Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- Seite 483 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 483 tik der Palästina-Exekutive gegenüber dem Jischuw wurde durch zwei Hauptprinzipien bestimmt: a) Ermutigung des Jischuw bei allen Gelegenheiten und in allen Arbeitsgebieten, damit er seine eigene Kraft der Selbsthilfe entwickle und seine eigenen verantwortlichen Maßnahmen ergreife, b) Die Exekutive war stets bereit, Rat, Hilfe und Intervention da zu gewähren, wo wichtige Interessen des Jischuw in Kontakt mit den Verwaltungsbehörden traten. Kein Problem aber war so schwer wie das der Arbeitslosigkeit. Es gab 7000 bis 8000 Arbeitslose und außerdem eine große Reihe nicht zu der arbeitenden Klasse gehörender mittelloser Personen. Es gelang der Exekutive, die Regierung dazu zu überreden, daß sie einen Tiel der Verantwortung auf sich nahm. Heute gibt es keine wirkliche Arbeitslosigkeit mehr in Palästina. Auf dem Gebiete der Kolonisation hatte die Exekutive die schwere Bürde einer verfahrenen Situation zu tragen. Kaum eine der bestehenden Kolonien war fertiggestellt. Es galt, das Bestehende zu erhalten; es gelang in der Tat, die bestehenden Siedlungen zu erhalten und einen kleinen Schritt zu ihrer Konsolidierung zu machen. Die bestehenden Siedlungen fertig zu machen ist eine Aufgabe, die jeder anderen vorangehen muß. Schließlich besprach Sacher das Verhältnis der Exekutive zu Keren Hajessod und Keren Kajemeth. Die Exekutive vertritt den Standpunkt, daß sie das oberste Organ der Organisation ist und daß ihr Wille in letzter Instanz entscheiden muß. Keren Kajemeth scheint sich für eine völlig unabhängige Institution zu halten und will sogar das Recht der Exekutive, Kolonisationsfragen zu entscheiden, in Zweifel ziehen. Der Kongreß darf ein weiteres Andauern dieses Zustandes nicht gestatten. Sacher besprach die mit der Regierung verknüpften Probleme und berichtete über die allgemeine Politik, die die Exekutive gegenüber der Regierung verfolgt hat. Die Exekutive legt Gewicht auf gegenseitiges Vertrauen, sie glaubt nicht, daß extravagante Deklamationen oder die Weigerung, Gutes anzuerkennen, nützlich oder gerecht ist. Im letzten Jahre ist es gelungen, zunächst 600, dann weitere 2400 Einwanderungszertifikate zu erhalten. Bezüglich Kotei Maarabi hat die Exekutive der Regierung ein Memorandum überreicht, worin dargelegt ist, daß die ganze Frage durch das Mandat geregelt sei und daß die von der Regierung zugrunde gelegte Lehre vom Status quo durch das Mandat nicht gerechtfertigt sei, sondern daß unsere Rechte unter dem Mandat vollständigere und ausgedehntere seien. Es folgte das Referat Artur H a n t k e s über Jewish Agency und Keren Hajessod. Es existieren heute 125 000 Keren-Hajessod-Zahler, die nicht der zionistischen Bewegung angehören. Das bedeutet eine Verdoppelung der1 finanziellen Kräfte der organisierten Palästina-Bewegung. Voraussetzung war der „neutrale“ Charakter des Keren Hajessod. Die Erweiterung der Jewish Agency ist eine geschichtliche Tatsache geworden. Der zweite Meilenstein in der organisatorischen Zusammenfassung des jüdischen Volkes für den Aufbau Palästinas ist erreicht. Die letzten dreißig Jahre jüdischer Geschichte zeigen eine unlösbare Einheit zwischen Aufklärungsarbeit im Galuth, Aufbau des Nationalheims und Zusammenfassung der Judenheit im Palästinagedanken. Nun wird der Keren Hajessod Instrument der neuen Agency. Trotz der ungünstigen Lage des Kapitalmarktes müsse auch die Aufnahme einer langfristigen Anleihe versucht werden. Zionisten und Nichtzionisten müssen sich von dem Bewußtsein getragen fühlen, daß sie alle in ihrer Gesamtheit, Reiche und Arme, das Fundament für alles Neue in Palästina legen: für Einwanderung von Chaluzim, für Entwicklung des Bodens, für Industrie und Handel, für Gesundheit und Erziehung, für staatsbürgerliches Leben. M. M. Ussischkin erstattet den Bericht des Nationalfonds. Die Einkünfte des Keren Kajemeth betrugen in den letzten zwei Jahren 550 000 Pfund, wrozu Kanada sehr viel beisteuerte. Es wurden 100 000 Dunam Boden neu erw orben. Der jüdische Bodenbesitz macht erst 5,G Prozent Palästinas aus, umfaßt jedoch 13 Prozent der fünf fruchtbarsten Zonen des Landes, wovon 32 Prozent dem Nationalfonds gehören. Die Minimalforderung für die nächste Zukunft ist eine Million Pfund. Der Boden müsse Eigentum des jüdischen Volkes bleiben und der Sphäre der Spekulation entzogen werden. Die Spezialdebatte über Jewish Agency Zürich, 6. August. (JTA.) In der Sitzung vom Montag, dem 5. August abends, befaßte sich der Kongreß mit den Fragen des hebräischen Erziehungsw-esens (Chinuch); die Debatte wurde abgeschlossen. Am Dienstag, dem 6. August, begann die Spezialdebatte über die Erweiterung der Jewish Agency. Es wurde ein Abstimmungsmodus durch Namensaufruf beschlossen. Man zweifelt nicht daran, daß die Vorlage betreffend Erweiterung der Jewish Agency mit überwältigender Mehrheit zur Annahme gelangen wird. Schwierigkeiten bestehen noch bei der Verteilung der 110 Sitze der Zionistischen Fifty im Council der erweiterten Jewish Agency auf die einzelnen Länder. Die amerikanischen Zionisten verlangen für sich ein Minimum von 25 Sitzen im Council. Sie kleiden dieses Verlangen in die Form eines Ultimatums und erklären, daß sie andernfalls nicht imstande seien, die Verantwortung für die Aufbringung des Palästina-Budgets auf sich zu nehmen. Weizmann ist um einen Ausgleich bemüht. Elf Kongreßkommissionen Zürich, 1. August. (JTA.) Der Permanenzausschuß des Kongresses wählte elf Kommissionen zur Durchberatung der folgenden Fragen: Politik, Jewish Agency, Finanzen, Tarbuth, Organisationsfragen, Einwanderung und Arbeit, landwirtschaftliche Kolonisation, Stadtkolonisation, Budget, öffentliche Gesundheit, Ausarbeitung der Resolutionen. Zusammenschluß der Allgemeinen Zionisten Zürich, 30. Juli. (JTA.) Die Allgemeinen Zioni- .sten aller Länder haben sich zu einer gebundenen Fraktion zusammengeschlossen und Herrn Ab Goldberg (Neuyork) zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Stephen Wise tritt der radikalen Fraktion bei Zürich, 2. August. (JTA.) Dr. Stephen S. Wise teilte dem Kongreßpräsidium mit, daß er sich der Fraktion der radikalen Zionisten angeschlossen hat. Er wTurde auch schon von dieser Fraktion in die politische Kommission als ihr Vertreter entsandt. — Gerüchtweise verlautet, daß Jacob de Haas, ein Führer der amerikanischen zionistischen Opposition, seinen Beitritt zur Partei der Revisionisten vorbereitet. Ein Weltverband der Allgemeinen Zionisten geplant Zürich, 5. August. (JTA.) Die Delegierten der Allgemeinen Zionisten auf dem Kongreß hielten eine Konferenz ab und wählten ein Komitee aus 30 Personen, das über die Schaffung einer Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten beraten soll. Dieses Komitee