Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- Seite 494 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9176052--09696-9082605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
AU Nr. 33 Das Jüdische Eehö für Erez Jisrael bringen, beweisen, daß wir Juden, die als Praktiker, Rechenmeister und Krämer hingestellt werden, die größten Idealisten geworden sind. Sokolow schließt mit der Aufforderung, daß alle sich heute als Juden freuen sollten, weil dieser Tag mehr schaffe als lange Zeiten in der Geschichte. Nach der Wahl eines Legitimationsausschusses zur Prüfung der Mandate aus den Mitgliedern Cyrus Adler, M. Gronemann, Berl Locker, Max Schulmann. Lasky und Ader schließt Präsident Weizmann kurz nach 6 Uhr die Sitzung. Die Versammlung erhebt sich und singt spontan die „Hatikwah“. Die große Stunde In seiner Ansprache in der Eröffnungssitzung des Komitees der Jewish Agency in der Tonhalle in Zürich hezeichnete Louis Marshall, der Führer der amerikanischen nichtzionistischen Delegation, diese Versammlung als die außerordentlichste, an der er je teilgenommen habe. Diese Feststellung mag der größte Teil der Dreitausend, die jene große Stunde miterlebt haben, für sich getroffen haben. Es sind die Führer der jüdischen Gesamtheit gewesen, die in Zürich gesprochen haben — sie durften im Namen der ganzen Judenheit reden und sie haben zu den Vertretern der ganzen Judenheit gesprochen; die politischen Führer des Judentums und die geistigen und die der Wirtschaft — neben Weizmann und Sokolow Leon Blum und Herbert Samuel, neben dem Rabbi Usiel aus Jerusalem Albert Einstein, neben dem Rabbi Lipszyc aus Polen Arlosoroff und Kaplansky Oskar Wassermann Lord Melchett und Felix Warburg — alle differierenden Tendenzen des modernen Judentums waren hier aufgehoben, wo es galt, das Mandat des Völkerbundes für Palästina soweit ganz zu erfüllen, als es die Juden angeht, wo es galt, nachdem dreißig Jahre lang nur die Zionistische Bewegung in politischem Sinne Träger und Schöpfer der jüdischen Geschichte gewesen war, die ganze Judenheit wiederum zum Subjekt ihrer Geschichte zu machen. Und daß es ein Nichtzionist war, Oskar Wassermann, der gerade dieser letzten Erkenntnis Ausdruck verlieh, das zeigt, wie groß der Sieg ist, den hier die zionistische Idee errungen hat. Die zionistische Idee, aber gewiß in erster Linie ihr Bannerträger: C h a i m Weizmann, der unermüdlich, zähe, mit bewundernswerter staatsmännischer Kunst diese Stunde herbeigeführt, dessen Arbeit allein sie ermöglicht hat. Und auch dies zeigt die einigende, die erhebende Kraft dieser historischen Stunde, daß dieses Verdienst Weizmanns anerkannt wurde von einem Manne, der immer als Revolutionär im Zionismus gegolten und Weizmanns Politik bekämpft hat, von Ussischkin. Zionist oder Nichtzionist — wer diese Stunde miterleben durfte, hat empfunden, was das jüdische Volk Weizmann verdankt; hat aber auch empfunden, daß dieser große Anfang verpflichtet, daß aus ihm eine große Entwicklung folgen muß, eine Empfindung, für die wiederum Ussischkin die rechten Worte fand, als er allen Menschen mit grauen Haaren, die am Präsidiumstisch saßen, wünschte, daß sie alle die Zeit noch erleben möchten, wo Palästina aufhört Palästina zu sein und Erez Jisrael sein wird. Die beglükkende Zuversicht, daß es so sein wird, beherrschte die Stunde in Zürich — man wird den 5. Ab 5689 in den Annalen der jüdischen Geschichte zu verzeichnen haben. I. E. Der Abschluß des XVI. Zionistenkongresses Die neue Exekutive Nach einer Sitzung, die die ganze Nacht von Sonnabend zu Sonntag andauerte, ist der XVI. Zionistenkongreß am Sonntag, dem II. August, 9 Uhr morgens, zu Ende gegangen. Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation wurde Prof. Dr. Chaim Weizmann, zum Präsidenten der Zionistischen Weltexekutive wurde Nahum Sokolow wiedergewählt. Der Kongreß brachte beiden Führern stürmische Ovationen dar. Als weitere Mitglieder werden in die Exekutive en bloc gewählt: Miss Szold, Lazarus Barth, Rabbi Meier Berlin, Professor Brodetzky, Ing. Kaplansky, Colonel Kish, Louis Lipsky, Felix Rosenblüth, Dr. Ruppin, Harry Sacher, Sprinzak. Der Kongreß wählte diese aus Mitgliedern des Zentrums, des Misrachi und der beiden Arbeiterparteien zusammengesetzte Exekutive, ohne eine Einteilung zu machen in eine Londoner und in eine Palästinaexekutive und ohne die Agenden der einzelnen/Mitglieder der Exekutive näher zu bestimmen. Die Revisionisten stimmten gegen Weizmann und die Mitglieder der Exekutive, bloß bei der Wahl Sokolows enthielten sie sich der Stimmabgabe. Der Kongreß wählte 54 Mitglieder und 54 .Ersatzmitglieder in das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation. Die Mitglieder und die stellvertretenden Mitglieder des Aktionskomitees bilden zusammen den zionistischen Teil des Council der Jewish Agency. Ferner wählte der Kongreß als Virilisten in das Aktionskomitee und in die Agency M. M. Ussischkin, Leo Motzkin und Dr. Schmarjah Lewin. Mit dem Absingen der „Hatikwah“ ging der XVI. Zionistenkongreß zu Ende. Die Verhandlungen der 2. Woche In der 11. Sitzung vom Montag, 5. August, nachmittag erstattete Miß Szold den Bericht des Gesundheits- und Erziehungsdepartements. Uber das Erziehungswesen macht sie im besonderen folgende Ausführungen. Sie bestreitet, daß die Exekutive das Erziehungswesen der Regierung ausgeliefert habe. Dagegen prüfe sie natürlich deren Vorschläge und akzeptiere sie, wenn sie ihr nützlich erscheinen. Auch wenn die Regierung die Erziehungstätigkeit der Zionistischen Organisation in mancher Hinsicht unterstütze, so müsse doch ihre ungerechte Politik, die Subvention nach dem Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur arabischen und nicht nach der Zahl der Schüler zu gewähren, bekämpft werden. Die Grundlagen des zionistischen Erziehungswerkes sind administrative Einheit und pädagogische Autonomie gegenüber .äußeren Einflüssen und inner jüdisch gegenüber den verschiedenen Schulkategorien. Rednerin beschuldigt den Misrachi, sich gegen die administrative Einheit versündigt zu haben und belegt dies an Hand von Beispielen aus den Kolonien. Auch die Linke habe diese Einheit verletzt, indem sie keinen Vertreter im Erziehungsdepartement hezeichnete. Die Zionistische Organisation sei die Eigentümerin der zionistischen Schulen und habe daher nicht nur die Pflicht, die Lehrer zu bezahlen, sondern auch das Recht, für eine gesunde pädagogische Entwicklung zu sorgen, über die Verwendung der verschiedenen Fonds dürfe nur eine einzige Institution, und zwar die Zionistische Exekutive, verfügen. Immer noch fehle es an einem richtigen Erziehungsstatut.