisch unterstützen und ihr die Überzeugung vermitteln muß, daß sie nicht allein und verloren steht in diesen schweren Tagen, sondern daß sie sich auf die Treue und auch die Opferwilligkeit der gesamten jüdischen Welt verlassen kann — die jetzt, und das müssen wir als unsere große Aufgabe in diesen Tagen erkennen, dafür zu sorgen hat, daß das frevelhafte Spiel ein Ende nimmt, daß sich englische Instanzen, die Regierung in London vielleicht, gewiß aber die Verwaltung in Palästina, mit den Juden, mit ihren Interessen nicht nur, sondern mit ihren Rechten und ihrem Leben zu spielen erlaubt haben. Über die Hintergründe dieser englischen Politik orientiert der Artikel Dr. Edwards, des Londoner Berichterstatters der „Vossischen Zeitung“, der sich an anderer Stelle dieser Nummer findet, über die schwächliche, klägliche und einseitig gegen die jüdischen Ansprüche gerichtete Haltung der englischen Verwaltung in Sachen der Klagemauer, z. B. der Bericht über die Verhandlungen der Mandatskommission, den wir ebenfalls in dieser Nummer veröffentlichen. Nur zu deutlich erhellt aus diesen Dokumenten, daß, wenn nicht das englische Colonial Office, so doch die Palästinaverwaltung die Rechtsgrundlage der Balfourdeklaration und des Palästinamandats — die Grundlage also auch ihrer eigenen Tätigkeit in Palästina — de facto längst aufgegeben hat. Was aber noch schlimmer ist und was die augenblicklichen Zustände mit Notwendigkeit herbeiführen mußte, ist, daß diese Verwaltung nicht einmal ihrer elementarsten Sorgfaltspflicht genügt hat; von jüdischer Seite vor Monaten auf die große Gefahr aufmerksam gemacht, hat sie es unterlassen für genügenden polizeilichen Schutz zu sorgen, sie hat die Bewaffnung der Araber und die Einwanderung kriegerischer nomadischer Beduinen zugelassen, eine Selbstverteidigung der jüdischen Bevölkerung aber unmöglich gemacht und sie hat auch nicht rechtzeitig um englische Truppen zur Bedeckung des Landes nachgesucht. Noch in der Woche vor dem Ausbruch des Aufstands hat sie Energie und Kraft nur gegenüber den Juden bewiesen, indem sie diesen schwächeren, friedlicheren und deshalb besonders ihren Schutz verdienenden Teil der Bevölkerung durch polizeiliche Maßregelung bis aufs Blut schikanierte, ja, in ihren öffentlichen Erklärungen geradezu verleumdete und auf diese Weise die Araber wenigstens im Anfang noch zu ihrem Vorgehen ermutigte. Und die letzten Telegramme besagen, was ganz zu diesem Bilde paßt, daß zwar arabische Zeitungen erscheinen dürfen, nicht aber jüdische. Zu lange hatten die Araber diese Politik der Schwäche gegenüber dem Stärkeren und der Stärke gegenüber dem anscheinend Schwachen beobachtet, als daß sie hätten Ruhe halten können. Zu lange hatten sie gesehen, daß ihnen nahezu alles erlaubt, den Juden nahezu alles verboten war, als daß sie nicht hätten glauben sollen, sich auf recht einfache Weise der Juden entledigen zu können. Hoffen wir, daß sie als Schwäche der Engländer und Juden deuteten, was nur Dummheit und verbrecherischer Leichtsinn der englischen Beamtenschaft und vielleicht allzulange Fügsam- I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.KostUmstlckareien Burgstraße 16 3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 keit der jüdischen Bevölkerung und der Zionistischen Exekutive war, hoffen wir, daß ihnen der Erfolg ihres Aufstands, der, während diese Zeilen geschrieben werden, im wesentlichen bereits niedergeschlagen sein dürfte, für lange Zeit das Gegenteil beweist. In diesen Tagen der unnennbaren, tiefsten Trauer, in denen sich noch dazu die Größe des Unglücks, das uns betroffen hat, kaum ermessen läßt, ist es schwer, sich den schmerzlichen Gefühlen zu entreißen und die notwendigen Folgerungen zu ziehen aus dem was sich ereignet hat, Man kann nur hoffen, daß das jüdische Aufbauwerk als Ganzes diesen schweren Sturm, der nicht der erste, aber hoffentlich der letzte ist, in seinen Grundlagen unerschüttert überstanden hat. Mit Nachdruck aber müssen alle Juden heute schon von der englischen Regierung verlangen, daß die Ruhe im Lande wieder hergestellt wird, daß in der Palästinaverwaltung endlich einmal durchgegriffen wird und die unfähigen und unwilligen Beamten entfernt und durch Mandatstreue ersetzt werden, daß dem System der verwaltungsmäßigen Judenbedrückung Einhalt geboten und daß es durch ein System der Förderung der Juden ersetzt wird. Dann wird mit vielen anderen Problemen das der Klagemauer seine Lösung finden, und wenn die Araber sehen, daß sie die Juden nicht mehr als Eindringlinge behandeln können, wird auch die Araberfrage ihre Schwierigkeiten verlieren, dann nämlich, wenn das Mandat mit allen seinen Bestimmungen endlich auch in Palästina Anerkennung gefunden haben wird. Und dann werden unsere Opfer vielleicht auch nicht vergebens gefallen sein. I. E. Die Ereignisse an der Klagemauer Offizielle Erklärung der Zionistischen Organisation London, 20. August. (JTA.) Das Hauptbüro der Zionistischen Organisation gibt zu den Ereignissen der letzten Tage an der Klagemauer in Jerusalem die folgenden Tatsachen bekannt: Am Tischa b’Ab zogen jüdische junge Leute, von einer Polizeieskorte begleitet, zur Klagemauer. Dort wurde eine vorher in Tel-Awiw gefaßte Resolution verlesen, in der gegen das Versagen der Palästinaregierung in bezug auf den Schutz einer freien und ungestörten Andacht der Juden an der Klagemauer, wie sie durch das Palästinamandat garantiert ist, protestiert wurde. Die Polizei war während der Verlesung der Resolution zugegen; die Resolution wurde auch formell dem Chefsekretär der Regierung mitgeteilt. Die Kundgebung verlief ohne jeden Zwischenfall. Diese Demonstration, deren Veranstalter vielleicht schlecht beraten waren, war.— auf diese Feststellung wird besonderes Gewicht gelegt ■— das Ergebnis wiederholter Provokationen von der anderen Seite, und sie trug den Charakter eines statthaften Protestes gegen die Palästinaregierung wie auch gegen die zionistischen Autoritäten wegen ihres Versagens bei der Durchsetzung wirksamer Maßnahmen seitens der Regierung. Die Demonstration war in keiner Weise als ein Akt der Feindschaft gegen die Araber gedacht. Am folgenden Freitag, der ein moslemitischer Feiertag war, hat die Regierung eine arabische Demonstration gestattet, obwohl vorher bekannt war, daß die Demonstranten die Absicht hatten, zur Klagemauer zu ziehen, woraus

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