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Das jüdische Echo · 1929-08-30 · 35 (30.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 35 30. Äugust 16. Jahrgang Der Aufruhr München, 28. August 1929. Palästina in Aufruhr, jüdisches Leben und jüdisches Gut in ganz Palästina bedroht! Was zuerst noch der lokale Aufstand verführter und verhetzter arabischer Gruppen schien, raste, ein schrecklicher Sturm, in wenigen Tagen über das ganze jüdische Palästina hinweg und was zerstört wurde, wer vermöchte es heute zu sagen? Der Kampf um die Klagemauer, die einzige, die letzte heilige Stätte der Juden in Palästina, hat sich ausgeweitet zu einem Kampf um die jüdische Existenz und er hat bereits jetzt unerhörte Opfer gekostet. Jn Jerusalem reihen sich seit Mittwoch, dem 21. August, Angriffe auf Angriffe, die ihren Höhepunkt am vergangenen Freitag erreichten, an dem allein 21 Juden getötet wurden. Vorstädte müssen geräumt werden und werden von den Arabern geplündert, zerstört und in Brand gesetzt. Die jüdischen Kolonien werden von Ara- In Palästina bertrupps bedroht, in Hebron haben die Araber anscheinend in einer Art von Blutrausch mehr als 40 Schüler der vor nicht langer Zeit dort gegründeten Jeschiwa abgeschlachtet, Haifa scheint, nachdem in Jerusalem im wesentlichen die Ruhe wieder hergestellt ist, zum Brennpunkt der Ereignisse zu werden, der Kriegszustand ist erklärt, die Zensur eingerichtet. Was sich an Erschütterndem während dieser Schreckenstage zugetragen hat, man kann es sich nur vorstellen. Trauererfüllt und mit wehem Herzen gedenken wir derer, die für unsere friedliche und gerechte Sache fallen mußten, der hinterrücks Ermordeten, der Überfallenen, wie derer, die im Abwehrkampf gegen die entmenschten Angreifer, treu ihrem Volk und ihrem Land ihr Leben hingegeben haben. Und wir gedenken der noch heute bedrohten jüdischen Gemeinschaft in Palästina, der es schleunigst Hilfe zu bringen gilt, die, kann sie auch nicht in materiellen Dingen bestehen, sie wenig- Letzte Meldungen: Die Lage am Mittwoch vormittag Die Gesamtzahl der jüdischen Toten: 120 In Haifa neue Unruhen Jerusalem, 28. August. (,|TA.) Gemäß einer Feststellung des „Waad Leumi“ (Jüdischer Nationalrat Palästinas) wurden bei den Unruhen insgesamt 120 Juden getötet. Die Truppen fahren fort, die Juden zu entwaffnen. In Haifa wurden neuerdings 30 Juden verhaftet und 25 Gewehre von Juden beschlagnahmt. Am Mittwochvormittag wurde die jüdische Kolonie Dilb (Kirjat Anawim) erneut angegriffen. Der Angriff wurde von den jüdischen Siedlern mit Unterstützung von britischen Truppen zurückgeschlagen. Auch die Kolonie Mizpah wurde heute zweimal von Arabern angegriffen. Siedler und Polizei schlugen die Angriffe zurück. Große Farmen rumänischer Juden und eine Mädchenfarm in der Nähe von Haifa wurden durch Araber niedergebrannt. Ruhe in Jerusalem Ungerechte Entwaffnungsmaßnahmen Kairo 27. August (JTA.) Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Kairo hat am Mittwoch gegen 11 Uhr vormittags mit dem Jta-Büro in Jerusalem telephonisch gesprochen. Es wurde mitgeteilt, daß die während der Nacht zu Mittwoch erwarteten Angriffe der Araber auf die jüdischen Viertel ausgeblieben sind; in Jerusalem herrscht heute vormittag Ruhe. Auch im ganzen Lande waren während der Nacht arabische Überfälle nicht zu verzeichnen gewesen. Die Evakuierung verschiedener jüdischer Siedlungen dauert fort. — Wie schon mitgeteilt wurde, hat die Regierung die Evakuierung des Waisenkinderdorfs Shfeja verfügt. Aber die Kolonie Sichron Jakob, unter deren Schutz das Kinderdorf von jeher steht, lehnte die Räumung von Shfeja kategorisch ab. Der Streit wurde so geregelt, daß die Kolonie Sichron Jakob den Schutz von Shfeja bis zum Eintreffen der militärischen Besatzung übernommen hat. Evakuiert wurden die Kolonien Ekron und Bajith Wegan in der Nähe von Jaffa. Die Bevölkerung der jüdischen Kolonien hört nicht auf. gegen die Evakuierungsmaßnahmen zu protstieren. Sie erachtet diese Maßnahme als gefährlich für den jüdischen Besitz und befürchtet, daß die Siedlungen in der Nacht durch die Araber vernichtet werden könnten. Statt sie zu evakuieren, sollte man den Kolonien militärischen Schutz geben. Die Regierung fährt fort, die jüdische Bevölkerung zu entwaffnen. Dabei werden immer wieder Juden verhaftet. Die Behörden machen keinen Unterschied zwischen bewaffneten Räubern und der das Leben der jüdischen Bevölkerung beschützenden Selbstwehr, die in der Zeit, wo die Regierung gegenüber dem Ansturm der Arabermassen machtlos war, ihr Leben für die Erhaltung der Ordnung eingesetzt hat. Obwohl heute größere Truppenformationen im Lande sind, ist die Ruhe noch nicht eingekehrt. In vielen Orten befinden sich die Juden noch in Lebensgefahr. In Hebron z. B. lebt der bei den Massacres mit dem nackten Leben davongekommerte Teil der Judenschaft in schwerer Panik, da jeden Augenblick mit neuen Angriffen zu rechnen ist. Das gleiche gilt für verschiedene andere Punkte im Lande. Die Regierung hat auch die Juden, die britische Staatsangehörige sind sogar britisch-jüdische Regierungsbeamte entwaffnet. Die nichtjüdischen Beamten dürfen ihre Waffen behalten. Die Zionistische Exekutive in Palästina hat gegen diese ungerechten und die Gleichberechtigung wie das Gebot der Ordnung verletzenden Maßnahmen bei der Regierung in Jerusalem und bei der britischen Regierung in London Protest eingelegt.

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