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Das jüdische Echo · 1929-08-09 · 32 (9.8.1929) · p. Seite 481

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
Seite 481 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 481 General Motors Automobile LORIN/ER & CO NymphenburgerStraße128 / Telephon 61836 Chevrolet 6 Zylinder der Gründung der Agency, mit welcher die von Herzl eingeschlagene Linie der Gewinnung des jüdischen Volkes fortgesetzt wird. Ussischkin und Weizmann vor dem Kongreß In der Nachtsitzung vom 31. Juli hielt M. M. Ussischkin eine Ansprache an den Kongreß. Das erste Moment ist unsere politische Lage in Erez Israel. Unsere Lage in Erez Israel ist nicht gut. Ein zweites Moment ist die arabische Frage. Ein Verbrechen ist es, in dieser Frage zu provozieren. Aber welchem Zwecke dienen die auf allen Kongressen abgegebenen Erklärungen unserer Liebe zur arabischen Welt? Das nützt nicht. Wir haben keine Kraft im Lande, und darum sind unsere Erklärungen bedeutungslos. Das dritte Moment ist die Agency. 90 Prozent der zionistischen Welt gegen 10 Prozent wollen diesen Weg gehen. Unsere drei Heiligtümer: Religion, Land, Sprache, sind unantastbar, auch in der neuen Form unserer Arbeit. Ich bleibe und werde meine Kräfte hergeben, wo man sie braucht. Zum Schluß wandte sich Ussischkin gegen Kurt Blumenfelds Bemerkung, daß die sogenannten Flügel im Direktorium des Keren Kajemeth ihre Instruktionen von ihren Parteien bekommen. Das sei nicht richtig. Ich, schloß Ussischkin, als absolut unparteiischer Mann, stimme für die Sache, nicht für die Partei. Darauf hielt Dr. Weizmann seine dritte große Rede auf dem Kongreß. Ich werde beschuldigt, sagte er, versucht zu haben, den Kongreß zu beruhigen. Ich habe nicht eine einzige Tatsache über die politische Lage in Palästina verschwiegen. Ich habe nur gesagt, daß auf gewissen Gebieten Teilfortschritte gemacht worden sind. Ich habe gleichzeitig gesagt, daß auf anderen sehr. wichtigen Gebieten wenig erreicht worden ist. Es ist sehr populär, in diesem Milieu die Regierung anzugreifen. Ich habe weder die Regierung verteidigt noch angegriffen, nur Tatsachen festgestellt. Es ist ein langer und schwerer Weg, ein Ringen im stillen. Jeder Schritt nach vorwärts muß hart erkämpft werden. Unsere Stellung der Regierung gegenüber hängt von.' zwei Dingen ab: von unserer Kraft und vom öffentlichen Gewissen der Welt. Es ist sehr einfach, uns auch für die Sünden der Regierung verantwortlich zu machen. Gewiß geschieht uns Unrecht, und solange wir schwach bleiben, werden wir Unrecht erleiden müssen. Aber es geschieht uns unter England weniger Unrecht, als uns unter anderen Mandatarmächten geschehen wäre. Das ist nicht Beruhigung, das ist Feststellung. Wir müssen mit unseren Methoden arbeiten und bekommen als Resultat vielleicht wenig — aber es ist das einzig mögliche. Es gibt nur eine Methode:’ Mehrbarkeiten, immer neue Positionen in Palästina erwerben, noch eine Kolonie, noch eine Schule, mehr Kredit. Ich beiße die Lippen zusammen und ich gebe* weiter an-die ^chwerQ tägliche Arbeit, in~ der „Hoffnung, daß„.es denen, die nach uns kommen werden, möglich sein Wird, die Sache leichter zuTuhren1. - ' c '• - “ ■ Mit großer Aufmerksamkeit' folgte -ich--der Rede Arlosoroff, der die Frage "'Rußlands 'aufgerollt Irat. Es ist da wenig zu machen. Es ist vielleicht gar nichts zu machen. Das einzige, was wir tun konnten, war: aus dieser Hölle soviel herauszuretten als möglich war. Wir haben so viele Menschen herübergebracht, als wir nach unseren Kräften konnten. Nun noch einige Worte zur Agency: Auch diese Bewegung ist wie jede andere aus einem Negativen und aus einem Positiven entstanden. Wir Zionisten leiden an Inzucht, wir sind eine Minorität im Judentum. Wir haben wohl Großes erreicht, aber wenn wir in diesem Tempo weitergehen, werden wir den Bau Palästinas auch für unsere Generation nicht ausreichend weiterführen. Das langsame Tempo birgt hunderttausend Gefahren. Das andere Moment war die Intuition, daß dieses Palästinawerk schließlich und endlich in die Seelen aller Juden dringen wird. Und ich glaube, daß es schon heute viele nichtzionistische Juden gibt, die Palästina empfinden und dafür arbeiten, vielleicht mit größerem Eifer als manche Zionisten. Dazu kommt: Palästina ist nicht uns allein gegeben worden, sondern ganz Israel. So hätte sich denn der Kongreß zu der Höhe zu erheben — ich hoffe, er wird es tun —, aus dieser Agency eine Kenesseth Israel zu machen (Beifall), ein mächtiges Instrument, das wir mit unserem Geiste beleben, daß aus ihm große Dinge entstehen. Morgen wird die Agency als zentrale Kraft im Judentum dastehen, weil eben Palästina diese Wirkung auf das Judentum hat. Die Balfour-Deklaration kam zu einer Zeit, wo das Judentum zerschlagen war. Für mich war die Balfour-Deklaration kein Geschenk, sondern eine Forderung. Ein zerschlagenes Judentum stand vor dieser Forderung. Man nahm das Joch der Arbeiter auf sich, jahrein jahraus, tagein tagaus. Dazu brauchte man Menschen, Geld, Wunder. Es geschah ein Wunder: es kamen die Menschen. Wir müssen durch alle Winkel des Ghetto gehen, um jenen, die wir in die Schützengräben der Arbeit geschickt haben, die Möglichkeit zu geben, weiterzuarbeiten. Sollen wir weiter warten, bis bessere Tage kommen, die wir nicht erleben werden. Dies zu sagen, braucht es mehr Mut, als ein paar englische Beamte anzugreifen. Werden Sie sich zu dem gebotenen Niveau erheben, dann wird aus der Agency eine Kenesseth Israel werden. Werden Sie es nicht tun, dann werde ich Sie anklagen vor der jüdischen Geschichte und yor dem jüdischen Gott, daß eine große Zeit eine kleine Generation gefunden hat. (Langandauernder Beifall, alle erheben sich.) Die Plenarsitzung von Donnerstag In der Vormittagssitzung vom Donnerstag, dem 1*. August, sprach zunächst der Führer der Achduth Awodah (Poale Zion) in Palästina, Berl Katzenelson, sodann 'der Oberrabbiner von Johannisburg, Südafrika, Dr.'Landau, und Jacob Fishmann (Neuyork), Redakteur d^s. „Morning Journal“. Dr. Max Soloweitschik, Führer der radikalen Zionisten, warnte zum letzten Male vor den Gefahren der Agency-Erweiterung und forderte eine Vermehrung der Sicherheiten, daß die Agency nicht zum Instrument gegen den nationalen Zionismus werden solle. Meer Großmann erklärte den Standpunkt der Zionisten-Revisionislen als Ergänzung der Rede Jabotinskys. Die Revisionisten, sagte er, werden in den Council der

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