Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Das Jüdische Echo Nr. 34 der Balfour-Deklaration von demselben Gedanken aus, so daß heute im Emek und in der Gegend um den Tiberias-See sowie an der Küste die Hauptpunkte der jüdischen Kolonisation liegen. Es bedarf nur verhältnismäßig wenig Bodens, um diese Gebiete zu einem großen Ring jüdischer Siedlungen zusammenzuschließen. Die notwendigste Tat der Jewish Agency muß die Schaffung einer Bodenreserve sein, die dem jüdischen Nationalfonds zur Verfügung zu stellen ist. Da die landwirtschaftliche Kolonisation die Basis der Kultur ist, und die Grundlage unseres ganzen Lebens in Palästina die Schaffung eines starken jüdischen Bauernstandes ist, ist die Landwirtschaft unsere entscheidende Aufgabe. In einem kleinen Land wie Palästina ist es wesentlich, auf den Gebieten, wo eine Siedlung möglich ist, das Maximum von Menschen anzusiedeln. Hierfür kommt in erster Linie die Küste in Betracht, da sie fruchtbar ist und die Palästina- Orange, die immer größeren Absatz findet, dort gedeiht. Heute strömt eine große Menge jüdischen Kapitals in diese Gegend. Diese kapitalistische Ausbeutung muß aber in Einklang gebracht werden mit der Notwendigkeit, die Küste mit jüdischen Bauern dicht zu besiedeln. In den nächsten Jahren dürfte auch die städtische Kolonisation, d. h. die Anregung der Privatinitiative in Industrie und Handel, einen großen Aufschwung nehmen. Palästina kann eine Brücke werden, auf der Handelsbeziehungen auf allen Seiten der Welt angeknüpft werden. Eine starke jüdische Gemeinschaft wird in diesem Verkehr eine große Rolle spielen. Der Hafenbau in Haifa und das neue zum Teil bereits fertiggestellte Elektrizitätswerk bedeuten die Eröffnung dieser neuen Entwicklung des Landes. Es ist aber notwendig, einen Organismus zu schaffen, der sich um alle diese Dinge kümmert, da ein gesundes Verhältnis wohl erst dann entstehen wird, wenn mindestens 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung der Landwirtschaft angehören und der Rest allen anderen Gebieten. Für den Anfang dürfte es möglich sein, entsprechend der Berechnung der Survey-Kommission jährlich tausend Familien, d. s. 4000 bis 5000 Seelen auf dem Lande anzusiedeln. Mit den anderen Einwandererkategorien zusammen käme man zu einer Immigration von 15 000 bis 20 000 Seelen jährlich, also von 100 000 in den nächsten 5 Jahren. Für die Ansiedlung von 1000 Familien jährlich würde ein Budget von 700 000 Pfund genügen, da für eine Familie ungefähr 600 bis 700 Pfund notwendig sind, ein Teil der Kosten aber aus eigenen Mitteln fließen würde. Lee K. Fränkel (Mitglied der Survey-Kommission) gibt einige Erläuterungen zum vorliegenden Bericht der Survey-Kommission. Die arabische Bevölkerung wachse trotz der jüdischen Einwanderung viel stärker als die jüdische. Nur ein Zehntel von Palästina sei jüdisches Land, neues Land müsse zu hohen Preisen gekauft werden. Einem Import von 25 Millionen steht ein Export von nur 6 Millionen gegenüber. Bei intensiver Förderung der Industrie können Produkte fabriziert werden, die einen Gewinn abwerfen. Auch Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST die Orange sei als eine Art Industrie zu betrachten, aus der, wenn man sie richtig durchführe,, jährlich 50 vielleicht sogar 100 Millionen Dollar erzielt werden können. Aber nur 9 Prozent der Orangen-Pflanzungen sind in Händen der Juden. Das Tote Meer müsse noch gründlich untersucht werden, da es nach Ansicht von Experten auch Öl enthält. Auch der Touristenverkehr ließe sich noch sehr heben. Es ist aber notwendig, daß man ein Programm auf viele Jahre im voraus festlegt. Es muß eine Wirtschaftsorganisation, ein kapitalistisches Unternehmen außerhalb jeder Philosophie gegründet werden. Jetzt wo die Jewish Agency gebildet ist, müssen wir in viel größeren Ziffern denken als der von der Kommission aufgestellten 1 Million Pfund pro Jahr. Die alten Finanzinstitute müssen entweder zusammengefaßt oder ein neues Finanzinstitut gegründet werden. Bereits haben sich zwei Männer bereit erklärt,, in ein solches Institut, das vielleicht 10—15 Millionen Pfund erfordern wird, je 500 000 Dollar zu investieren: Lord Melchett und Felix Warburg. (Stürmischer Beifall.) Felix Warburg (Mitglied der Survey-Kommission) führt aus, es hänge vom Vertrauen, das durch die neue Verbindung von Zionisten und Nichtzionisten in der Welt gewonnen wird, ab, wie weit das Programm von Dr. Weizmann ausgeführt werden kann. Oberrabbiner Löw (Ungarn) erklärt, zwei hervorragende Abgeordnete in Ungarn hätten behauptet, daß er hier nur als Person erscheine, aber nicht die ungarischen Juden vertrete. Demgegenüber stelle er fest, daß er im ungarischen Parlament zusammen mit Fr. Reich die ungarischen Juden und bei dieser Versammlung den ungarischen Verein Pro Palästina vertrete. Er halte es für ein Zeichen naiver Verblendung, wenn man es mit dem ungarischen Patriotismus für unvereinbar erkläre, sich um die Angelegenheiten des Gesamtjudentums zu kümmern. Die Agency sei dazu berufen, alle Schattierungen des zeitgenössischen Judentums widerzuspiegeln und sie gleichzeitig zu einer nuen Einheit zu verschmelzen. In der Sitzung des Council am Montag nachmittag, in der die Hauptaussprache zu Ende geführt wurde, kamen in der Hauptsache Palästinenser ^und Zionisten zu Worte. Dr. Schmarjahu Lewin führte aus: Wir dürfen unser Instrument, den Keren Hajessod nicht aufgeben. Sie, die Nichtzionisten, sind von denselben Momenten getrieben, die uns vor 40 Jahren zu Palästina führten. Sie sind heute dieselben guten ud treuen Anhänger der Palästina-Idee. Nach 10 oder 15 Jahren werden wir vielleicht den Keren Hajessod nicht mehr brauchen. Die Arbeit wird leichter werden, weil wir neue Energien bekommen haben. Arlosoroff spricht im Namen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. Das arbeitende Palästina hat sich entschlossen hinter die Politik der Erweiterung der Jewish Agency gestellt, weil es zu sehr an die Macht der Pioniere der jüdischen Arbeit glaubt, als daß es die Einbeziehung neuer schöpferischer Kräfte in den Bereich des jüdischen Palästina fürchten würde. BlumenSeld setzt auseinander, daß Erez Jisrael nur durch unsere eigene Arbeit erobert werden kann, weil wir in diesem Lande Funktionen erfüllen müssen, die in allen anderen Ländern Aufgaben des Staates sind. In keinem Staate der Welt kann die Landwirtschaft ohne staatliche Hilfe existieren. Nun dürfe man aber die Wirtschaftlichkeit, die man für den Aufbau Palästinas