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Das jüdische Echo · 1929-08-23 · 34 (23.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 34 23. August 16. Jahrgang Unterzeichnung der Jlgency-Yerfassung Feierliche Schlußsitzueg — Dr. Wcizmann Präsident, Edmond de Rothschild Ehrenpräsident der Hgency Zürich, 14. August. (JTA.) Unter dem Vorsitz von Louis Marshall hielt der Council der Jewish Agency am Mittwoch, dem 14. August, nachmittag, seine feierliche Schlußsitzung ab. Die letzte Sitzung des Council hat an Stimmung und dramatischer Wucht vielleicht noch die glänzende Eröffnung übertroffen. Alle Teilnehmer der Sitzung, Zionisten und Nichtzionisten, waren erfüllt von freudiger Erregung, und die innere Bewegtheit kam eruptiv zum Ausdruck in dem begeisterten Jubel, der den Akt des formellen Abschlusses wiederholt unterbrach. Die Estrade, über der das Herzl-Bild und die Palästinakarte hängen, ist mit Blumen geschmückt. Marshall eröffnet die Sitzung und schlägt zunächst vor, zum Ehrenpräsidenten der Jewish Agency Baron Edmond Rothschild (Paris) zu wählen. (Großer Beifall.) Sodann beantragt er die Wahl Dr. Weizmanns zum ersten Präsidenten der Jewish Agency. Der ganze Saal bringt Weizmann die verdiente Huldigung dar. Zu Vorsitzenden des Council wird M a r s h a 11 und Lord Melchett, zum Vorsitzenden des Administrativ-Komitees Felix Warburg gewählt. Sodann werden 40 Mitglieder des Administrativ-Komitees gewählt, und zwar 20 Zionisten und 20 Nichtzionisten und die doppelte Zahl von Stellvertretern. Eine Exekutive der Agency wurde nicht gewählt, es wurde beschlossen, vorläufig die Exekutive der Zionistischen Organisation zu übernehmen. Innerhalb von sechs Monaten soll die Zahl der Mitglieder der zionistischen Exekutive durch das Administrativ-Komitee bestimmt werden. Die amerikanischen Nichtzionisten werden, so heißt es, einige hervorragende Fachleute in die künftige Exekutive delegieren, die ihren Sitz in Palästina haben wird. Marshall verliiest sodann die Konstitution. In Artikel 3 wurde unter den Zwecken der Agency noch eingefügt: „Die Agency soll in den Bereich ihrer Tätigkeit die Sorge für die Befriedigung der jüdisch-religiösen Bedürfnisse aufnehmen, wobei volle individuelle Gewissensfreiheit verbürgt und gesichert wird.“ Die Konstitution der Agency wird von der Versammlung en bloc angenommen. Als Marshall sagt: „Ich erkläre die Konstitution als angenommen, und ich erkläre, daß damit die Jewish Agency ins Dasein getreten ist“, ertönt frenetischer Beifall. Marshall fährt fort: „Der Vertrag wird jetzt unterschrieben werden; wir haben dann vorwärts zu schreiten mit der heiligen Arbeit.“ Weizmann und M a r s h a 11 halten kurze Ansprachen und schütteln einander unter fortwährendem Applaus die Hände. Es folgt dann die Unterzeichnung. Das Dokument liegt auf einem besonderen Tisch auf erhöhtem Podium, das als erster Dr. Weizmann besteigt. Mit starker innerer Bewegung richtet er nach der Unterschrift einige Worte an die Versammlung und schließt mit Schalom. Als zweiter unterschreibt Sokolow und sagt Schehechejonu, dann folgen die Unterschriften der nichtzionistischen Delegationen. Die Länder werden aufgerufen nach ihrem englischen Namen in alphabetischer Reihenfolge, als erstes Österreich (Austria). Als die Reihe an Deutschland kommt, und Wassermann, der sich schnell zu einer der beliebtesten Figuren des Council gemacht hat, das Podium besteigt, tönt zum erstenmal heftiger Applaus durch den Saal. Manche Vertreter halten kurze Ansprachen; der Vertreter der polnischen Juden will etwas sagen, aber ihm versagt die Stimme vor Rührung. Für die Vereinigten Staaten unterzeichnen unter lang andauernden Beifallssalven Marshall, Felix Warburg und Lee Fränkel. Zum Schluß wird die Hatikwah gesungen. Der Verlauf der Verhandlungen Über die Eröffnungssitzung des Councils haben wir in der letzten Nummer bereits berichtet. In der ersten Arbeitssitzung des Councils der Jewish Agency am Montag vormittag entwickelte Dr. Weizmann das Arbeitsprogramm der Agency. Hinsichtlich, der politischen Vorbedingungen weist Dr. Weizmann darauf hin, daß die Palästina-Regierung bis heute keine Ländereien für jüdische Siedlungen zur Verfügung gestellt hat und das Land zu hohen Preisen gekauft werden muß. Wir fordern daher eine Beschleunigung der Katastrierung, damit wir Gewißheit haben, ob uns Ländereien überhaupt zur Verfügung gestellt werden können. Die Beisan-Böden, die von Sir Herbert Samuel den Arabern zur Verfügung gestellt wurden, sind von diesen bis heute kaum bearbeitet worden. Es muß daher eine Vereinbarung mit den arabischen Besitzern getroffen werden, damit ein Teil dieser Ländereien für jüdische Kolonisation eröffnet wird. In letzter Zeit trägt zwar die Regierung einen Teil des Budgets des jüdischen Erziehungswesens, aber durchaus nicht in genügender Weise. Und auch im Gesundheitswesen trägt sie nur indirekt zu den Ausgaben bei, obwohl auch die Survey- Kommission das Gesundheitswesen als eine Aufgabe der Regierung betrachtet. In der Stärkung der jüdischen Industrie sind einige Fortschritte, speziell auf dem Gebiete des Zoll- und Tarifwesens, erreicht worden, bei ausgiebigerer Unterstützung durch die Regierung dürfte man eine weit größere industrielle Entwicklung in Palästina erwarten. Die Verhandlungen mit der Regierung werden oft dadurch erschwert, daß die Regierung mit fertigen Verordnungen oder Gesetzesvorschlägen kommt. Eine engere Zusammenarbeit der Regierung mit uns würde die Arbeit wesentlich erleichtern. Unter den praktischen Arbeiten der Jewish Agency hebt Dr. Weizmann die Schaffung geschlossener jüdischer Siedlungen in Palästina hervor. Auch die Zionistische Organisation ging nach

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