Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 33 16. August 16. Jahrgang Die Tagung des Hgency Councils Feierliche Eröffnung — Bedeutsame Hnsprachen Am Sonntag, dem 11. August, 3 Uhr nachmittags, trat in der Tonhalle zu Zürich der Council der Jewish Agency zu seiner ersten Tagung zusammen. Außer den zionistischen und nichtzionistjschen Mitgliedern des Councils der Agency hatten sich mehr als 2000 Gäste aus allen Ländern zu der Eröffnungssitzung eingefunden. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Spannung unter den Anwesenden war groß. Bei allen herrschte das Gefühl vor, daß man einem historisch-denkwürdigen Akt beiwohnt, da zum erstenmal in der neuern jüdischen Geschichte eine so große Zahl bedeutender Juden sich auf einem Platz zusammenfindet, um über die Schicksalsfrage des Judentums zu beraten. Professor Albert Einstein, Lord Melchett, Dr. Weizmann, Louis Marshall, Felix M. Warburg, Sir Herbert Samuel, Direktor Oskar Wassermann und Schalom Asch wurden bei ihrem Erscheinen auf der Estrade mit rauschenden Ovationen begrüßt. Als Dr. Weizmann die drei symbolischen Hammerschläge vollzog, legte sich der Lärm sofort und es trat eine fast atemlose Stille ein. Weizmann begann seine Eröffnungsansprache hebräisch, setzte sie englisch fort und trug den Hauptteil seiner Ausführungen in deutscher Sprache vor. Er begrüßt im Namen der Zionistischen Organisation die Freunde, die von Nah und Fern gekommen sind, um an der konstituierenden Sitzung des Councils der erweiterten Jewish Agency teilzunehmen. Der Aufbau Palästinas, so führt Dr. Weizmann aus, ist nicht das Monopol irgendeines Teiles der Juden, sondern das gemeinsame Vorrecht und die gemeinsame Verpflichtung der jüdischen Gesamtheit. Mit dem heutigen Tage wird die Verantwortung in die Hände der erweiterten Agency gelegt, in der sich die Vertreter der Judenheit fast aller Länder zusammenfinden. Die erste Epoche des Palästinaaufbaus, aus der der Name Edmond de Rothschild hervorragt, ist abgeschlossen. Aus kleinen Anfängen ist eine jüdische Bevölkerung mit selbständiger wirtschaftlicher und sozialer Struktur mit dem Anfänge einer nationalen Kultur, dessen Ausdruck die wieder belebte hebräische Sprache ist, entstanden. Durch die politischen Ereignisse,, vor allem das Palästinamandat und durch den materiellen Zusammenbruch des osteuropäischen Judentums, sowie die Einwanderungssperre nach den überseeischen Ländern haben sich die Verhältnisse jedoch grundlegend geändert, und Palästina ist von selbst zur zentralen jüdischen Aufgabe geworden, als ein Land, das nach der Ansicht der Zionisten die Möglichkeiten bietet für die Gründung und Sicherung; jüdischer Existenzen in großem Umfange und zugleich für die Entstehung einer eigenen jüdischen Kultur und eines jüdischen Heimatgefühles, das auch für die Juden in den anderen Ländern einen ideellen Wert bedeutet. Die Zionistische Organisation hat die erforderlichen politischen Schritte getan, um die Anerkennung des jüdischen Rechtes auf eine Heimstätte in Palästina durch die Völker zu erhalten. Die Balfour-Deklaration richte sich an die gesamte Judenheit, und es ist daher nur folgerichtig, wenn wir nunmehr an die jüdischen Gemeinden der Welt herangetreten sind, um die Kräfte des Gesamtjudentums für das Aufbauwerk zu mobilisieren. Die Liebe und zähe Hingabe der jüdischen Einwanderer reichen zur Lösung der Aufgabe nicht aus, wenn nicht auch wirtschaftliche Erfahrung, technische Fähigkeiten und bestimmte Machtmittel hinzukommen. Als Vorbereitung für die künftige Tätigkeit der Jewish Agency sollte daher der Bericht der Joint Palestine Survey Commission dienen, der eine umfassende Untersuchung der politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und Notwendigkeiten Palästinas empfiehlt. Nach manchen Rückschlägen steht Palästina heute am Beginn einer verheißungsvollen Epoche, und es wird eine Aufgabe der Jewish Agency sein, Mittel und Wege zu finden,, um die Möglichkeiten für eine jüdische Einwanderung, für die Vergrößerung der Bodenflächen und die Fundierung wirtschaftlicher Positionen zu schaffen. Als Hauptaufgabe der Tagung bezeichnet Dr. Weizmann eine Verfassung für die Jewish Agency, die die Funktionen des Artikel 4 des Mandates zu erfüllen haben wird, zu beschließen. Auf Grund des vorbereiteten Entwurfes, der vom Zionistenkongreß mit einigen kleinen Änderungen angenommen wurde, dürfte eine Einigung leicht erzielt werden. Das gegenseitige Vertrauen und die gemeinsame praktische Arbeit an einer allen teuren Sache wird, so hoffe er, die heute noch vorhandenen Verschiedenheiten überwinden und den Ausgangspunkt für eine neue große Einheit, die auf gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamer Liebe zum Judentum beruht, bilden. In diesem Sinne glaube er, daß der heutige Tag, der 5. Ab 5689, als historischer Tag in den Annalen der jüdischen Geschichte verzeichnet bleiben werde. Minister Dinichert vom Eidgenössischen politischen Departement entbietet der Tagung die Willkommensgrüße der Schweizerischen Bundes- und Kantonalbehörden sowie ihre Wünsche zum Gelingen der Jewish Agency. Mister Frees von der Mandatssektion des Völkerbundes begrüßt die Tagung im Namen des Völkerbundes und erklärt im Aufträge des Generalsekretärs des Völkerbundes, dieser hoffe, daß der jetzt unternommene Schritt, die Jewish Agency auf eine breitere Basis zu stellen, sich günstig auf die Verwirklichung der im Mandat festgelegten Ziele auswirken werde. Dreyfus-Brodsky heißt die Tagung im Namen des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes sowie der israelitischen Kultusgemeinde Zürich willkommen und teilt mit, daß auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund als