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Das jüdische Echo · 1929-08-16 · 33 (16.8.1929) · p. Seite 492

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
Seite 492 (sequence 4)
Language
German
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492 Das Jüdische Echo Nr. 33 Interessenvertreter der Schweizer Judenheit mit großer Mehrheit beschlossen habe, an der Jewish Agency teilzunehmen. Rabbi Lipszyc begrüßt, daß die Aufbauarbeit im Heiligen Lande nunmehr Sache des gesamten jüdischenVolkes werden solle und drückt seine Hoffnung aus, daß durch die Agency auch denjenigen jüdischen Volksteilen der Weg zum Anschluß geebnet werde, die in unserer Mitte heute noch fehlen, weil sie aus religiösen Gründen ihren Drang nach Erez Jisrael noch unterdrücken zu müssen glauben. Rabbi Uziel überbringt in feierlichen Worten die Grüße der Knesseth Jisrael in Erez Jisrael, die sich freue, zu sehen, wie auch die Knesseth Jisrael der Galuth sich bildet. Sir Herbert Samuel weist darauf hin, daß sich heute zum ersten Male seit Tausenden von Jahren Vertreter des gesamten Judentums, geeint durch das Land, zur Erreichung gemeinsamer Zwecke zusammenfinden. Er würdigt die großen politischen, wirtschaftlichen und administrativen Verdienste der Zionistischen Organisation und spricht seine Ansicht dahin aus, daß diese ihre Sonderexistenz auch weiterhin nicht aufgeben, sondern ihre eigene ursprüngliche Kraft entwickeln werde, um die entscheidende Begeisterung der Massen des jüdischen Volkes zu wecken. Es war von der Zionistischen Organisation richtig, daß sie mit staatsmännischem Weitblick die Sitze im Council der Jewish Agency denen anbot, die mitarbeiten wollen. Aber es ist auch richtig, daß sie die Präsidentschaft der Jewish Agency behält, zumal ihr Führer Dr. Weizmann die Achtung und das Vertrauen der Großmächte und der ganzen Welt genieße. Sir Herbert Samuel dankt auch den amerikanischen Juden, die soviel für den Aufbau Palästinas getan haben und besonders auch Lord Balfour, der unsere Sache zu der seinigen gemacht habe, sowie Lord Melchett, dem Vorsitzenden der Palestine Joint Survey Commission. Die Aussichten für die Zukunft Palästinas sind günstig, die wirtschaftliche Depression vorüber, und die Anfänge einer neuen jüdischen Kultur auf der Grundlage der hebräischen Sprache bereits vorhanden. Politisch ist die Situation in Palästina schwieriger, aber keineswegs ungünstig. Die jüdische Palästinasache,, so versichert Samuel, werde in Großbritannien die Förderung jeder Regierung und jeder Partei finden. Er hoffe, daß die Jewish Agency, die unter den Augen der Geschichte arbeite, alle äußeren und besonders auch inneren Schwierigkeiten überwinden und das gemeinsame Werk zum Erfolg führen werde. Louis Marshall bezeichnet als den Zweck dieser außerordentlichsten Versammlung, an der er je teilgenommen habe, die Vereinigung der Zionisten und Nichtzionisten für den Aufbau Palästinas herbeizuführen. Er sei davon überzeugt, daß bei allen Meinungsverschiedenheiten als Ergebnis der Organisierung der erweiterten Jewish Agency Palästina aufgebaut werden wird. Das noch vorhandene Mißtrauen werde schwinden, wenn man sich gegenseitig kennen lerne. Auch wenn jede Partei durchaus berechtigt sei* nach ihrer Art zu wirken, so sei es doch die Hoffnung aller, daß eine Verbindung eintreten wird, sobald man mit der praktischen Arbeit beginne. Die Zeit des Träumens ist vorüber. Setzen wir uns'daher zusammen, aber nicht um zu reden, sondern um praktisch zu denken. Dieses Programm wird zum Erfolg führen, wenn man von der Einigung zwischen Zionisten und Nichtzionisten auch keine Wunder erwarten darf. Wenn man von Palästina spricht, soll man geschäftlich sprechen im Sinne eines Durchschnittsmenschen. der vorwärts kommen will. Es sei aber ein Fehler, wenn man in den Amerikanern nur Geldsäcke sehe. Ihr Wohlstand lediglich verpflichte sie als Juden, ihren Brüdern zu helfen. Aber Geld kann nicht alles tun, und wir stehen Schulter an Schulter mit den Zionisten* geleitet durch das gleiche Ideal der Pflicht und geeint durch die staatsmännische Kunst Dr. Weizmanns, der das Problem und die Psychologie des amerikanischen Judentums verstand. Marshall weist weiter auf die Bedeutung auch der Religion im Aufbauprogramm hin und gibt, indem er auf den bevorstehenden 9. Ab Bezug nimmt, seiner Hoffnung Ausdruck, daß ein Tag der Freude kommen werde, an dem wir alle verstehen, daß wir ein Volk sind und uns in einem Geiste vereinen. Professor Albert Einstein sieht die Tragik des modernen Juden darin, daß er wohl eine Nation repräsentiere, aber eine Nation, die atomisiert ist. Herzl habe den Ausweg aus dieser tragischen Situation erkannt, nämlich die Errichtung eines eigenen Heimes. So klar aber dieser Gedanke war, er wurde von den Juden nicht verstanden und bekämpft, weil man fürchtete, er könne die Positionen der Juden in den Wohnländern gefährden. Und heute sehen wir, daß Herzl gesiegt hat. Einen großen Teil der Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung seines Zieles entgegensetzen, hat unser großer Führer Weizmann überwunden. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Palästinaaufbau heute nicht nur eine große Aufgabe, sondern auch ein großes Geschenk für alle Juden bedeutet. Der tapferen und begeisterten Minorität der Zionisten, der die nationale Solidarität des jüdischen Volkes zu verdanken ist, müsse daher das moralische Recht eingeräumt werden, auch in Zukunft einen bedeutenden Einfluß auf die Arbeiten auszuüben. Lord Melchett begrüßt die Tagung als Präsident der englischen zionistischen Föderation. Er sage offen, daß das Mandat noch nicht verwirklicht worden sei, er hoffe aber, daß die erweiterte Agency einen stärkeren E \ n f ßu ß in dieser Richtung werde ausüben können. Den Optimismus von Sir Herbert Samuel in bezug auf die politische Lage in Palästina könne er nicht teilen, und er sei überzeugt, daß die Errichtung des nationalen Heims einzig und allein von uns selbst abhänge. Die Vorbedingung für diese wohl schwerste Aufgabe ist die Einigkeit innerhalb der Jewish Agency. In der aus dem Weltkrieg hervorgegangenen Möglichkeit, Erez Israel wieder zü errichten, sieht Melchett keinen Zufall, sondern eine göttliche Fügung. Er hofft, daß die Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten verschwinden, und es nur noch die gemeinsame Arbeit aller Juden für den Aufbau Palästinas geben wird. Leon Blum erklärt, daß er als Sozialist der heutigen Tagung nicht beiwohnen würde, wenn das zionistische Werk wirklich, wie manche behaupten, nichts anderes wäre als der Ausdruck des jüdischen Nationalismus und Fanatismus. Denn der internationale Sozialismus strebe darnach, die Nationen in einer höheren Menschlichkeit zu vereinen. Nun sehe er aber gerade im jüdischen Gemeinwesen in Palästina, das unter dem Schutze aller anderen Nationen und des Völkerbundes steht, die Antizipation der kommenden internationalen Nation. Palästina kann ein wunderbares Versuchslaboratorium für alle Reformen sein, die

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